{"id":171,"date":"2014-02-13T14:06:46","date_gmt":"2014-02-13T13:06:46","guid":{"rendered":"http:\/\/reissiger-stiftung.de\/?page_id=171"},"modified":"2014-02-13T14:06:46","modified_gmt":"2014-02-13T13:06:46","slug":"kreiser-studienreisen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/reissiger-carl-gottlieb.de\/?page_id=171","title":{"rendered":"Kreiser, 1. Studienreise"},"content":{"rendered":"<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 11-14:<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">Kapitel 3.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">I. Studienreise Wien \u2013 M\u00fcnchen \u2013 Berlin.  1821-1823<\/h3>\n<p>Reissiger begab sich, nachdem ihm noch von den Freunden eine f\u00fcr seine ferneren Studien geeignete B\u00fccherei geschenkt worden war, direkt nach Wien.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nAls Reissiger nach Wien kam, lebten von den Gr\u00f6\u00dften noch Beethoven und Schubert, und das Jahr 1821 ist in der Musikgeschichte ein geweihtes. Beethoven schrieb die Missa solemnis, Schubert die unvollendete Sinfonie. Michael Vogl, der bekannte S\u00e4nger. hatte am 7. M\u00e4rz zum ersten Male Schuberts Erlk\u00f6nig \u00f6ffentlich gesungen, und die Ballade erschien als Opus l in diesem Jahre im Druck. Bedauerlicherweise ist Reissiger mit den beiden Gro\u00dfmeistern nicht pers\u00f6nlich bekannt geworden. Beethoven war schon der infolge, seiner v\u00f6lligen Taubheit ganz<br \/>\nzur\u00fcckgezogen lebende Meister. \u00dcber Reissigers Verh\u00e4ltnis zu Schubert kl\u00e4rt uns ein sechsunddrei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter (20. Dezember 1857) geschriebener Brief des Ersten auf:<br \/>\nAuf Ihr sehr wertes Schreiben bedaure ich Ihnen erwidern zu m\u00fcssen, da\u00df damals meine gro\u00dfe Sch\u00fcchternheit mich leider nicht zu einer n\u00e4heren Bekanntschaft mit dem uns allen unverge\u00dflichen Franz Schubert kommen lie\u00df, von dem ich schon anno 1821 soviel R\u00fchmliches h\u00f6rte, der mir aber von meinen n\u00e4heren Freunden als schwer zug\u00e4nglich geschildert wurde.Auch in den wenigen Tagen meiner Durchreise anno l825, wo ich mich sehnte, Schuberts Bekanntschaft zu machen, gelang mir dies nicht, da derselbe krank war&#8230;..<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nMu\u00dfte Reissiger also auf die beiden genialsten musikalischen Ratgeber, die die Welt damals besa\u00df, verzichten, so n\u00fctzte er daf\u00fcr alles andere flei\u00dfig aus, was ihm wertvoll werden konnte. &#8212; Reissiger kam gerade nach Wien, als im musikdramatischen Schaffen der Kampf zwischen Deutsch und Italienisch am heftigsten tobte. Der Rossinitaumel der Wiener am Anfang der zwanziger Jahre ist ja bekannt. &#8212;&#8211; Aber die Deutschen arbeiteten langsam, doch sicher vorw\u00e4rts. Der Dichter Holtei, die Kritiker Mosel und Kanne traten f\u00fcr die deutsche Oper ein, und ein Sieg, wie er seit Mozart nicht dagewesen, sollte bald kommen. Am 3. November 1821 wurde der \u201eFreisch\u00fctz\u201c zum ersten Male in Wien gegeben und fand begeisterte Aufnahme. Bald darauf (20. Dezember 1821) hatte noch eine deutsche, wenn auch etwas italienisierende, romantische Oper Erfolg: Spohrs \u201eZemire und Azor\u201c. Das alles erlebte der junge Reissiger pers\u00f6nlich, und es verfehlte nat\u00fcrlich auch nicht seine Wirkung auf ihn, denn mutig sehen wir ihn seine erste Oper \u201eDas Rockenweibchen\u201c komponieren. Wenn auch das Werk selbst wegen des Textes