{"id":179,"date":"2014-02-13T14:27:17","date_gmt":"2014-02-13T13:27:17","guid":{"rendered":"http:\/\/reissiger-stiftung.de\/?page_id=179"},"modified":"2014-02-13T14:27:17","modified_gmt":"2014-02-13T13:27:17","slug":"kreiser-2-studienreise","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/reissiger-carl-gottlieb.de\/?page_id=179","title":{"rendered":"Kreiser, 2. Studienreise"},"content":{"rendered":"<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 25-29:<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">Kapitel 4.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Zweite Studienreise. Belgien, Frankreich, Italien.   1824-1826<\/h3>\n<p>Reissiger hatte dem Ministerium angegeben, da\u00df er nach einem halben Jahre, also im September 1824, gedenke, die mehrj\u00e4hrige Reise anzutreten. Aber bereits im Mai sehen wir ihn in Leipzig, wo er die erste Station macht.&#8212;&#8211; Auch wollte er sich in Leipzig von seinen Freunden verabschieden und veranstaltete daher ein \u00f6ffentliches Konzert. Die Kritik schreibt: \u201eAm l4. Mai gab uns Herr C. G. Reissiger im Saale des Gewandhauses ein in mehrfacher. Hinsicht angenehmes, auch mehr als gew\u00f6hnlich besuchtes Konzert. Symphonie A 7 von Beethoven, Duett aus Zelmire usw. alles vortrefflich. Herr Reissiger lie\u00df uns Hummels A-Moll-Konzert h\u00f6ren. An Fertigkeit und seelenvollem Vortrag hat er sehr bedeutend gewonnen, so da\u00df das Perlende auch in schweren Aufgaben, was notwendig zur Meisterschaft geh\u00f6rt, sich gewi\u00df bald dem schon Errungenen beigesellen wird Seine Ouvert\u00fcre zu Dido, welche sehr gut und voll instrumentiert ist, rund und melodi\u00f6s ist, nur da\u00df sie zu sehr spontinisiert. Arie mit Chorr aus derselben Oper voll Melodie, nach Art Rossini. Das Trio f\u00fcr Pianoforte, Violine, Violoncello wurde ebenso sicher vorgetragen. als es besetzt ist.\u201c<br \/>\nReissiger berichtet dann Weiter: \u201eMein Weg f\u00fchrte mich \u00fcber N\u00fcrnberg, wo ich mit Herrn Hofrat G. D\u00f6ring wegen eines Opernbuches f\u00fcr mich sprechen mu\u00dfte, nach Frankfurt a. M., da ich gerade zur Zeit der Messe viel Gelegenheit zu h\u00f6ren hatte, indem einen Tag um den anderen gro\u00dfe Oper war. Ich habe mich \u00fcber den guten Geschmack, der hier herrscht, sehr gefreut. Die hier erst k\u00fcrzlich errichtete Singakademie, wenn auch bei weitem nicht so ausgebreitet und ausgebildet als die Zeltersche, wird von Herrn Schelble geleitet, und beweist, ebenso wie in Berlin, welchen gro\u00dfen Einflu\u00df das H\u00f6ren und Treiben guter Kirchenmusik und Studieren gediegener Werke auf die Bildung des Geschmacks habe. \u2013 Schlechter wird die Musik in den Kirchen getrieben; der Chorgesang ist schlecht; die Organisten wissen nichts vom Kirchenstil; statt da\u00df sie gebunden spielen, spielen sie unb\u00e4ndig und klavierm\u00e4\u00dfig, und ich habe wirklich eine nur merkliche, stufenweise Abnahme in dem einfachen religi\u00f6sen Stil gefunden, je n\u00e4her und je weiter ich innerhalb Frankreich kam.\u201c<br \/>\nEin Brief an Seinen \u201eliebsten Herrn Stobwasser\u201c vom 25. September 1824 aus Paris erg\u00e4nzt in humoristisch-freierer Art das Reisebild: \u201eSeit drei Tagen bin ich hier, und da sich mir eine so g\u00fcnstige Gelegenheit, Ihnen zu schreiben, durch einen Berliner, der hier im Hause Mendelssohns war, darbietet, so ergreife ich dieselbe, um alle recht herzlich zu begr\u00fc\u00dfen und meine gl\u00fcckliche Ankunft in den Elys\u00e4ischen Gefilden zu melden. &#8212;- Von Aachen nach L\u00fcttich ist der Weg sehr sch\u00f6n, Berge und T\u00e4ler wechseln in immer neuen Farben, jedoch wird der Weg nach Br\u00fcssel zu h\u00f6chst einf\u00f6rmig und flach, ebenso nach Paris. Ach, du gottlose Stadt, was kostest du f\u00fcr Geld, wie verstehen es deine Einwohner, einem das Geld aus den Taschen zu locken! Aber daf\u00fcr h\u00f6rt, sieht und hat man auch etwas. Ich bin noch, obgleich ich schon sehr viel gesehen habe, zu sehr Neuling hier, um einen Vergleich aufzustellen, aber Wien ist nur ein kleinst\u00e4dtisches Nest gegen Paris. &#8212; man braucht zu viel Geld, f\u00fcr ein sehr einfaches St\u00fcbchen mu\u00df ich 45 Francs pro Monat zahlen. \u2014 N\u00e4chstens mehr.\u201c<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nIm Bericht an den Minister erz\u00e4hlt Reissiger von den Meistern, die er pers\u00f6nlich kennen lernte \u201eDie Bekanntschaft mit den gro\u00dfen Meistern, die die Hauptstadt zu ihrem Sitze ersehen haben, teils weil sie im \u00fcbrigen gro\u00dfen Frankreich keine Gelegenheit haben, sich auszuzeichnen oder dem Staate zu n\u00fctzen, die Menge der jungen K\u00fcnstler, die sich alle nach der Hauptstadt wenden,.um von diesen Meistern zu profitieren; das Konservatorium, alles ist interessant, und ein Fremder findet eine Masse von Talenten in einer Stadt, die er in ganz Deutschland nicht vereinigen kann. Die gro\u00dfen Meister Cherubini, Kreutzer, Pa\u00ebr, Lesueur, Boieldieu usw. k\u00f6nnen aber durchaus nichts beitragen, um die leichte franz\u00f6sische Nation vielseitig oder doch wenigstens gebildet in ihrem Geschmack zu machen. F\u00fcr gediegene Musik, f\u00fcr Werke, die gut gearbeitet, gut durchdacht sind, ist der Franzose nicht geeignet; er hat keinen Sinn f\u00fcr Kirchenmusik, die denn auch in Paris ganz schl\u00e4ft. Nur in der Hofkapelle h\u00f6rt man unter Cherubinis Leitung zumeist eine gute Musik. Der Kirchengesang und die Organisten sind schlecht, letztere werden sehr schlecht bezahlt. und man ist schon zufrieden, wenn man zu solchen Kapellen Subjekte findet, die notd\u00fcrftig einen Choral spielen k\u00f6nnen. &#8230;..<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nIn Briefen hei\u00dft es dann \u00fcber sein Leben in Paris weiter: \u201eDieZeit vergeht hier schrecklich schnell. kaum habe ich die Sehensw\u00fcrdigkeiten, die ich notwendig vor Ende des Herbstes sehen mu\u00dfte, alle in Augenschein genommen. geschweige denn alles geh\u00f6rt. was zu h\u00f6ren ist. \u2018Ich habe seit drei Wochen m\u00fcssen die N\u00e4chte zu Hilfe nehmen, um mir etwas zu verdienen, wie k\u00f6nnte ich sonst hier bestehen \u2013 ich mache ja das ganze preu\u00dfische Ministerium arm.