{"id":199,"date":"2014-02-13T16:29:21","date_gmt":"2014-02-13T15:29:21","guid":{"rendered":"http:\/\/reissiger-stiftung.de\/?page_id=199"},"modified":"2014-02-13T16:29:21","modified_gmt":"2014-02-13T15:29:21","slug":"kreiser-dresden","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/reissiger-carl-gottlieb.de\/?page_id=199","title":{"rendered":"Kreiser, Dresden"},"content":{"rendered":"<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 52-56:<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">Kapitel 5.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Reissiger in Dresden. 1826-1859<\/h3>\n<p>\u201eEs sollte mich freuen, wenn mein l\u00e4ngst im stillen gehegter Wunsch, nach Dresden zu kommen, sich realisiert\u201c, so schreibt Reissiger am 13. Oktober 1826 in dem schon erw\u00e4hnten Briefe an Hofrat Winkler (Theodor Hell). Man mu\u00dfte in Dresden an einen Ersatz f\u00fcr Weber in der Leitung der deutschen Oper denken. Den Musikdirektor Marschner wollte man anscheinend nicht als Webers Nachfolger, weshalb dieser Dresden 1826 verlie\u00df. Der jungen deutschen Oper versetzte man aber eigentlich einen Schlag, indem man Webers Kapellmeisterposten vorl\u00e4ufig \u00fcberhaupt unbesetzt lassen und nach Marschners Weggang nur dessen Musikdirektorposten neu besetzen wollte. Bei der Umschau unter den Deutschen kam der weimarische Hofkapellmeister Hummel ernstlich in Frage, ferner der Teplitzer B\u00fcrgermeister Wolfram. dessen Oper \u201eDie bezauberte Rose\u201c soeben in Dresden Erfolg gehabt hatte. Letzterer war ein G\u00fcnstling sowohl des musikliebenden preu\u00dfischen, als auch des musikalischen s\u00e4chsischen K\u00f6nigs, welche beide mit ihm im Bade Teplitz infolge seines Amtes in Ber\u00fchrung gekommen waren. Als Dritten hatte man den bereits 1824 mit der italienischen Oper \u201eDido\u201c in Dresden eingef\u00fchrten Reissiger ins Auge gefa\u00dft, welchem damals zugleich eine Aussicht auf einen Musikdirektorposten gemacht worden war, die aber durch Marschners Anstellung, wie berichtet, wieder zerst\u00f6rt wurde. Die Entscheidung fiel auf den j\u00fcngsten der drei Kandidaten, auf Reissiger. &#8212;&#8212;&#8212;<br \/>\n&#8230; weist Reissiger die Gehaltsangebote aus Dresden entschieden zur\u00fcck und bedeutet, da er sich verschlechtern w\u00fcrde, lieber in Berlin zu bleiben, weil ihn dort \u201edie sch\u00f6nsten Aussichten fesseln\u201c. \u201eWenn diese auch durch meinen Abgang von hier (Berlin) f\u00fcr die Zukunft gerade nicht verloren gingen, so ist es doch riskant (nach Dresden zu gehen)\u201c Unter 800 Talern wollte er nicht kommen, und auch nur, wenn er Aussicht auf Zulage haben k\u00f6nnte, in dem Falle, \u201eda\u00df die Direktion mit ihm ganz zufrieden sei\u201c. Ich bin \u00fcberzeugt, da\u00df Sie (Th. Hell) das Honorar f\u00fcr einen geplagten Musikdirektor m\u00e4\u00dfig finden, und ich selbst finde das; indes schmeichelt mich die Hoffnung, da\u00df ich als Klaviervirtuos oder Akkompagnateur bei irgendeinem Gliede des k\u00f6niglichen Hauses noch dazu verdienen kann.