die Zensur nicht passierte \u2013 bei den ber\u00fcchtigten Zensurverh\u00e4ltnissen der \u00c4ra Metternich nichts Ungewohntes \u2013, also eine Auff\u00fchrung nicht zustande kam, so f\u00fchrte doch die erfolgreiche Ouvert\u00fcre den jungen Komponisten sehr g\u00fcnstig beim Theater ein. Er erhielt freien Eintritt in die K. K. Hoftheater. Unter den weiteren Ouvert\u00fcren, die er f\u00fcr dieselben schrieb, befindet sich auch eine Schauspielouvert\u00fcre \u201eK\u00e4thchen von Heilbronn\u201c. &#8212; F\u00fcr Caroline Unger, die gefeierte B\u00fchnens\u00e4ngerin und Verlobte Nik. Lenaus, schrieb er in Wien die \u201eGeheimen Schmerzen\u201c.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nDaneben setzte Reissiger aber auch die theoretischen Studien fort, und zwar bei Salieri, dem Italiener. der als Opern- und Kirchenkomponist trotz seiner Abstammung sp\u00e4ter Glucksche Prinzipien vertrat und von Gluck selbst beg\u00fcnstigt worden war. Beethoven und Schubert waren schon seine Sch\u00fcler gewesen. Die praktischen Studien im Pianofortespiel hat Reissiger nat\u00fcrlich in Wien ebenfalls fortgesetzt. Wir wissen. da\u00df er mit Czerny bekannt war, und da dessen Unterricht um diese Zeit schon ein gesuchter in Wien war, so ist wohl zu vermuten, da\u00df Reissiger ihn genossen hat. Reissiger hat in Wien ein Klavierkonzert komponiert und dasselbe auch \u00f6ffentlich vorgetragen. Wir lesen in der A. M. Z. (1822 Seite 114, K\u00e4rntner-Thortheater betr.): \u201e&#8230; so erntete unl\u00e4ngst unser Landsmann Reissiger zwiefache Lorbeeren, zuerst als S\u00e4nger durch den kraftvollen Vortrag der herrlichen Ba\u00dfarie in H-Moll aus Handels Messias, sodann als Virtuose auf dem Pianoforte in einem ungemein solid gearbeiteten Konzerte aus Es-Dur\u201c. Wir sehen aus diesem Bericht, da\u00df Reissiger auch wieder als S\u00e4nger aufgetreten ist.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nIm Mai 1822 verlie\u00df er Wien, um sich noch bei einer anderen zeitgen\u00f6ssischen Autorit\u00e4t Anregungen zu holen, bei dem Hofkapellmeister Peter v. Winter in M\u00fcnchen. Vieleicht war Reissiger von Salieri auf Winter hingewiesen worden, denn Salieri und Winter waren sehr befreundet.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nNeben Kirchenmusik lernte Reissiger bei ihm auch originelle Kammermusik kennen, originell vor allem in bezug auf die Besetzung, was auf Mannheimer Einfl\u00fcsse zur\u00fcckgeht. Wenn Reissiger sp\u00e4ter Kammerges\u00e4nge oder Konzertanten f\u00fcr Bl\u00e4ser mit Orchester schrieb, so werden wir die Anregungen dazu bei Winter zu suchen haben.<br \/>\nReissiger entwickelte nun in M\u00fcnchen eine ebenso flei\u00dfige T\u00e4tigkeit wie in Wien. Winters Freundschaft gewann er durch die Komposition einer Konzertouvert\u00fcre, zu welcher Winter ein Thema in f\u00fcnf Noten gegeben hatte. Bei der \u00f6ffentlichen Auff\u00fchrung fand dieselbe solchen Beifall, da\u00df der Hoftheater-Intendant bei ihm sogleich eine Schauspielmusik bestellte, und zwar zu einer Trag\u00f6die \u201eNero\u201c. Reissiger schrieb die Ouvert\u00fcre (sie erschien (4-h\u00e4ndig) bei Breitkopf &amp; H\u00e4rtel), die Ch\u00f6re und einige Zwischenakte, und erntete damit auch Beifall, so da\u00df sich Winter ernstlich um ein Opernlibretto f\u00fcr Reissiger bem\u00fchte. Er hielt \u201eDidone abandonata\u201c des ber\u00fchmten Librettisten Metastasio f\u00fcr geeignet, auch von Reissiger komponiert zu werden; denn der Text war bereits vielfach vertont worden. Dido wurde etwas zurechtgestutzt, und Reissiger komponierte nun seine zweite Oper (die einzige italienische). Aber das Schicksal, das ihm sonst so wohlwollte, spielte ihm auch in M\u00fcnchen einen Streich wie damals in Wien, als es sich um die Auff\u00fchrung einer Oper von ihm handelte. Der Brand, welcher das Hoftheater in Schutt legte, verhinderte die Auff\u00fchrung der bereits angenommenen Oper.