\u2019 Denken Sie, da\u00df man den Tag \u00fcber unter 6 Francs (inkl. Logis) nicht leben kann, denken Sie, da\u00df die Theaterpreise (Parterre 3-4 und 5 Francs) sind, und ich fast t\u00e4glich ins Theater gehe, so haben Sie einen Begriff. Ich war so gl\u00fccklich, an einen hiesigen Verleger mein neues Trio (das zweite) zu verkaufen und ein Heft Variations brilliantes f\u00fcr 600 Francs, und dieses kommt mir dabei wohl zustatten, ob ich mich gleich wunderte, da\u00df der Verleger dieses nahm, da ich hier noch nicht bekannt bin. &#8212;-<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 29-36:<\/div>\n<p>An anderer Stelle \u00e4u\u00dfert sich Reissiger \u00fcber Rossini (Bericht): \u201eIch habe nun auf meinen Reisen alle Rossinischen Opern geh\u00f6rt, manche sehr oft, bin nun endlich erm\u00fcdet davon. Der Laie h\u00e4lt freilich das f\u00fcr gut, was er in Paris, in der Pariser italienischen Oper, in einer der ersten St\u00e4dte Europas h\u00f6rt, allein ein K\u00fcnstler wird sich, wenn er sich alles Gute, dessen Rossini wirklich nicht wenig besitzt, ins vorteilhafteste Licht zu setzen sucht, doch immer und ewig \u00fcber die Fehler, die das Gute bei weitem \u00fcbersteigen, \u00e4rgern. Rossinis Melodien sind leicht, reizend, er schreibt mit Gef\u00fchl, versteht den Effekt, allein seine Musik ist nie ein Ganzes, seine Opern sind keine Kunstwerke wie die eines Mozart, die vonAnfang bis zu Ende durchdacht und den Anforderungen, die Deklamation, \u00c4sthetik usw. machen, Gen\u00fcge leistet, er l\u00e4\u00dft in seiner Musik nicht selten den Traurigen fr\u00f6hlich sein und macht den Greis zum Kinde, macht und behandelt oft die ernsthaftesten Gegenst\u00e4nde komisch und zieht das Edle ins Niedrige herab. jedoch gef\u00e4llt seine Musik und sie verdient es; allein, da\u00df sie so au\u00dferordentlich verehrt wird, ist unrecht. Rossini hat nur drei Originalopern geschrieben, den \u201eOthello&#8221;\u201a \u201eTancredi\u201c und den \u201eBarbierc di Seviglia\u201c, alle anderen Opern sind nur Wiederholungen und Kopien seiner fr\u00fcheren und sind entweder aus Geldgierde oder aus Einseitigkeit seines Talents entstanden; Jedoch glaube ich das Erstere, da ich die Ehre habe, ihn n\u00e4her zu kennen.\u201c<br \/>\n&#8212;&#8211;<br \/>\nNebenbei sei eine Stelle erw\u00e4hnt, wo Reissiger von einem der Vorl\u00e4ufer unserer heutigen Schutzfrist- und Tantiemegesetze Bericht erstattet (im Ministerbericht): \u201eSo schlecht es nun aber auch um die Franzosen in Ansehung des strengen Stiles steht, so sind sie im Dramatischen zu einer bedeutenden H\u00f6he gestiegen, und es wird in dieser Gattung der Komposition viel getan, da sie sehr eintr\u00e4glich ist; und ich kann dabei nicht unterlassen, nicht allein die Regierung zu loben. welche so, wie f\u00fcr andere K\u00fcnste, so auch f\u00fcr die Musik und besonders dramatische Komposition sehr sch\u00f6ne Einrichtungen gemacht hat, sondern mu\u00df eine andere besonders erw\u00e4hnen, da sie von gro\u00dfem Nutzen ist. In Frankreich erh\u00e4lt jeder Komponist, sobald eine Oper von ihm gef\u00e4llt, zeitlebens einen Teil der Einnahme von allen Theatern in Paris und in den Provinzen, wo sie gegeben wird, so da\u00df ein talentvoller Musiker, der davon zwei bis drei mit gl\u00fccklichem Erfolge auf die B\u00fchne gebracht hat, anst\u00e4ndig und sorgenfrei leben kann. Nat\u00fcrlich strengt sich jeder an, etwas Gutes zu liefern. Damit aber auf den vier k\u00f6niglichen Theatern keine unw\u00fcrdigen Werke aufgef\u00fchrt werden, ist ein<br \/>\nKomitee ernannt, bestehend aus sechs der ber\u00fchmtesten M\u00e4nner: Cherubini, Kreutzer, Pa\u00ebr, Catel, Lesueur, Boieldieu, welche \u00fcber den Wert oder Unwert eines musikalischen Werks unparteilich entscheiden und die Komposition im letzteren Falle verwerfen k\u00f6nnen, in welchem sogar der Autor die Kopialien bezahlen mu\u00df, die sich immer auf 1500 Francs belaufen. Dadurch wird jeder schon abgeschreckt, der sich nicht etwas Gutes zu liefern getraut, und im Gegenteil, jeder talentvolle K\u00fcnstler aufgemuntert, in dieser Gattung der Komposition alles zu wagen, um sich ein sorgenfreies Leben zu verschaffen, was einem blo\u00dfen Komponisten in Deutschland, wenn er nicht das besondere Gl\u00fcck hat, ein eintr\u00e4gliches Amt zu erhalten, nicht so leicht wird. Ebenso hat jedes Theater seine Dichter, die eine gewisse Zahl netter Opernb\u00fccher liefern m\u00fcssen, die ebenfalls bei uns so schwer und mit so gro\u00dfen Kosten pur zu erhalten sind, und wodurch die deutschen Theater gen\u00f6tigt werden, zu \u00dcbersetzungen franz\u00f6sischer Werke zu schreiten.\u201c<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nIm folgenden Briefe h\u00f6ren wir von Reissiger weiter: \u201eIch langweile mich schon in dem, gro\u00dfen Paris, wenn auch nicht als lebenslustiger Mensch, aber doch als K\u00fcnstler \u2013 kurz, mir ist zumute, wie dem Wanderer, der sich an der freundlich einladenden Quelle hinl\u00e4nglich gelabt hat und welchem nun die Quelle ziemlich gleichg\u00fcltig geworden ist. \u2013 Das Merkw\u00fcrdigste in der hiesigen musikalischen Welt ist die gro\u00dfe Ver\u00e4nderung der Direktion der K\u00f6nigl. Theater und die Umw\u00e4lzung, welche diese auf alle musikalischen Dinge gehabt hat. Die Veranlassung ist der neue Minister und Chef des Musikwesens, Vicomte Sosth\u00e8nes de Rochefacault, der von der Musik nichts wei\u00df und ihre feinen Fugen (Zusammenf\u00fcgungen) nicht kennt. Als ihm Cherubini seine Aufwartung machte, mu\u00dfte ihm der Bediente erst sagen: \u201eExcellen c\u2019est 1e Directeur du Conservatoire.&#8221; Beim Eintreten fragte ihn der Minister vornehm: \u201eEst ce que vous avez d\u00e9j\u00e0 compos\u00e9 un op\u00e9ra?