\u201c<br \/>\nUm ihn ganz an Dresden zu fesseln, bewilligte man nun sogar 1000 Taler. Letzten Endes wird die Entscheidung vom K\u00f6nige selbst herbeigef\u00fchrt worden sein, welcher eine pers\u00f6nliche Neigung zur italienischen Oper hatte und Reissiger sch\u00e4tzte, vor allem wegen dessen italienischer Oper \u201eDido\u201c. Diese Tatsache zeigt uns sogleich, wie die Sache in Dresden lag. Die junge deutsche Oper, welche gerade vor jetzt hundert Jahren (1817) von Weber gegr\u00fcndet worden war, k\u00e4mpfte ihre Kinderjahre durch. Erst Schritt f\u00fcr Schritt konnte sie Boden gewinnen. Das Publikum und besonders der Hof beg\u00fcnstigten immer die italienische Oper vor der deutschen.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nAls dann 1842 Wagner nach Dresden kam, war der \u00e4u\u00dfere Kampf bereits durchgefochten. Die Italiener hatten das Feld vollst\u00e4ndig ger\u00e4umt. Diesen Sieg der Deutschen, nach der Vorarbeit Webers, allm\u00e4hlich herbeigef\u00fchrt zu haben, ist aber das unbestreitbare Verdienst Reissigers. Keiner war durch seine Pers\u00f6nlichkeit mehr dazu geeignet als Reissiger, der mit seiner vermittelnden T\u00e4tigkeit sowohl bewu\u00dft durch kluge Gestaltung des Spielplanes, als unbewu\u00dft durch seinen Charakter die Italiener einkreiste und Hof und Publikum f\u00fcr die deutsche Sache gewann. Das konnte man jetzt bei seiner Verpflichtung zum Musikdirektor noch nicht ahnen. Er hatte ja eine italienische Oper geschrieben, und man konnte in ihm, dem Deutschen, zugleich eine St\u00fctze auch f\u00fcr die Italiener mit sehen. Zur \u00dcberbr\u00fcckung der Gegens\u00e4tze mu\u00dfte einMann wie Reissiger jetzt nach Dresden kommen. Webers und Marschners Verdienste um die inneren Werte einer deutschen Oper voll anerkennend, m\u00fcssen wir doch sagen, da\u00df sie rein \u00e4u\u00dferlichs die deutsche Oper in Dresden bei den ma\u00dfgebenden Personen nicht so zu f\u00f6rdern vermochten, wie es n\u00f6tig war. An Weber konnte bei aller Feinf\u00fchligkeit, ein gewisser revolution\u00e4rer Zug, wie er allen Neuerern eigen ist, von einem strengen Hofe nicht unbemerkt bleiben, und Marschner war in seinem Wesen manchmal grob und unvertr\u00e4glich, was selbst Weber st\u00f6rte. Im Gegensatz dazu war Morlacchi, der Leiter der italienischen Oper, wie es in den zitierten \u201eErinnerungeni hei\u00dft, \u201ebei Hofe sehr beliebt und wegen seines feinen Tones im geselligen Leben allgemein gesch\u00e4tzt\u201c. Gegen ihn standen die beiden Deutschen bei Hofe etwas zur\u00fcck. Jetzt kam nun Reissiger, ein weltm\u00e4nnisch gebildeter, liebensw\u00fcrdiger, in allen Formen gewandter, junger Kapellmeister. Man untersch\u00e4tze nicht, was f\u00fcr ein junges Unternehmen allein schon das Wesen des Leiters bedeutet, und dazu kamen noch Reissigers musikalische Qualit\u00e4ten.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\nReissiger, der bisher ein ziemlich ungebundenesK\u00fcnstlerleben f\u00fchren durfte, st\u00fcrzte sich nun mit dem alten, trotz aller Freiheit stets ge\u00fcbten Fleisse in die Fesseln des \u201eso beschwerlichen als instruktiven Amtes\u201c eines Theatermusikdirektors, wie C. B. v. Miltitz, den wir noch mehr zu erw\u00e4hnen haben, es einmal nannte.<br \/>\nZun\u00e4chst mu\u00dfte Reissiger seine Kr\u00e4fte fast ganz den Italienern widmen, denn Morlacchis fr\u00fchere Kr\u00e4nklichkeit trat wieder auf, und Reissiger leitete f\u00fcr ihn die italienische Oper neben der deutschen. Also erfuhr er gleich am Anfang eine gro\u00dfe Arbeits\u00fcberlastung. Aber willig nahm er alles auf sich und gewann sich, durch die Art seiner Amtsf\u00fchrung allgemeine Beliebtheit (auch des italienischen Personals). Sein ihm angeborener, alle in Bann schlagender Humor, dazu seine au\u00dferordentlichen Dirigentenf\u00e4higkeiten \u2013 er war hervorragender Partiturspieler und mit \u00fcberlegener Geistesgegenwart, die gerade f\u00fcrs Theater notwendig ist, ger\u00fcstet \u2013 ebneten ihm schnell die Bahn. Morlacchi war nicht Klavierspieler.