<br \/>\nIn M\u00fcnchen vollendete Reissiger dann fernerhin noch eine feierliche Messe, welche er schon in Wien begonnen hatte, und mit welcher er Winter sehr erfreute.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nDie Vermutung, da\u00df Reissiger seine \u00fcberall ger\u00fchmten stimmlichcn Anlagen noch von Winter, der eine noch bis auf den heutigen Tag gesch\u00e4tzte Singschule herausgegeben hatte, besonders hat schulen lassen, wurde uns durch Einsichtnahme eines in den Akten des Leipziger Ratsarchivs befindlichen Gesuches best\u00e4tigt, worin Reissiger schreibt, da\u00df er bei Winter auch Gesangsunterricht genommen habe.<br \/>\nDreiviertel Jahr war Reissiger bereits in M\u00fcnchen, als er aus Leipzig die Kunde von einer Erkrankung (es war die letzte) seines Wohlt\u00e4ters Schicht bekam, und zwar erhielt er gleichzeitig eine Aufforderung, begleitet von einem sehr ehrenvollen Schreiben des Leipziger Rates, die Vertretung des Thomaskantors zu \u00fcbernehmen.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 15-18:<\/div>\n<p>Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir noch ein anderes Zeugnis aus M\u00fcnchen bringen, und zwar von dem Freunde C. M. v. Webers, Johann Nepomuk Poissl, welcher bald (1823) Hoftheater-Intendant wurde. Es lautet (bisher unver\u00f6ffentlicht) :<br \/>\n\u201eNachdem der Tonk\u00fcnstler Herr C. G. Reissiger w\u00e4hrend seines neunmonatlichen Aufenthalts dahier in M\u00fcnchen mir Unterzeidinetem hinreichend Gelegenheit gegeben hat, den ganzen Umfang seiner musikalischen Kenntnisse, sowie auch seiner \u00e4sthetischen und artistischen Bildung im allgemeinen vollkommen kennen zu lernen. und glaubt, da\u00df eine freim\u00fctige Erkl\u00e4rung meiner von demselben gefa\u00dften Meinungen ihm zur Empfehlung dienen k\u00f6nntte. so f\u00fchle ich mich aus Liebe zur Wahrheit und Achtung f\u00fcr jedes wirkliche Tailent verpflichtet, demselben hiermit folgendes aus meiner festen \u00dcberzeugung hervorgehendes Zeugnis auszustellen; Herr Reissiger besitzt neben ebenso tiefen als ausgebreiteten Kenntnissen in der gesamten Theorie der Musik, eine bis zur Fertigkeit gebrachte \u00dcbung im Spiel, und hat von der Vorsehung soviel Genialit\u00e4t erhalten und durch anhaltendes Studium so viele Erfahrungen erworben und einen solchen Grad der Geschmacksbildung erreicht, da\u00df seine zu meiner Kenntnis gekommenen Werke im galanten Stil ebenso vorteilhaft f\u00fcr die gro\u00dfen Talente ihres Verfassers zeugen, als jene im strengen Stil. Belege dieses Zeugnisses sind f\u00fcr den strengen Stil eine gro\u00dfe, solenne Missa, f\u00fcr den galanten Stil die italienische Oper Dido, beides Werke, die meines Erachtens jedem bereits im besten Kredit stehenden Komponisten Ehre machen w\u00fcrden. Au\u00dferdem besitzt Herr Reissiger die F\u00e4higkeiten jedes S\u00e4ngerchor und Orchester mit Pr\u00e4zision und Gewandtheit zu dirigieren, und vereinigt mit einer sehr bedeutenden Gesangskunde und Virtuosit\u00e4t als Klavierspieler eine seltene Fertigkeit im Lesen und Vortragen von Partituren, so