\u201c Dieser Herr Vicomte l\u00e4\u00dft sich einfallen, die Direktion der Acad\u00e9mie royale umzust\u00fcrzen. Unter vielen anderen dankt er den braven Kreutzer ab, der noch ein sehr r\u00fcstiger Mann ist, er setzt Habeneck an dessen Stelle, der Kreutzer nicht das Wasser reicht! Diese Eingriffe geschahen, ohne da\u00df Cherubini. Lesueur, Berton\u201a Boieldieu, die Direktion dieses Theaters, im geringsten davon unterrichtet wurde. Diese vier gaben sogleich ihre Entlassung ein und Cherubini zugleich auch die seinige am Conservatoire. Es wird also gro\u00dfe M\u00fche f\u00fcr den neuen Simson haben, das eingerissene Geb\u00e4ude wieder aufzuf\u00fchren. Diese Geschichte besch\u00e4ftigt alle Theaterliebhaber, ebenso wie die Journale und Musiker. Letztere sprechen seit vierzehn Tagen nichts anderes, alle ihre Sinne sind dar\u00fcber ins Stocken geraten. Beim italienischen Theater geht es ebenso. Dem Pa\u00ebr ist die Stelle als erster Direktor genommen worden. Rossini ist ihm vorgesetzt und mit 24000 Francs engagiert worden. Dieser macht Ver\u00e4nderungen und Neuerungen nach Herzenslust. Die ganze musikalische Theaterwelt ist in Aufruhr versetzt worden.\u201c<br \/>\nBeinahe h\u00e4tte Reissiger hier in Paris die B\u00fchnenlaufbahn ergriffen. Wir lesen: \u201eDie Aufforderung Pa\u00ebrs, als S\u00e4nger zum italienischen Theater zu gehen, ist bei mir geh\u00f6rig \u00fcberlegt worden, aber diese Revolution hat mir das Theater etwas verleitet, so da\u00df ich wohl nie ein sogenannter Theaterheld werden m\u00f6chte! Obgleich Rossini sehr viele italienische ge\u00fcbte S\u00e4nger engagiert hat, so w\u00fcrde er gern auf mich reflektiert haben, aber, wie gesagt, ich f\u00fchle keine rechte Lust dazu in mir und will lieber den Weg gehen, den mir Berlin. gezeigt hat, obgleich ich keine rechte Spur von ihm kenne und nicht ganz eigentlich wei\u00df, wohin er mich f\u00fchren wird! Mein Entschlu\u00df ist, Mitte Januar \u00fcber Lyon, Turin nach Mailand zu reisen. dann Genua zu sehen, von da \u00fcber Florenz nach Rom zu gehen und dort w\u00e4hrend der Karwoche zu bleiben. Ob ich Neapel werde ber\u00fchren k\u00f6nnen, wird von der G\u00fcte des Ministers abh\u00e4ngen. Ich habe ihm ein sehr wahres Gem\u00e4lde von 500 Talern gemacht, die in Paris allein draufgehen, wenn man dorthin reisen, leben \u2013 h\u00f6ren \u2013 sehen und sich kleiden soll, um anst\u00e4ndig zu leben, zu h\u00f6ren und zu sehen! lch hoffe, der Minister wird mir gewi\u00df noch 200 Taler zulegen und mir noch ein Jahr Urlaub geben. W\u00e4re ich nicht in preu\u00dfische Dienste getreten, so b\u00f6te mir Paris jetzt ein sorgenloses Leben an. Ich k\u00f6nnte sehr vorteilhafte Stunden geben, und meine Kompositionen w\u00fcrden mir viel einbringen, wenn ich mich in die Franzosen schicken will! &#8212;&#8211; Meine Eltern sind sehr betr\u00fcbt. da mein \u00e4ltester Bruder Carl (d. h. von den zwei j\u00fcngeren Br\u00fcdern der \u00e4ltere) noch immer krank ist, indem er an Geisteszerr\u00fcttung leidet. Sie k\u00f6nnen sich denken, wie diese Krankheit meine armen Eitern \u00e4ngstigt. Ihre beschr\u00e4nkten Mittel erlauben ihnen kaum, ihn im gro\u00dfen Krankenhaus in Brandenburg zu erhalten. M\u00f6chte ich nur bald etwas \u00fcber seine Genesung h\u00f6ren! Wie gern m\u00f6chte ich meine Eltern unterst\u00fctzen! Wenigstens w\u00fcnschte ich, ihnen 50 Taler zu geben, und ich bitte Sie, meinen Eltern 50 Taler auszahlen zu lassen. Mein drittes Trio wird mir wohl wieder etwas eintragen. Auch sind wohl noch andere Sachen bald fertig, die in Deutschland etwas eintragen!\u201c<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nIn dem n\u00e4chsten Briefe (vom l4. Januar 1825) schreibt Reissiger: \u201eMeine Abreise von hier wird sich wohl bis zum 20. verz\u00f6gern. Ich hoffe nur noch einen Brief vom Minister zu erhalten, allein es scheint, da\u00df ich nicht darauf warten kann und lieber das Gewisse f\u00fcr das Ungewisse nehmen mu\u00df \u2013 d. h. Italien mit dem vorhandenen Gelde zu sehen, als hier l\u00e4nger mein Geld zusetzen und am Ende aller Enden wegen der gebetenen Zulage eine abschl\u00e4gige Antwort zu erhalten \u2013 ohne Italien sehen zu k\u00f6nnen! \u2013 Wenn mein Trio bei Peters erschienen ist, so haben Sie die G\u00fcte, sich zwei<br \/>\nExemplare f\u00fcr mich zu erbitten und eins davon unfrankiert an Mr. Farrenc, auteur et \u00e9diteur de musique \u00e0 Paris, zu schicken, der es nachstechen wird, da er mein zweites gekauft hat und sich wegen des dritten, welches ich hier geschrieben, vielleicht noch arrangieren wird. Kalkbrenner ist jetzt hier, wir haben uns liebgewonnen und sind viel zusammen.\u201c<br \/>\nAm 26. Januar verlie\u00df Reissiger die Seinestadt, nicht ohne vorher seinen Freunden in Berlin noch einmal von sich Bericht erstattet zu haben; \u201eIch benutze die wenigen Augenblicke, die ich vor meiner morgen stattfindenden Abreise meinen vielen Abschiedsvisiten und Passg\u00e4ngen abgewinnen kann, um Sie noch von der Art meines Weggehens zu unterrichten. Mein Aufenthalt war f\u00fcr mich sehr lehrreich und w\u00fcrde eintr\u00e4glich geworden sein, denn ich h\u00e4tte jetzt eben durch die Gr\u00e4fin Merlin usw. sehr bedeutende Lektionen oder vielmehr eintr\u00e4gliche Lektionen in bedeutenden H\u00e4usern bekommen. Mit dem Verleger Farrenc habeich f\u00fcr 800 Franks Gesch\u00e4fte gemacht. Ohne dies w\u00e4re ich nicht imstande gewesen, weiter zu reisen. Er bedauert, da\u00df ich schon jetzt weggehe und hat bei mir noch ein Quintett, ein Quartett, ein Trio und eine Sonate mit Violine bestellt, wof\u00fcr ich gleich Geld kekomme, wenn ich ihm das Manuskript einschicke. F\u00fcr Schlesinger habe ich einige Kleinigkeiten geschrieben und dann und wann eine Korrektur \u00fcbernommen. Er wird mich sehr vermissen. Mein hiesiger Aufenthalt hat mich 1330 Franks gekostet, und ich habe noch 300 Franks bar in der Tasche, gedenke also erst in Turin das erste Reisegeld zu heben.<br \/>\nEs war f\u00fcr mich sehr n\u00f6tig, etwas zu verdienen. wie h\u00e4tte ich sonst nach Italien kommen k\u00f6nnen? Sollte mir wohl der Minister die sicheren Hoffnungen. Ersetzen k\u00f6nnen, welche sich mir in Paris darboten? Sollte er mir gute Aussichten f\u00fcr Paris zeigen? In Paris kann ein flei\u00dfiger Musiker sein Brot spielend verdienen. Man bekommt 10 bis 15 Franks f\u00fcr die Lektion, und mit Kompositionen kann man sich einen Sparpfennig zur\u00fccklegen; Wenn ich Paris gekannt h\u00e4tte, so h\u00e4tte ich das Ding angegriffen. Aber die kgl. Mittel waren allerdings der Hebel, durch den ich hierher kam. \u2013 Es durchkreuzen sich bei mir die Sorgen mit den Hoffnungen des Lebens! Ich bedauere, da\u00df ich jetzt fortgehen soll, wo ein jeder zuredet, zu bleiben und hier mein Gl\u00fcck zu machen, wo es mir anf\u00e4ngt zu bl\u00fchen. &#8230;.