<br \/>\nAm Ende des ersten Jahres bekundete Reissiger selbst in einem Schreiben an L\u00fcttichau, da\u00df er nun gern in Dresden bleiben m\u00f6chteund ihm die lebensl\u00e4ngliche Anstellung erw\u00fcnscht w\u00e4re. Dazu h\u00e4tte er gern nach einem weiteren Jahr den Titel K\u00f6niglicher Kapellmeister. L\u00fcttichau schrieb daraufhin an den K\u00f6nig, und ich kann nicht unterlassen, den Wortlaut mitzuteilen. Es hei\u00dft: \u201eSeit dem Dezember vorigen Jahres ist der Musikdirektor Reissiger in dieser Qualit\u00e4t mit einem Gehalt von 1000 Talern bei dem Kgl. Hoftheater angestellt gewesen. Da jedoch der mit ihm deshalb abgeschlossene Kontrakt nur auf ein Jahr lautet, so w\u00fcrde dieses Verh\u00e4ltnis mit dem Schlusse des Monats November dieses Jahres zu Ende gehen. Reissiger hat mir daher seine W\u00fcnsche in dieser Beziehung zu erkennen gegeben und w\u00fcrde sich sehr gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, wenn ihm der Posten eines Musikdirektors nun ad dies vitae als f\u00f6rmliche Dienstanstellung zugesichert, ihm dabei eine Zulage von 2 bis 300 Talern bewilligt und zugleich die Aussicht auf k\u00fcnftige \u00dcbertragung der Stelle eines Kapellmeisters er\u00f6ffnet w\u00fcrde. Was nun Reissigers bisherige Qualifikation betrifft, so ist ihm in dieser Hinsicht das unbedingteste Lob nicht zu versagen. Er hat seit seiner Anstellung einen Eifer und Flei\u00df gezeigt, welche wahrhaft musterhaft zu nennen sind, indem er nicht blo\u00df den Dienst bei der deuschen Oper ganz allein verwaltet, sondern auch bei Morlacchis eingetretener Kr\u00e4nklichkeit und nachheriger l\u00e4ngerer Badekur bei der italienischen Oper nicht nur flei\u00dfigst assistiert, sondern solche l\u00e4nger als sechs Monate fast allein dirigiert hat. Seine musikalische Kenntnis hat er durch mehrere seitdem gelieferte Kompositionen von Sonaten, Liedern usw an den Tag gelegt, auch wird eine von ihm in Musik gesetzte Messe Ew. K\u00f6nigl. Majest\u00e4t allerh\u00f6chstes Urteil selbst dar\u00fcber bestimmen. Hiern\u00e4chst hat er sich die Achtung und Liebe seiner Untergebenen, namentlich der musikalischen Kapelle, in hohem Grade erworben, und auch ich habe stets Ursache gehabt, mit seinem Benehmen zufrieden zu sein. Bei solchen Vorz\u00fcgen und Talenten scheint es mir daher allerdings w\u00fcnschenswert und f\u00fcr den k\u00f6niglichen Dienst zweckm\u00e4\u00dfig, einen so bew\u00e4hrten und brauchbaren Mann demselben f\u00fcr immer zu gewinnen.&#8221;<br \/>\nWeiter unten hei\u00dft es dann: \u201eEw. K\u00f6nigl. Majest\u00e4t m\u00f6chte geruhen, den Posten eines Musikdirektors nunmehr auf Lebenszeitmit der Aussicht auf eine k\u00fcnftige Anstellung als Kapellmeister zu \u00fcbertragen, wobei es ganz in Ew. K\u00f6nigl. Majest\u00e4t Gnade gestellt bleibt, ob Allerh\u00f6chst dem Reissiger bereits mit dem ersten Jahre seiner neuen Anstellung mit einer Zulage zu einem bisherigen, Gehalte von 200 Talern zu begl\u00fcckten oder diese Allerh\u00f6chste Gnade ihm erst f\u00fcr das zweite Jahr angedeihen lassen wollen.