wie er sich auch die so sehr wichtigen Kenntnisse der alten und neueren Sprachen, in denen sich die Musik zu bewegen pflegt, eigen gemacht hat. Diese s\u00e4mtlichen Kenntnisse qualifizieren nach meiner \u00dcberzeugung zu jeder Kapellmeisters und Direktors Stelle; da aber Herr Reissiger mit denselben eine ganz besondere F\u00e4higkeit zu unterrichten, sein Wissen ebenso systematisch als klar mitzuteilen, vereinigt, und auch seine Moralit\u00e4t ungeachtet seiner Jugend die vorteilhafteste ist, und in voller Ubereinstimmungmit seinem guten und soliden Charakter steht, so w\u00fcrde derselbe als Kantor an einer Kathedrale oder als Vorstand einer Chorschule vielleicht noch am besten an seinem Platze stehen und f\u00fcr die Kunst wie f\u00fcr das anvertraute Institut am n\u00fctzlichsten wirken k\u00f6nnen. Indem ich auf mein Ehrenwort erkl\u00e4re, da\u00df ich die hier aufgez\u00e4hlten Eigenschaften an Herrn Reissiger wahrgenommen, mich von denselben v\u00f6llig \u00fcberzeugt habe, empfehle ich denselben jedermann, dem er seine Dienste anbieten k\u00f6nnte, aufs angelegentlichste und habe zu gr\u00f6\u00dferer Gewi\u00dfheit f\u00fcr alle diejenigen, welche meiner Empfehlung Glauben und Geh\u00f6r schenken wollen, gegenw\u00e4rtigem Zeugnisse meine Handunterschrift und mein angestammtes Wappen beigef\u00fcgt. Johann Nepomuk Freiherr v. Poissl, K\u00f6nigl. Bayrischer Kammerherr, des hohen St. Georg Ordensritter und Kommandeur des Gro\u00dfherzog. Haus- und Verdienstordens.\u201c<br \/>\nDiese Zeugnisse sind so ausgezeichnet, da\u00df man sich nicht zu wundern braucht, wenn Reissiger auf Grund derselben und bei dem ihm eben entgegengebrachten Wohlwollen des Leipziger Rates sich nun gleich um die Nachfolge im Thomaskantorat bewirbt. \u201eIch kenne die ganze Wichtigkeit des Amtes eines Kantors an der Thomasschule, aber mit dem Bewu\u00dftsein redlichen und eifrigen Strebens nach dem H\u00f6heren, mit dem Vertrauen auf die mir von Gott verliehene Kraft getraue ich mir, wahrlich ohne alle Anma\u00dfung mit den Bewerbern um diese Stelle in die Schranken zu treten.\u201c Au\u00dfer ihm bewarben sich noch neun andere K\u00fcnstler, unter anderen Theodor Weinlig aus Dresden und Karl Loewe aus Stettin, der sp\u00e4tere ber\u00fchmte Balladenmeister.<br \/>\nWenn Reissiger nicht gew\u00e4hlt wurde, so war seine f\u00fcr dieses Amt zu gro\u00dfe Jugend (25 Jahre) der einzige Hinderungsgrund gewesen. Gew\u00e4hlt wurde bekanntlich Theodor Weinlig, den C. M. v. Weber, welcher seit seinem Freisch\u00fctz-Erfolg zur Weltber\u00fchmtheit aufgestiegen war, empfohlen hatte.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 16-17:<\/div>\n<p>Reissiger ging nun im Mai 1823 nach Berlin, wo er sich auf Anraten als Lehrer niederlassen wollte. bis sich einmal irgendeine bessere Gelegenheit finden w\u00fcrde. Zun\u00e4chst hatte er das Gl\u00fcck, im Hause des sehr kunstsinnigen Fabrikanten Stobwasser, an den er wohl noch von Schicht empfohlen worden war, die freundlichste Aufnahme zu finden. Stobwasser war ein begeisterter Dilettant (das Wort noch im guten Sinne), ein t\u00fcchtiges Mitglied der Berliner Singakadernie. Die Tochter Marie wurdeReissigers Klaviersch\u00fclerin. Au\u00dfer dieser Bekanntschaft mit der Tochter, aus welcher, wie wir noch sehen werden, sp\u00e4ter zartere Bande entstanden, machte Reissiger in diesem Hause noch andere f\u00fcr sein Leben sehr n\u00fctzliche Bekanntschaften.