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 37-39:<\/div>\n<p>Der n\u00e4chste Brief, datiert Lyon. den 30. Januar 1825, ist zun\u00e4chst die Antwort auf ein Schreiben Stobwassers, worin er Reissigers Abreise von Paris gemi\u00dfbilligt hatte: \u201eSie sind mit meiner Abreise\u2018von Paris (die sich \u00fcbrigens noch ganze vierzehn Tage versp\u00e4tet hat) nicht zufrieden, lassen Sie sehen, verehrte rHerr, was ich Ihnen entgegensetzen werde. Meine Abreise nach Italien war in mir so fest und in meinen Augen so notwendig, da\u00df ich wirklich nicht anders konnte, als dieses Jahr noch dahin zu reisen. Sie werden sagen: ich h\u00e4tte k\u00f6nnen n\u00e4chstes Jahr dahin gehen, allein das darf ich ja dem Minister noch gar nicht merken lassen, da\u00df ich noch ein Jahr wegbleiben m\u00f6chte, da er mir noch nicht einmal meine erste Bitte (Zuschu\u00df von 200 Talern) bewilligt hat \u2013 und wie denn, wenn mir der Minister l\u00e4ngere Unterst\u00fctzung abschl\u00e4gt? \u2013 dann habe ich in Paris gesessen und Italien nicht gesehen. Sehen Sie, so sitze ich denn seit gestern abend hier, um morgen nach Turin abzureisen &#8230;&#8230;.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nGibt mir der Minister keine l\u00e4ngere Unterst\u00fctzung, nun so m\u00fc\u00dfte ich eigentlich nach Berlin zur\u00fcckkehren \u2013 gibt mir der Minister aber keinen guten Platz in Berlin oder keine, ganz feste Hoffnung, so fegte ich augenblicklich wieder nach Paris, wo ich in alle Verbindungen wieder eintreten kann, wo ich gern gesehen bin und mir so viel spielend verdienen kann, als ich brauche, um recht honett alle Vergn\u00fcgungen von Paris zu genie\u00dfen. \u2013 Sie werden \u00fcber meinen Entschlu\u00df sich wundern, allein, warum sollte nicht eine Stadt liebhaben, wo ich in so kurzer Zeit, in einem Aufenthalt von 4 1\/2 Monaten als Kompositeur (als Fremder!) so gesucht worden bin, da\u00df ich an 1400 Franks Kompositionen verkauft habe und wo noch f\u00fcr ebensoviel bestellt sind, wenn ich zur\u00fcckkehren werde? \u2013 Eine Stadt, wo die Lektionen von 12 bis 18 Franks bezahlt werden, deren ich mehrere h\u00e4tte haben k\u00f6nnen, wenn ich lange hier geblieben w\u00e4re! \u2013 Habe ich da Unrecht? \u2013 da\u00df meine Kompositionen hier gekauft werden, habe ich n\u00e4chst meinem zweiten Trio, das Sie noch nicht kennen und das ich hier einmal in einer gro\u00dfen Soiree gespielt habe, vorz\u00fcglich dem Pixis zu verdanken, der sich als recht braver Mensch und Landsmann an mir gezeigt hat und mich und meine Kompositionen \u00fcberall empfohlen hat.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\n\u00dcber Lyons Verh\u00e4ltnisse erz\u00e4hlt Reissiger: \u201eDer Handel erstickt in dieser Stadt den Sinn f\u00fcr die sch\u00f6nen K\u00fcnste, vorz\u00fcglich f\u00fcr die Musik. Ich mu\u00dfte lachen, als mich jemand fragte, welche Oper mir wohl besser gefiele, die Pariser oder die Lyoner. In den Entreactes des Schauspiels wollen zwei Geigen das Haus erf\u00fcllen, und zwar mit maliti\u00f6ser Musik. die kein Mensch au\u00dfer Lyon kennt. Zuweilen h\u00f6rt man nur ein einziges Geigelchen! Ich h\u00f6rte Une Folie von M\u00e9hul und eine andere Oper von d&#8217;Alayrac und Herold. Die Pantomime ist ganz vortrefflich und das Ballett gut. Was nun \u00fcberhaupt den Glanz der Musik anbelangt, so ist alles auf Paris beschr\u00e4nkt. In der Provinz herrscht Finsternis. Kirchenmusik gibt&#8217;s gar nicht, und wenn einmal ein Fest in der Kirche gefeiert wird, so werden dazu Rossinische Ouvert\u00fcren gew\u00e4hlt, welche w\u00e4hrend der Messe den Geistlichen zum Ruhepunkt dienend, von den Milit\u00e4rbanden ausgef\u00fchrt werden. &#8230;.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nUnd von Turin hei\u00dft es Weiter: \u201eIm Theater gab man eine schlechte Oper von Niccolini \u201eTenzone\u201c \u2013 f\u00fcr diesen Karneval komponiert \u2013 aber ein sehr sch\u00f6nes Ballett: Jeanne d\u2019Arc. Das Theater ist wundersch\u00f6n, ebenso gro\u00df als das Berliner Opernhaus, nur freundlicher und eleganter. &#8230;.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nVon der Schauspielpflege in Turin berichtet Reissiger an den Minister: \u201eDas Schauspiel, welches, wie ich h\u00f6rte. das erste in Italien sein sollte, hat mir einen niedrigen Begriff von dem Standpunkte der Deklamation gegeben. Findet man es in Paris schon emp\u00f6rend, wenn die Schauspieler durch unm\u00e4\u00dfiges Schreien und durch Grimassen Effekt hervorzubringen versuchen, wie sehr mu\u00df einem hier befremden. wenn man au\u00dfer den franz\u00f6sischen Untugenden noch Unanst\u00e4ndigkeiten und Gemeinheiten eingemischt, um dem Publikum zu gefallen. Das zweite Operntheater in Turin (Teatro Sutera) ist nicht der Rede wert.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nAuf Anraten des Barons Zinnica ging ich gerade nach Mailand, da in Genua f\u00fcr die Musiker nichts zu holen ist. In Mailand will ich die letzten Tage des Karneval noch genie\u00dfen.&#8221;<br \/>\nVon Mailand hat Reissiger nun einen sehr eingehenden, fesselnden Bericht \u00fcber das Konservatorium abgesandt, wozu der alte, ehrw\u00fcrdige Direktor Censore Minoja ihm in gr\u00f6\u00dfter Gef\u00e4lligkeitdie Unterlagen geliefert hatte. Der Dank des Ministers zeugt von hoher Befriedigung und Anerkennung der Dienste Reissigers. Auch hat Reissiger erneuten Zuschu\u00df aus Berlin erhalten.