\u201c<br \/>\nDer K\u00f6nig war sofort bereit. das Gesuch zu genehmigen, auch gleich die Zulage zu gew\u00e4hren, und zwar behahl er, um seiner pers\u00f6nlichen Anerkennung f\u00fcr Reissiger Ausdruck zu verleihen, aus eigener Entschlie\u00dfung, da\u00df die Zulage auch schon f\u00fcr das Probejahr nachzuzahlen sei. Zugleich wurde Reissiger von nun an zur Erleichterung ein Korrepetitor beigegeben. Wie gro\u00dfe Beliebtheit sich Reissiger in dem einen Jahre erworben hatte, bezeugt auch das Bittgesuch an die Intendanz mit der eigenh\u00e4ndigen Unterschrift s\u00e4mtlicher Mitglieder des Kgl. Orchesters, worin dieselben um Reissigers st\u00e4ndige Anstellung ersuchen: \u201eMit welcher Einsicht, mit welcher Dexterit\u00e4t und, was wohl h\u00f6her noch zu stellen sein m\u00f6chte, mit welchem Geschmack er bisher diesem Amte zu gen\u00fcgen bem\u00fcht gewesen sei, welche Anerkennung ihm hiern\u00e4chst seines eigenen musikalischen Schaffens geb\u00fchre, dar\u00fcber d\u00fcrfen wir uns, so beif\u00e4llig auch der Herr Kapellmeister Morlacchi selbst sich dar\u00fcber ausgesprochen hat, ein Urteil nicht anma\u00dfen, m\u00fcssen solches vielmehr lediglich h\u00f6herem Ermessen anheim stellen; aber das d\u00fcrfen wir mit gn\u00e4diger Erlaubnis freim\u00fctig erw\u00e4hnen, da\u00df die Art und Weise, wie er im Verh\u00e4ltnis zu uns seine Funktionen verwaltete, nicht blo\u00df kalte Anerkennung seiner Verdienstlichkeit, nicht blo\u00df unverdrossenes, williges Entgegenkommen, sondern auch einstimmige, wahrhafte Anh\u00e4nglichkeit und Liebe zur Folge gehabt hat, ohne da\u00df jemals dieser gegenseitige freundschaftliche Verband bei der Strenge und P\u00fcnktlichkeit musikalischer Ausf\u00fchrungen st\u00f6rend eingewirkt h\u00e4tte.\u201c<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 56-59:<\/div>\n<p>Reissiger war nun ganz f\u00fcr Dresden gewonnen. War ihm auch endlich ein Korrepetitor beigegeben, so \u00fcberlege man sich aber, was es an Arbeitslast bedeutete, ein Institut wie die Dresdner Hofoper mit ihren zwei Teilen, dem deutschen und dem italienischen Personale, einem einzigen Musikdirektor und einem Korrepetitor (ein Jahr lang sogar nur dem Musikdirektor allein) anvertraut zu haben, w\u00e4hrend fr\u00fcher zwei oder drei Kapellmeister und ein Musikdirektor sich in die Arbeit teilten. Im Winter kamen auch noch Konzertdirektionen dazu, wovon sp\u00e4ter noch geredet werden soll. Morlacchi geno\u00df jetzt Ferien gleich bis zu dreiviertel Jahr. Er war \u00fcberzeugt, da\u00df in Reissigers H\u00e4nden alles wohl verwahrt war. Unter Hintansetzung seiner eigenen Gesundheit erf\u00fcllte nun Reissiger seine Pflichten peinlich. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als nutzte man seine fabelhafte Arbeitskraft und seinen Flei\u00df aus, denn das Interregnum zwischen Webers Verlust und der offiziellen Ernennung des Nachfolgers dauerte doch nun schon etwas sehr lange.<br \/>\nDie bisherigen Leistungen der italienischen Oper waren Reissiger ein Ansporn, Webers deutsche Oper wom\u00f6glich noch \u00fcber dieselben zu erheben und die Abh\u00e4ngigkeit der deutschen von der italienischen zu vermindern. Sein unvollst\u00e4ndiges deutsches Ensemble suchte er zu erg\u00e4nzen und Publikum und Hof allm\u00e4hlich mit deutschen Werkken vertraut zu machen. Nach reinigen Singspielen und Boieldieus neuer Oper \u201eDie wei\u00dfe Dame&#8221; und Aubers \u201eMaurer und Schlosser&#8221;. (ebenfalls neu) kam vor allem Webers \u201eOberon\u201c zum ersten Male in Dresden in geradezu gl\u00e4nzenden Auff\u00fchrungen\u201eheraus.