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nZu seinem aufrichtigen Freunde wurde ihm neben Stobwasser der Geh. Oberregierungsrat Chr. Gottfried K\u00f6rner, der Vater Theodor K\u00f6rners, welcher 1817 in das neugebildete erste preu\u00dfische Kultusministerium unter Altenstein eingetreten war und daher von Dresden nach Berlin \u00fcbergesiedelt war. &#8212;&#8211; Reissiger konnte sich freuen, einen solchen Protektor gefunden zu haben, nachdem ihm schon Schicht so wertvolle Dienste geleistet hatte. Der als erster Kultusminister von Preu\u00dfen bekannte Freiherr von Altenstein (l817 &#8211; 37) sowie der musikalisch sowohl praktisch als wissenschaftlich t\u00e4tige General Witzleben, ein Freund und. Verehrer Spontinis, wurden neben K\u00f6rner ebenfalls wohlwollende Freunde Reissigers. Auch das Berliner Publikum gewann sich Reissiger durch seine Kompositionen, die jetzt immer zahlreicher wurden (Liedersammlungen und Klaviersachen), aber ebenso auch durch \u00f6ffentliches Auftreten.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nDie obengenannten hohen Protektoren hatten schon l\u00e4ngst den Plan gehabt, das Talent Reissigers dem preu\u00dfischen Staate irgendwie nutzbar zu machen. Die Regierung besch\u00e4ftigte sich gerade jetzt ernstlich mit dem Gedanken einer staatlichen F\u00fcrsorge f\u00fcr das Musikbildungswesen, was auch wir heute noch hoch anerkennen m\u00fcssen. &#8212;&#8211; Zu einer Studienreise auf Staatskosten hatte man nun sein Augenmerk auf Reissiger gerichtet, welcher schon selbst immer danach getrachtet hatte, zur Erweiterung seines Horizontes, gewisserma\u00dfen als letzte Kr\u00f6nung seines, wie wir wissen, guten Bildungsganges einmal eine gr\u00f6\u00dfere Auslandsreise zu unternehmen. Die Herren von Altenstein, Witzleben, K\u00f6rner regten ihn daher an, eine Eingabe an den K\u00f6nig wegen der Bewilligung des Geldes zu machen. Dieses Gesuch wollten sie dann bef\u00fcrworten mit dem Hinweis, da\u00df Reissiger gleichzeitig f\u00fcr den preu\u00dfischen Staat genaue Einsicht in das Musikbildungswesen des Auslandes nehmen k\u00f6nnte. Reissiger machte die Eingabe an den K\u00f6nig in diesem Sinne.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 19-25:<\/div>\n<p>Ehe Reissiger den Erfolg der Eingabe erfuhr, war er mit einer anderen Angelegenheit besch\u00e4ftigt. Schon im Gesuche wird die Einstudierung der Oper Dido in Dresden erw\u00e4hnt. Er hatte n\u00e4mlich das Gl\u00fcck gehabt, da\u00df auf C. M. v. Webers Empfehlung seine Oper in Dresden angenommen worden war. &#8212;&#8211; Es kam also wirklich einmal zu einer Auff\u00fchrung einer Oper Reissigers. Wir erinnern uns. da\u00df bisher (Wien, M\u00fcnchen) immer ein Mi\u00dfgeschick die Auff\u00fchrung verhinderte. Am 31. Januar 1824 ging Dido zum ersten Male in Dresden in Szene. &#8212;&#8211; Zur ersten und zweiten Auff\u00fchrung war Reissiger selbst noch nicht in Dresden eingetroffen. Erst am 5. Februar langte er an und folgender interessante Brief an Stobwasser bringt Genaueres :<br \/>\n\u201eSehr wertgesch\u00e4tzter Freund und G\u00f6nner! Gestern in der Mitternachtsstunde bin ich gl\u00fccklich und gesund, trotz der f\u00fcrchterlichen St\u00f6\u00dfe, in die mich der durch vorhergehenden Schmutz und durch darauffolgenden Schmutz erb\u00e4rmlich gemachte Weg versetzt hat (sch\u00f6nes Deutsch!) hier angelangt und s\u00e4ume nicht, nachdem ich Sie alle herzlich begr\u00fc\u00dfe, Ihnen folgende erhebliche Data aus meiner Lebensschaukel mitzuteilen. Was Ihnen auch vielleicht f\u00fcr Nachrichten \u00fcber die erste