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 40-44:<\/div>\n<p>\u00dcber die Mail\u00e4nder Musikzust\u00e4nde hei\u00dft es sodann an sp\u00e4terer Stelle:<br \/>\n\u201e\u00dcberhaupt ist die Musik in Mailand (und von der Capitale aufs ganze K\u00f6nigreich zu schlie\u00dfen) h\u00f6chst bedauernsw\u00fcrdig, und ich habe aus den Besuche der Kirchen, Opern und Gesellschaften aller Art gesehen, wie tief das ber\u00fchmte ltalien gefallen ist. \u2013 Kirchenmusik findet man sehr wenig, und ist man einmal so gl\u00fccklich, so bek\u00f6rnmt man h\u00f6chstens etwas alte, gute Musik, aber mit Neuerem geflickt, entstellt und profaniert.\u201c Die neueste Kirchenmusik aber bezeichnet Reissiger als \u201eein Gemisch moderner Opern-\u201a Milit\u00e4r und Tanzmusik.\u201c \u201eDie Organisten h\u00f6ren in der Oper, sobald eine neue Oper oder Ballett gegeben wird, so au\u00dferordentlich aufmerksam zu, da\u00df man gewi\u00df das am meisten applaudierte St\u00fcck n\u00e4chsten Morgen schon in der Kirche h\u00f6rt. O Warum gibt es dar\u00fcber keine Inspektion?<br \/>\nDie Oper (das ber\u00fchmte Teatro della Scala) ist unter der Mittelm\u00e4\u00dfigkeit, und ist erst so erstaunlich gefallen, seit es nicht mehr unter dem Gouvernement steht. An ein gutes Ensemble, an Flei\u00df im Einstudieren ist nicht mehr zu denken. Die S\u00e4ngerinnen, die wirklich einen Ruf haben, wie Madame Feron, M. Garcia und M. Favelli, sind, mit Ausnahme der ersten, die jetzt, weil sie ihre Niederkunft erwartet und also nicht viel singen darf, so liederlich und nehmen sich so wenig in acht, da\u00df \u00f6fters in diesem gro\u00dfen ber\u00fchmten Theater gar keine Oper sein kann und man sich mit einer niedrigen Farce und Ballett begn\u00fcgen mu\u00df, und das Publikum am\u00fcsiert sich bei diesem tollen Leben der S\u00e4ngerinnen, denn es freut sich, die armen S\u00e4ngerinnen auspfeifen zu k\u00f6nnen.\u201c<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\n\u00dcber den Gesang schreibt Reissiger lobend: \u201eAuf der Lehre des Gesanges allein scheint noch der Segen der entschlafenen klassischen Meister zu ruhen, die in einem Zeitraum von hundert Jahren so zahlreich in Italien lebten und wirkten und uns Deutschen zum achtungsw\u00fcrdigen Vorbild geworden sind. Mit der Komposition mu\u00df es hier zu Ende gehen, wenigstens wird kein Deutscher und hoffentlich auch kein Franzose in kurzer Zeit sich noch an diesem Klingklang erbauen; wir, die wir noch Kraft besitzen, um uns an dem wahren Gediegenen und Gro\u00dfen, was unsere unbestochenen, kr\u00e4ftigen Vorfahren geschaffen haben, zu erheben und zu st\u00e4rken. Die Sch\u00e4tze des Altertums, die herrlichen Arbeiten des Scarlatti, L. Vinci, Pergolesi, Leo, Porpora.\u2019 Durante, Jomelli, Piccini, Sacchini modern in den Bibliotheken und liegen unbenutzt. Gebt sie uns Deutschen, ihr geist-<br \/>\nund k\u00f6rperschwachen italienischen S\u00fc\u00dflinge! Wir wollen sie ehren und ihnen die Unsterblichkeit sichern. Italien ist nicht mehr!\u201c<br \/>\nMan beachte, da\u00df das in einer Zeit geschrieben ist, in welcher noch keine musikhistorische Wissenschaft im heutigen Sinne dazu auffordern konnte.<br \/>\nIn Reissigers Entt\u00e4uschung \u00fcber die italienischen Musikverh\u00e4ltnisse fallen aber auch Lichtstrahlen, die ihm Mailand sogar unverge\u00dflich gemacht haben. Abgesehen von den Karnevalsfreuden, bei denen er \u201eau\u00dferordentlich lustig\u201c war\u201a hat er noch H\u00f6heres erlebt. Wir lesen: \u201eIn einigen musikalischen H\u00e4usern, namentlich bei der Generalin Ertmann, Beethovens bester Sch\u00fclerin, habe ich Gen\u00fcsse gehabt, die ich nicht wieder in Italien haben werde. Die Generalin Ertmann, eine der ersten jetzt lebenden Klavierspielerinnen, hatte mich sehr an Mailand gefesselt. Diese liebensw\u00fcrdige Frau und ihr Gemahl, welche mich sehr herzlich aufgenommen haben, leben beide nur f\u00fcr gute Musik. Acht Tage lang hatte ich von ein bis zwei Uhr den hohen Genu\u00df, sie alle Beethovcnschen Kompositionen spielen zu h\u00f6ren. Viele von diesen Beethovenschen Sonaten waren mir unbekannt, und Sie k\u00f6nnen denken, wie interessant es mir war, sie mit neuem Geist vortragen zu h\u00f6ren und mit einer musterhaften Vollendung, so da\u00df ich gestehen mu\u00df, da\u00df ich diese Kompositionen f\u00fcr Klavier erst jetzt recht verstehen gelernt habe. Ich mu\u00dfte ihr auch von meinenKlaviersachen vorspielen, von denen ihr besonders eine Fantasie (die ich Hofmeister verkaufte) und mein letztes Trio au\u00dferordentlich gefielen. Meinen Liedern schenkte sie ihren ganzen Beifall, vielleicht, weil sie lange keine einfachen deutschen Lieder geh\u00f6rt hatte. Die Nachmittage spielten wir vierh\u00e4ndig Sonaten usw. und lebten uns in s\u00e4mtliche Beethovensche Symphonien ein. Wir trachteten danach, sie ganz in Beethovens Geist vorzutragen. Gern w\u00fcrde ich in Mailand l\u00e4nger verweilt haben, denn es gab dort noch viel f\u00fcr mich, aber es ist ein teures Nest f\u00fcr einen armen Teufel &#8230;..<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nDie Sorge um seine sp\u00e4tere Existenz spricht doch immer wieder aus seinen Berichten. Um so befreiender mag der Inhalt zweier Briefe von Stobiwasser und Wei\u00dfe gewirkt haben, den wir aus der Antwort Reissigers an Wei\u00dfe vom 10. Mai aus Bologna erraten k\u00f6nnen : \u201eIm Abreisen begriffen, empfing ich in Mailand Ihren lieben Brief mit der Kopie des Stobwasserschen. Die beiden Briefe hoben mich wieder empor. Denn sie sagten mir, da\u00df noch in Deutschland Freunde leben, die mir wohlwollen und die mein Gl\u00fcck da bef\u00f6rdern wollen, wo ich es am liebsten erwarte, in der Mitte des lieben deutschen Vaterlandes, \u2013 Ich mu\u00df mich sch\u00e4men, kleinm\u00fctig genug gewesen zu sein, ungerecht gegen mein Vaterland gedacht zu haben auf Kosten jener gro\u00dfen, eitlen Stadt, die ich kennen lernte und die mir herzlich gleich darbot, was meine k\u00fchnsten W\u00fcnsche in Deutschland nie erwartet h\u00e4tten. \u2013 Beifall, Ehre, Brot, Erwerb! \u2013 Was mich am meisten r\u00fchrt ist, da\u00df der Minister sogar meinen armen Vater unterst\u00fctzen will, und die Art, wie er die Lage meines guten Vaters erfahren hat, wirft mich zum Dankgebet gegen Gott. \u2013 Gottes Hand, die mich so wunderbar geleitet und gef\u00fchrt hat, wird mich ferner