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nHier sei nun auch noch Reissigers als Konzertdirigent gedacht. Wir bekommen dabei von ihm ein anderes Bild, als wie es Richard Wagner gegeben hat. Gelegentlich eines \u201eMusikfestes im alten Opernhause in Dresden 1828\u201c dirigierte Reissiger Beethovens C-Moll-Sinfonie und H\u00e4ndels Judas Makkab\u00e4us. Dazu hatte er Verst\u00e4rkungen im Orchester n\u00f6tig, weshalb er aber mit akustischen St\u00f6rungen rechnen mu\u00dfte. Diese glich er, wie berichtet wird, durch eine geschickte Aufstellung der Mitwirkenden vollkommen aus. Dann hei\u00dft es: \u201eDas Ganze durchdrang ein Feuer, das aus des Direktors Allgegenwart mit Blicken und Winken mit beiden H\u00e4nden stets neue Nahrung sog\u201c. Reissigers jugendliches Feuer ging dann sogar so weit, da\u00df nach des Kritikers Meinung der letzte Satz der Sinfonie zu schnell geriet, daneben sei aber der wahre Charakter des ersten Satzes, das sehns\u00fcchtige Regen und Streben\u201a noch niemals so leuchtend und klar vor Aungen getreten als unter Reissigers Direktion. Vom Oratorium wird folgendes Interessante berichtet: \u201ejeden Zuh\u00f6rer mu\u00df es erfreuen, im Direktor als der Seele des Ganzen, den w\u00e4rmsten und sogar aufopfernden Eifer f\u00fcr die Kunst flammen zu selten. Herrn Reissigers Direktion ruft das Andenken an die bessere alte Zeit zur\u00fcck, wo ein Direktor vor allen Dingen durchaus nicht bequem sein durfte, sondern nur der prior inter pares war, und wo man die Direktoren nicht nach ihren pomp\u00f6sen Opern und ihrem europ\u00e4ischen Ruf (vergl. Spontini, Rossini, K. K), sondern nach ihren Kapellkenntnissen w\u00e4hlte. W\u00e4re auch Herrn Reissigers Taktieren manchmal durch allzu gro\u00dfe Lebhaftigkeit auffallend, so ist mindestens das \u00dcberma\u00df im Eifer besser, als eine phlegmatische Ruhe, die sich vom Orchester beherrschen l\u00e4\u00dft. Sein- Kraftaufwand an jenem Abende war in der Tat zu bewundern, indem er nicht nur die meisten Ch\u00f6re selbst mitsang, sondern auch, wie ich h\u00f6re, das Ganze nach dem blo\u00dfen Klavierauszuge leitete, folglich mehr im Ged\u00e4chtnis haben mu\u00dfte, als mancher andere in der Partitur wirklich nachzulesen gewohnt ist.&#8221;<br \/>\nReissigers Geistesgegenwart wurde dann in derselben Auff\u00fchrung noch ganz besonders in Anspruch genommen durch ein Versehen des Tenors. Dieser hatte die Noten pl\u00f6tzlich verlegt, aus denen er ein Rezitativ zu singen hatte, und versagte im gegebenen Augenblicke. Da sang Reissiger schnell entschlossen das Rezitativ selbst. was er bei seiner guten Stimme sehr wohl wagen konnte.<br \/>\nWie stimmt nun dies alles zu dem immer behaupteten Phlegma Reissigers? Gerade im Gegenteil stimmen alle Berichte \u00fcber Reissiger darin \u00fcberein, da\u00df er ein lebenspr\u00fchender Dirigent war.