Auff\u00fchrung zu Ihren lieben Ohren gekommen sein m\u00f6gen, so viel habe ich gewi\u00df erfahren, da\u00df die erste Auff\u00fchrung, ob sie gleich schlecht war, doch gefallen hat und die Oper beif\u00e4llig aufgenommen wurde. Vorgestern, am Mittwoch, ist sie weit besser gegangen, und sind die meisten St\u00fccke applaudiert worden. C. M. v. Weber hat mir sehr viel Elogen gemacht, von dem ersten Akt hat ihm auch das Buch gefallen, der zweite, meinte er, schleppte sich, da sich&#8217;s ganz allein um die Dido drehe. Er sagte mir, sowie mehreren meiner Freunde, da\u00df die Sandrini ihr M\u00f6glichstes geleistet und sch\u00f6n gespielt habe, Tibaldi aber gar keine<br \/>\nStimme mehr habe, hingegen Zezi, der Basso (nicht Sassaroli) sehr gut gesungen habe. Auch dem K\u00f6nig hat sie gefallen. Vorz\u00fcglich die zweite Auff\u00fchrung, und wenn der Herzog von Koburg nicht hier w\u00e4re, der immer etwas anderes zu sehen w\u00fcnscht, so h\u00e4tte ich die Dido schon n\u00e4chsten Mittwoch wieder geh\u00f6rt. Indes hat mir Weber (der sich Ihrem ganzen, lieben. Guten Hause bestens empfiehlt) versprochen, da\u00df ich sie bald zu h\u00f6ren bekommen soll. \u2013 Auch das Publikum ist mit der Musik sehr zufrieden gewesen und hat nur andere S\u00e4nger gew\u00fcnscht. Zezi soll die Ba\u00dfarie sehr sch\u00f6n gesungen haben. Ich ging wirklich mit gro\u00dfer Bangigkeit hierher, allein ich h\u00e4tte es nicht n\u00f6tig gehabt, denn so leicht wird hier nicht ausgepocht. Heute will<br \/>\nich nun den S\u00e4ngern und S\u00e4ngerinnen einen Besuch machen. F\u00fcrstenau ist sehr artig gegen mich und l\u00e4uft \u00fcberall mit mir herum. Nehmen Sie mit diesen wenigen Zeilen vorlieb und denken Sie meiner in Berlin. Teilen Sie diese beruhigenden Nachrichten allen mit, die teil an mir nehmen. Es kommt mir sehr n\u00e4rrisch an, so allein hier zu leben \u2026. Gott erhalte Sie gesund und schenken Sie ferner Ihre Liebe ihrem dankbaren C. G. Reissiger. Dresden, 6. Februar 24.\u201c<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nMochte es der junge Komponist auch bedauert haben, nur um seiner Oper willen. die ihn so auf sich warten lie\u00df, die Reise nach Dresden unternommen zu haben, so hatte er trotz mancher Widerw\u00e4rtigkeiten doch einen Vorteil mit seiner Oper errungen, die Gunst des K\u00f6nigs Friedrich August I., welcher ein gro\u00dfer Musikfreund war und besonders die italienische Oper bevorzugte. Reissiger selbst schreibt es in einem Briefe und auch bei R. Wagner (Ges. Schriften) ist zu 1esen: \u201eReissigers Dido abandonata gewann dem Komponisten die Gunst eines s\u00e4chsischenMonarchen.\u201c Dieses Moment ist beachtlich. denn wenn Reissiger sp\u00e4ter (1826) Leiter der deutschen Oper in Dresden wurde, so hatte er, der ja deutscher Komponist war und mit Dido nur einen kleinen Abstecher gemacht hatte, gerade durch diese kleine Abschweifung die pers\u00f6nliche Gunst des K\u00f6nigs gewonnen, welche er dann f\u00fcr die Ausbreitung der deutschen Oper ausnutzen konnte.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nUnter dem 1. M\u00e4rz 1824 wurde Reissiger der Bescheid, da\u00df der K\u00f6nig von Preu\u00dfen ihm 500 Taler zu einer Kunstreise nach Paris und Italien unter der Bedingung zu bewilligen geruht habe, da\u00df er sich bereit erkl\u00e4re, seine Dienste nur dem preu\u00dfischen Staate zu widmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>auf Seiten 11-14: Kapitel 3. I. 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