leiten und f\u00fchren. &#8230;<\/p>\n<div class=\"notiz-m\">Anmerkung S. 42:<br \/>\nR. h\u00e4tte sich nicht so zu sorgen brauchen, denn die Schreiben des Ministers sind sehr hoffnungsvoll f\u00fcr sp\u00e4ter. Einmal hei\u00dft es: &#8220;\u00dcbrigens w\u00fcrde Ihnene freistehen, Ihren Aufenthalt in Italien nach Befinden zu verl\u00e4ngern, und ich w\u00fcnsche nur zu seiner Zeit Nachricht von Ihnen zu erhalten, wenn Sie wieder allhie einzutreffen gedenken, damit wegen einer Ihren Kenntnissen und Talenten angemessenen Anstellung die n\u00f6tigen Ma\u00dfregeln getroffen werden k\u00f6nnen. Von der Fortsetzung Ihrer Kunstreise erwarte ich den besten Erfolg und wiederhole Ihnen die Versicherung meiner aufrichtigsten Hochachtung. Altenstein&#8221;<\/div>\n<p>Heute hatte ich das Gl\u00fcck, den alten, ber\u00fchmten professore di musica, Abbate Mattei\u201a Sch\u00fcler von Martini, kennen zu lernen und die Bibliotheca musicale oder das ber\u00fchmte Archiv im Liceo musicale filharmonico zu sehen, den Sitz der Academia filharmonica. Mattei ist ein schwacher Greis. Da er im Begriff war-auszugehen, als ich zu ihm kam, so bat er mich, ihm eine andere Zeit zu schenken. Ich freue mich sehr, ihn recht kennen zu lernen, denn Mattei in Bologna, Asioli in Corregio und Zingarelli in Neapel sind die einzigen. gr\u00fcndlichen, w\u00fcrdigen Musiker, welche Italien noch besitzt.<br \/>\n&#8212;&#8212;<br \/>\nIn der Bibliotheca musicale f\u00fchrte mich der alte, brave Archivar Barbieri freundlich umher und zeigte mir alle Seltenheiten, die hier in gro\u00dfer. Menge vorhanden sind, und die man zum Teil dem rastlosen Sammeln und der gro\u00dfen Ordnungsliebe des Barbieri zu danken hat. &#8212;&#8212;&#8212;- Hierher wird mich t\u00e4glich mein Genius leiten, und hier will ich studieren, was mir nur wird meine Zeit erlauben, denn der freundliche Archivar schlie\u00dft mir gern und willig jeden Schrank auf. Eines Vormittags schlug ich mir Martini Saggio fondamentale del Contrapuncto auf, und ich fand dort einen Schatz von Beispielen von Fugen aller Art, von den besten, \u00e4ltesten Meistern. Es ist zwar sehr breit und weitschweifig, aber doch ewig n\u00fctzlich und kostbar.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 45-49:<\/div>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte des M\u00e4rz 1825 siedelte er endlich nach der ewigen Stadt \u00fcber. Am 15. April 1825 schreibt er aus Rom: \u201eIch denke einen ganzen Monat noch hier zu bleiben, da es von Nutzen ist, indem ich mir sowohl alte, seltene Werke abschreibe und daraus lerne, als auch viel Gutes h\u00f6re, was ich weiterzu erl\u00e4utern mir aufspare. Den Abend verbringe ich in fremden Zirkeln, wie beim Grafen Ingelheim, dem ich etwas vorphantasiere, beim Oberst L\u00f6pel, Adjutant des Prinzen Heinrichs, bei der Vera, bei Catel usw. und lebe sehr angenehm. Rom ist f\u00fcr K\u00fcnstler h\u00f6chst gesellig. Von hiesigen K\u00fcnstlern z\u00e4hle ich zu meinem Umgang die Maler Catel, H\u00e4nsel, Grahl, Thorwaldsen und Wolff. Lauter herrliche Menschen! Thorwaldsen wohnt in demselben Hause, und ich benutze sein ziemlich gutes Fortepiano; was mir um so sch\u00e4tzenswerter ist, da es hier unter den zu mietenden Fortepianos schreckliche Schlagtastensaiten-Tonkasten gibt. Der hiesige p\u00e4pstliche S\u00e4ngerdirektor Baini ist ein Mann von den seltensten Kenntnissen, besonders in der: alten Musik. Er hat die Palestrinaschen Kompositionen studiert und dieses System ganz auf die alten, griechischen Tonarten zur\u00fcckgef\u00fchrt und ihre Regeln gebildet an den Fingern. Der preu\u00dfische Legationsrat Bunsen hat mich bei ihm eingef\u00fchrt, und ich hoffe ihn zu benutzen und mir einigen Aufschlu\u00df zu holen. Noch habe ich keine Zeit dazu gehabt, weil ich erst Rom kennen lernen mu\u00df. Unterdessen habe ich Studienarbeiten gefertigt und zwei vierstimmige lateinische Psalmen und einen achtstimmigen zweich\u00f6rigen Psalm \u2018komponiert, die ich in Berlin mit Ehren h\u00f6ren lassen kann, wenn sich Gelegenheit dazu bietet oder dem K\u00f6nige schicken kann. Ich suche wie ein Spiirhund nach alter, seltener Musik herum und mache Bekanntschaft mit den alten musikalischen Abb\u00e9s, welche meistens sammeln. Drei achtstimmige Sachen habe ich schon abgeschrieben und durchstudiert. &#8212;&#8212;&#8212; Dieser Baini ist Chors\u00e4nger bei den Leibs\u00e4ngern des Papa Corento, sowie Kastratendirektor und ein wahres, altes, gelehrtes Buch und Fundgrube aller alten Musika und ihrer Geschichte. Die neue Musik liebt er unter keiner Gestalt. Ich zeigte ihm moderne Sachen von mir, aber da stand er gewaltig aus \u2013 bei jedem verminderten Intervall oder bei den durchgehenden Noten \u2013 note di gusto \u2013 \u201a bei jeder eleganten Verzierung verzerrte er das alte Gesicht. Kurz, ich hatte mich den ersten Tag schlecht bei ihm empfohlen. Den zweiten Tag aber zeigte ich ihm einen im Kontrapunkt der Oktave durchgearbeiteten Kanon in der Quinte und ich merkte, da\u00df etwas Respekt vor deutscher Gr\u00fcndlichkeit bei ihm sich einfand, denn seit diesem Augenblicke ist der ganze Mann f\u00fcr mich ein anderer geworden. Ich gehe w\u00f6chentlich zwei Abende zu ihm und f\u00fchle\u2019 mich jederzeit gest\u00e4rkt und erquickt. Er ist der rechte Mann, den man frequentieren mu\u00df, wenn man \u00fcber die griechischen Tonarten, \u00fcber Canto, Fermo, \u00fcber die alten Chor\u00e4le und die gauzeKapellmusik recht klar werden will. Das ist mein Zweck, denn alles, was ich bis jetzt aus dem Wirrwarr vorhandener Schriften herausstudierte, war teils unzul\u00e4nglich, teils sehr dunkel, und da will\u2019s denn gegen\u00fcber einem Manne wie Baini, der so deutlich erkl\u00e4rt, was Mattei in Bologna in ein unglaubliches Dunkel h\u00fcllte, da\u00df man den Mann bewundern mu\u00df (??? K. K.