<br \/>\nK\u00fcnstlerisch konnte Reissiger auf seine bisherige Arbeit in Dresden stolz sein, wenn sich nur nicht immer materielle Sorgen eingestellt h\u00e4tten. Trotz Gehaltserh\u00f6hungen waren 1200 Taler f\u00fcr seine jetzige Stellung immerhin eine geringe Bezahlung. da er durch seine Arbeitslast auch die ihm anfangs zugesicherte freie Zeit zum Nebenverdienst nicht erhielt. Infolge seiner Stellung als Hofbeamter hatte er noch besondere Abgaben (Armenhaus und Pr\u00e4miensteuer) zu leisten. Von denselben hatte er vor der Anstellung nichts erfahren. Gl\u00fccklicherweise fand er bei L\u00fcttichau Verst\u00e4ndnis, der beim K\u00f6nige wegen Erla\u00df der Sondersteuern vermittelte. Er schrieb, \u201eda\u00df Reissiger kein eigenes Verm\u00f6gen besitze, hilfsbed\u00fcrftige Eltern und Geschwister zu unterst\u00fctzen und die Kosten einer neuen Einrichtung zu bestreiten habe, folglich durch den mindesten Verlust in die sorgenvollste Lage versetzt werden w\u00fcrde\u201c, \u201eda\u00df Reissiger, unbekannt mit den hiesigen Verh\u00e4ltnissen, dem Rufe zu seiner gegenw\u00e4rtigen, ehrenvollen Stellung gefolgt sei, im Auslande Verh\u00e4ltnisse verlassen habe, die ihm eine sorgenfreie Existenz gew\u00e4hrleistet\u201c usw. usw. Der Intendant schlie\u00dft mit den Worten, da\u00df er es \u201ebei den ausgezeichneten, unerm\u00fcdeten und so beschwerlichen Dienstleistungen dieses so flei\u00dfigen und talentvollen Mannes&#8221; f\u00fcr n\u00f6tig h\u00e4lt, f\u00fcr ihn beim K\u00f6nige einzutreten.<br \/>\nDas war in: Januar 1828. Schon im darauffolgenden April machte L\u00fcttichau eine Eingabe, die die dringend werdende Nachfolge Webers nun endlich regeln soll. Er z\u00e4hlt Reissigers Verdienste erneut auf (gesamte. Leitung der deutschen und italienischen Oper, der Kirchenmusik im Verein mit Rastrelli, Anordnung aller Hofkonzerte und sonstigen musikalischen Unterhaltungen). Er schreibt dann: \u201eWenn nun Reissiger auf diese Art seine F\u00e4higkeit, jenes so ausgezeichnete Institut musikalisch zu leiten, auf das Deutlichste und w\u00e4hrend eines l\u00e4ngeren durch Einstudierung von Oberon, Elisabeth und anderen schwierigen Opern vielfach besch\u00e4ftigenden Zeitraums bew\u00e4hrt habe, so hat er auch ebenso eine Geschicklichkeit, sein gr\u00fcndliches Studium durch mehrere eigene Tonsch\u00f6pfungen bewiesen, welche teils von Ew. K\u00f6nigl. Majest\u00e4t H\u00f6chstselbst mit Beifall beehrt, teils im allgemeinen von Kunstfreunden mit ausgezeichnetem Beifall aufgenommen worden sind. Dahin geh\u00f6rt besonders die von Reissiger komponierte und bereits in Ew. K\u00f6nigl. Majest\u00e4t katholischen Hofkirche aufgef\u00fchrte Messe, eine bei Allerh\u00f6chster Thronbesteigung (seit 1827 war K\u00f6nig Anton Friedrich August dem Ersten gefolgt) komponierte Sinfonie, mehrere Ouvert\u00fcren zu neuen Opern, welche noch bearbeitet, und verschiedene durch Lieblichkeit und Korrektheit sich auszeichnende Gesangsst\u00fccke.<br \/>\nMit allen diesen vorteilhaften Eigenschaften ausger\u00fcstet und noch in der Bl\u00fcte seiner Jahre und Kraft seiend, scheint Reissiger sich mir daher ganz zu jener Stelle zu eignen, welche seit dem Ableben des Kapellmeisters C. M. v. Weber noch nicht wieder besetzt worden ist und Reissiger seit fast 1 1\/2 Jahren den Dienstgesch\u00e4ften derselben nach bereits mit Beifall verwaltet hat.\u201c<br \/>\nAm 3. Mai 1828 erfolgt. durch allerh\u00f6chste Entscheidung die Ernennung zum \u201eKgl. Kapellmeister\u201c \u201ezum Zeichen unserer Zufriedenheit mit seiner bisherigen Dienstellung\u201c. wie der K\u00f6nig schrieb, und zwar mit 1.500 Talern Gehalt vom Anfang des \u201eheurigen Jahres\u201c ab. In der Nachzahlung f\u00fcr das verflossene Vierteljahr sollte auch eine Auszeichnung liegen, denn das hatte L\u00fcttichau nicht mit beantragt. Am S. Mai erhielt Reissiger dann folgende, f\u00fcr die fr\u00fchere Zeit \u00e4u\u00dferst charakteristische Dienstanweisung, die wir deshalb mit abdrucken.