}. Baini l\u00e4\u00dft mich jetzt alte Chor\u00e4le nach der alten Tonart harmonisieren, lehrt sie mich nach den alten Prinzipien \u00fcbersetzen und gibt mir mit einem Wort \u00fcber jeden Zweifel ebensoviel Aufschlu\u00df, als andere mich mit vielen Reden verdutzt machten und mir die klare Sache recht geheimnisvoll darzustellen suchten. Weswegen sollte ich mich\u201anichts auch in dieser Musikgattung sattelfest zu machen suchen\u201a da ich in der modernen Musik und in unserem galanten Kirchenstil (so nennt Baini unsere geistlichen Musiken) viel Gutes zu leisten mich imstande f\u00fchle. Ich mu\u00df ein gelahrter Musiker werden, denn so scheint&#8217;s der Minister auch zu w\u00fcnschen, da er in seinem Briefe an den preu\u00dfischen Gesch\u00e4ftstr\u00e4ger Bunsen sagt, da\u00df ich bei meiner R\u00fcckkehr einen, ausgedehnten Wirkungskreis, die h\u00f6here musikalische Bildung in Preu\u00dfen betreffend, erhalten w\u00fcrde! Am Ende werde ich noch dereinst ein gelahrter Professor und Verfasser theoretischer Werke, da ich bis jetzt nur Bassist, passabler langfingriger Klavierspicler, schwacher Bratschiste und Komponist f\u00fcr den ggalanten Stil und das Gef\u00fchl gewesen bin.\u201c<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nMit dem preu\u00dfischen Gesch\u00e4ftstr\u00e4ger Bunsen bin ich genau bekannt worden. Dieser Herr hat die alte Musik zu seinem Hauptzeitvertreib gemacht und vorz\u00fcglich die Kirchenmusik. Er hat alle alten Lieder hervorgesucht und einen Vers wie den anderen prosodisch zugestutzt, damit einer wie der andere nach dem Choralschema gesungen werden kann, \u201aso da\u00df die langen Silben nur auf einen guten Zeitteil fallen. Alles das ist gut und l\u00f6blich, aber nun hat er die Idee\u201ada\u00df alle Chor\u00e4le rhythmisch bearbeitet werden k\u00f6nnen, und hat Baini bewogen, ihm solche Verse zu bearbeiten. Dieser aber, der die deutsche Sprache nicht kennt und ebensowenig unseren Chorgesang, kann gar nicht wissen, da\u00df dieses in den meisten Chor\u00e41en\u201a.die wir zu singen gewohnt sind, gar nicht angeht. Jetzt hat er seine Augen auf mich geworfen und auch mir Versuche aufgetragen. Nach seinerldee k\u00f6nnten die Psalmen auch sehr gut in unseren Kirchen eingef\u00fchrt werden, etwa so, da\u00df ein Vers vom Priester und der andere vom Volke gesungen w\u00fcrde. Nun ist es aber freilich nicht schwer, solche Schemas zu machen, aber wie schwer w\u00fcrde die Einf\u00fchrung dieser Gesangsart sein \u2013 welche \u00c4nderungen m\u00fc\u00dften in den Schulen deshalb stattfinden, um die Jugend so weit zu bringen, die Psalmen so richtig zu deklamieren, da\u00df ein ganzes Chor einen solchen Psalmvers richtig und gleichm\u00e4\u00dfig auf einen vorgeschriebenen Ton absingt und einen alten Schlu\u00df formiert usw. \u2013 wie verschieden sind die Versschl\u00fcsse. Wie lange m\u00fcssen die hiesigen Kapells\u00e4nger eingesetzt werden, ehe sie fest darin werden, geschweige unsere Stadt- und Dorfjugend.\u201c<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nAm .14. Mai 1825 schreibt Reissiger aus Rom: \u201eDa\u00df mir mein hiesiger Aufenthalt von gro\u00dfem Nutzen als wissenschaftlicher Musiker ist, werden Sie aus dem April an Herrn Wei\u00df abgeschickten Briefe ersehen haben. Jetzt bin ich nun entschlossen, da mir das hiesige Klima sehr gef\u00e4hrlich, Den 20. Mai nach Neapel zu gehen und mich bei meiner Ende Juni erfolgten R\u00fcckkehr nur noch wenige Zeit hier zu verweilen, &#8230;.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nEnde Oktober 1825 verlie\u00df Reissiger Rom und kehrte \u00fcber Loreto, Bologna, Padua, Venedig, Triest, Wien, Prag nach einundeinhalbj\u00e4hriger Abwesenheit nach Berlin zur\u00fcck. Eine inhaltvolle Zeit hatte der K\u00fcnstler hinter sich. Die Reise hatte der unerm\u00fcdlich Strebende verstanden, sich tats\u00e4chlich zur Kr\u00f6nung seines Bildungsganges werden zu lassen. So hatte auch er, wie so unendlich viele deutsche Komponisten, im Auslande einen wertvollen Fonds an Anregungen f\u00fcr das eigene Schaffen gewonnen. Wenn auch die ausl\u00e4ndische Musik zu dieser Zeit in jedem Lande fast nur in einem Zweig tats\u00e4chlich vorbildlich war \u2013 in Frankreich war es vor allem die komische Oper, welche vor den anderen Gattungen im Augenblick den Vorrang hatte, in Italien. dem Lande der Melodie, die virtuose Violin- und Gesangsmusik, w\u00e4hrend z. B. in der Kirchen- Kammer- Orchestermusik Tiefstand herrschte, so war dies f\u00fcr den vergleichenden Deutschen gerade um so lehrreicher, als durch Kontraste das Gute leichter herauszuinden war. Dazu kommt, da\u00df er die Sachen von den nationalen Kr\u00e4ften, f\u00fcr die sie geschrieben waren, dargeboten h\u00f6rte, dabei auch Werke, die \u00fcber die Grenze ihres Entstehungslandes noch nicht hinausgedrungen waren, kennen lernte. &#8212;&#8212; Die Reise selbst aber stellt, da sie im Auftrage der Regierung geschah, mit dem Zwecke, f\u00fcr die Errichtung eigener Musikbildungsanstalten Erfahrung fremder Institute zu sammeln, den ersten Schritt zur Verstaatlichung von Konservatorien in Deutschland dar.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 49-52:<\/div>\n<p>In Berlin angekommen. arbeitete Reissiger sogleich den umfassenden Plan f\u00fcr eine schon lange beabsichtigte Neuorganisation der Berliner Musikhochschule aus. Das Ministerium hatte nun aber gegen Reissigers Idee \u201edas<br \/>\nbestehende Institut f\u00fcr k\u00fcnftige Musiklehrer; Kantoren und Organisten mit einer Musikschule f\u00fcr das Kgl. Theater zu verbinden\u201c, Bedenken und forderte Reissiger auf, einen neuen Plan zu entwerfen, nach welchem \u201edas allhier vorhandene zun\u00e4chst f\u00fcr geistliche Musik bestimmte Institut zu einer vollst\u00e4ndigen Lehranstalt f\u00fcr Komponisten jeder Gattung erweitert werden k\u00f6nnte. Es w\u00fcrde hier besonders noch einer h\u00f6heren Klasse bed\u00fcrfen, in welcher die ge\u00fcbteren Sch\u00fcler Anleitung zum Studium \u00e4lterer und neuerer klassischer Werke und zu eigenen Arbeiten jeder Art des Stils erhielten. Durch ein solches Institut k\u00f6nnten f\u00fcr die vorz\u00fcglichsten St\u00e4dte des preu\u00dfischen Staats M\u00e4nner gebildet werden. die, wenn auch nicht alle durch eigene musterhafte Produkte, doch gewi\u00df durch nicht blo\u00df eine fehlerfreie, sondern auch v\u00f6llig befriedigende und geistvolle Direktion musikalischer Auff\u00fchrungen sich auszeichnen w\u00fcrden.\u201c<br \/>\nIn demselbenSchreiben kommt nun endlich auch eine Aussicht auf eine Anstellung zur Sprache. Man wollte sich Reissigers gewonnene p\u00e4dagogische Erfahrungen nicht entgehen lassen. \u201eInmittels wird Ihnen eine Gelegenheit zu einer Ihren Kenntnissen und Talenten angemessenen Besch\u00e4ftigung bei der allhier bestehenden musikalischen Lehranstalt gegen eine j\u00e4hrliche Remuneration von vierhundert Talern hierdurch angeboten und der Professor Zelter hat dieserhalb unter heutigem Dato Auftrag erhalten, sich unter Zuziehung der bereits angestellten Lehrer des Instituts mit Ihnen hier\u00fcber zu beraten.\u201c<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nEs war aber auch h\u00f6chste Zeit f\u00fcr Reissiger, eine amtliche Stellung zu erhalten, denn einmal war ihm seine abh\u00e4ngige Lage unertr\u00e4glich (wobei er seinen nunmehr emeritierten Vater mit zu unterst\u00fctzen hatte), und andererseits war zu bedenken, da\u00df Reissiger durch seine vorteilhaften Beziehungen und seine Leistungen im Auslande sehr bald gl\u00e4nzende ausw\u00e4rtigeRufe zu erwarten hatte, die er bei seinen geringen Geldmitteln schwerlich ausschlagen w\u00fcrde. Stobwasser hatte daher, um schnelle Entscheidung des Ministeriums herbeizuf\u00fchren, sich erneut f\u00fcr ihn verwendet. Er schrieb: \u201eIn diesem jungen Manne ehre ich eins der bedeutendsten musikalischen Talente Deutschlands, verbunden mit t\u00fcchtiger, wissenschaftlicher Ausbildung bei gro\u00dfem moralischen Wert und n\u00e4hre die begr\u00fcndete Hoffnung, da\u00df den Musikbildungsanstalten des preu\u00dfischen Staats durch seine Anstellung ein neuer Schwung verliehen werde, dem Staat aber ein in seinem Fach h\u00f6chst bedeutender Mann erhalten bleiben w\u00fcrde.&#8221;<br \/>\nReissiger wirkte nun am \u201eMusikalischen Lehrinstitut&#8221; \u201c (das sp\u00e4tere Kgl. Institut f\u00fcr Kirchenmusik) neben Zelter (seit 1819 Gr\u00fcnder und Direktor), Bernh. Klein, den er bereits in Rom kennen gelernt. hatte, und dem ber\u00fchmten Orgelspieler A. W. Bach (1796-1869), welcher 1832 nach Zelter Direktor wurde. Freilich als endg\u00fcltige L\u00f6sung seiner Existenzfrage konnte Reissiger diesen Wirkungskreis noch nicht ansehen, denn dazu war sein Amt zu wenig ergiebig. Er hoffte aber, sobald sein Konservatoriumsplan verwirklicht werden w\u00fcrde, besser zu fahren. Den neuen umgearbeiteten Plan hatte er auch bald dem Ministerium eingereicht, aber wegen Mangel an Geld konnte die Regierung die Idee jetzt \u00fcberhaupt nicht weiter verfolgen, und so unterblieb die Verwirklichung des Reissigerschen Konservatoriums g\u00e4nzlich. Der Plan ist allerdings im wesentlichen f\u00fcr den sp\u00e4teren Ausbau der Berliner musikalischen Hochschule grundlegend geblieben.<br \/>\nW\u00e4hrend die Angelegenheit noch schwebte, erhielt Reissiger 1826 im Juli einen Ruf nach dem Haag, um dort ein Konservatorium zu gr\u00fcnden und zu leiten. In einem Berliner Brief vom.13. Oktober 1826, in welchem er schon wegen Dresden verhandelt, schreibt Reissiger: \u201eEine mir angetragene Stelle als Direktor des Konservatoriums im Haag mit 900 Talern habe ich ausgeschlagen, weil man hier ebenfalls mit Einrichtung eines \u00e4hnlichen Instituts schwanger geht und ich undankbar gegen das Ministerium zu handeln glaubte, das mich auf meinen Reisen unterst\u00fctzte.\u201c Nun wurde aber leider aus Berlin nichts, und der Ruf im Oktober desselben Jahres nach Dresden brachte eine neue, willkommene Wendung.<br \/>\nDoch zun\u00e4chst m\u00fcssen wir noch von Berlin weiter berichten. Im vorerw\u00e4hnten Briefe ist ebenfalls zu lesen, da\u00df Reissiger ein Fixum von 500 Talern am musikalischen Lehrinstitut erhielt, also hatte er binnen kurzer Zeit, 100 Taler zugelegt bekommen. Dabei brauchte er nur wenig Unterricht zu erteilen, so da\u00df er durch Privatstunden noch viel verdienen konnte. \u201aEr steigerte\u2018 sein Einkommen auf 900 bis 1000 Taler. Seine kompositorische T\u00e4tigkeit war auch wieder neu belebt und erfolgreich. Die von der Reise mitgebrachte Oper \u201eDer Ahnenschatz lie\u00df er zwar unbeendet liegen, weil<br \/>\nihm die textlich zu gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit dem Freisch\u00fctz immer mehr unpassend erschien, aber die Ouvert\u00fcre, die bei Hofmeister in Leipzig gedruckt wurde, fand \u00fcberall Aufnahme. Seine Lieder wurden gern gesungen. Besonders Madame Schultz, die bedeutendste S\u00e4ngerin neben der gro\u00dfen Catalani, machte Reissigers Ges\u00e4nge popul\u00e4r. Nun wurde Reissiger 1826 auch aktives Mitglied der Berliner Singakademie. F\u00fcr sie komponierte er und wirkte ebenfalls als reproduzierender K\u00fcnstler. Auch wurde er mit Rellstab, dem Kritiker der Vossischen Zeitung\u201a und Ludwig Berger befreundet. Reissiger schien in Berlin seit der kurzen Zeit seiner R\u00fcckkehr sogar au\u00dferordentliches Aufsehen als K\u00fcnstler zu machen, so da\u00df sogar Spontini, der Generalmusikdirektor (seit 1820 in Berlin herrschend, dabei nicht immer altruistisch denkend), ihn mit Angst betrachtete. Dieser hatte bereits C. M. v. Webers Wunsch, in Berlin Kapellmeister zu werden, zu zerst\u00f6ren verstanden. Nun erschienen aber wieder neue Anw\u00e4rter, die in der deutschen Oper oder als Dirigenten etwas leisten w\u00fcrden, und ihm damit gef\u00e4hrlich werden konnten (Marschner, Reissiger usw.) Bei Rellstab lesen wir, da\u00df Spontini bei Neubesetzung einer Musikdirektorstelle mit Absicht den ber\u00fchmten F. Ries und den talentvollen Reissiger \u00fcbergangen habe. Reissiger brauchte sich allerdings nicht zu gr\u00e4men, denn schon winkte der neue Wirkungskreis, der f\u00fcr sein Leben endg\u00fcltige Entscheidung brachte, die Kgl. Hofoper in Dresden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>auf Seiten 25-29: Kapitel 4. Zweite Studienreise. Belgien, Frankreich, Italien. 1824-1826 Reissiger hatte dem Ministerium angegeben, da\u00df er nach einem halben Jahre, also im September 1824, gedenke, die mehrj\u00e4hrige Reise anzutreten. 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