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 59-61:<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 1.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Kapellmeister Sr. Maj. des K\u00f6nigs von Sachsen ist gehalten, diesem seinem allergn\u00e4digsten Herrn treu, gehorsam und ergeben zu sein und dessen Befehlen, sowie den Anordnungen der Generaldirektion der kgl. Theater und musikal. Kapelle stets pflichtm\u00e4\u00dfig Folge zu leisten. Seine Pflichten beziehen sich a) auf die Kirchenmusik. b) auf die Kammermusik, c) auf das kgl. Theater.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 2.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In bezug auf die Kirchenmusik ist der Kapellmeister verpflichtet, von drei Wochen zu drei Wochen jedesmal sieben Tage hintereinander alle in diese Zeit fallenden Kirchenmusiken, welcher Art sie auch sein m\u00f6gen, zu leisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 3.<\/p>\n<p>Im Fall eintretender Krankheit des anderen Kapellmeisters oder des Kirchenkompositeurs hat er sich mit dem Anderen in \u00dcbertragung des Gesch\u00e4fts zu teilen, sowie \u00fcberhaupt in bezug auf die Kirchenmusik mit dem dabei angestellten Dirigenten stets in gleichem Verh\u00e4ltnis der Dienstleistungen zu bleiben, ja selbst eintretendentalls die Direktion zu \u00fcberrnehrnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 4.<\/p>\n<p>Jegliches jahr ist er verbunden, unentgeltlich eine Messe und eine Vesper\u201a auch so oft, als es Se. Kgl. Maj. befehlen wird, gleicherma\u00dfen ein Oratorium zu komponieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 5.<\/p>\n<p>Was die Kammermusik anbetrifft, so geh\u00f6rt selbige zwar ausschlie\u00dflich zu dem Ressort des I. und \u00e4ltesten\u2019 Kgl. Kapellmeisters, im Falle derselbe jedoch durch Krankheit oder Abwesenheit behindert sein sollte, oder Se. Kgl. Maj. ausdr\u00fccklich den j\u00fcngeren Kapellmeister zu beauftragen geruhen w\u00fcrden, so liegt ihm ob, bei Tafelmusiken oder Hofkonzerten die Anordnung und Leitung derselben zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 6.<\/p>\n<p>Er hat alsdann der Generaldirektion deshalb die n\u00f6tigen Vorschl\u00e4ge zu tun, die behufigen Musikst\u00fccke auszuw\u00e4hlen und die ben\u00f6tigten Proben zu halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 7.<\/p>\n<p>Bei den Konzerten oder Tafelmusiken f\u00fchrt er die Direktion und erh\u00e4lt daf\u00fcr, wenn dieselben au\u00dferhalb Dresdens stattfinden, n\u00e4chst freiem Fortkommen nur die vorschriftsm\u00e4\u00dfige Ausl\u00f6sung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 8.<\/p>\n<p>In allen F\u00e4llen geh\u00f6rt aber zu seiner Anstellung, dal\u00df, wenn von dem kgl. Hofe dabei seine eigene Mitwirkung auf dem Fortepiano verlangt w\u00fcrde, er solche ohne weitere Entsch\u00e4digung zu leisten habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 9.<\/p>\n<p>In Ansehung endlich der Theatermusik, so ist derselbe zwar haupts\u00e4chlich f\u00fcr das deutsche Singspiel angestellt, er hat jedoch in Krankheits-, Abwesenheits- oder sonstigen Verhinderungsf\u00e4llen, sowie bei eintretender Vakanz des anderen Kapellmeisters dessen ganze Besorgungen auch bei der italienischen Oper zu \u00fcbernehmen und dasjenige zu verrichten, was diesem dabei obliegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 10.<\/p>\n<p>Bei der deutschen und in den nach den vorgehenden \u00a7\u00a7 eintretenden F\u00e4llen bei der italienischen Oper hat er f\u00fcr gute und zweckm\u00e4\u00dfige Auswahl derselben zu sorgen und hier\u00fcber sowohl, als wegen Besetzung der Parten seinen Vortrag auch der Generaldirektion zu machen und von dieser die Genehmigung zu erwarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 11.<\/p>\n<p>Ist solche erfolgt, so liegt ihm das Einstudieren der neuen Opern dergestalt ob, da\u00df er die ersten Proben mit den S\u00e4ngern davon zu halten hat, wie dieselben zweckm\u00e4\u00dfig zu leiten, dann kann er zu seiner Erleichterung das Gesch\u00e4ft dabei dem Korrepetitor \u00fcbertragen, ist aber verbunden, die Orchester- und Generalproben wieder selbst zu dirigieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 12.<\/p>\n<p>Alle Opernpartituren hat er genau durchzugehen und n\u00f6tigenfalls nach dem Bed\u00fcrfnis des hiesigen Theaters einzurichten, so wie ihm auch obliegt, im Falle ein oder das andere St\u00fcck darin fehlte oder eine Einlage wesentlich notwendig w\u00e4re, solche selbst und unentgeltlich zu fertigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 13.<\/p>\n<p>Sollten in Schauspielen wesentliche Musikpartien vorkommen. so hat er solche ebenfalls zu dirigieren, in der Regel aber bleiben solche dem Konzertmeister oder nach befinden dem Korrepetitor \u00fcberlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 14.<\/p>\n<p>Hiern\u00e4chst soll derselbe in der Regel j\u00e4hrlich eine neue deutsche Oper f\u00fcr die Kgl. Theater schreiben, wof\u00fcr ihm die gew\u00f6hnliche, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Gratifikation verabreicht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a7 15.<\/p>\n<p>Endlich hat er \u00fcberhaupt alle diejenigen Befehle Sr. Kgl. Maj. p\u00fcnklich zu besorgen, welche ihm Allerh\u00f6chst derselbe in bezug auf seine Anstellung als Kapellmeister noch au\u00dferdem zu erteilen f\u00fcr gut erachten werden.<\/p>\n<p>Dresden, am 8. Mai 1828.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;-<br \/>\nReissiger ist \u00fcbrigens der letzte Kapellmeister, welcher noch verpflichtet wurde, Messen und Opern f\u00fcr Dresden zu schreiben (die Kapellmeister nach ihm: R. Wagner, Rietz, Krebs wurden nicht mehr gezwungen), so da\u00df mit ihm gewisserma\u00dfen die \u201eMusik am s\u00e4chsischen Hofe\u201c in dem Sinne, da\u00df die Kompositionen nur f\u00fcr Dresden geschrieben werden, aufh\u00f6rt. Streng eingehalten wurde das Gebot ohnehin nur f\u00fcr die Kirchenmusik, aber schon bei Reissiger scheint man auch darin nachgiebiger verfahren zu sein, denn wir lesen. da\u00df z. B. einige seiner Messen auch ausw\u00e4rts aufgef\u00fchrt wurden (Wien, A. M. Z. 1840, S. 723. Erfurt, A. M. Z. 1842, S. 778).<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 61-68 :<\/div>\n<p>Reissiger hatte nun einen H\u00f6hepunkt seines Lebens erreicht. Um die Freude teilen zu k\u00f6nnen, dachte er jetzt ernstlich daran, seine Herzensk\u00f6nigin heimzuf\u00fchren. Seine fr\u00fchere Klaviersch\u00fclerin, die Tochter seines G\u00f6nners. Marie Stobwasser, war, wie wir wissen, die Auserw\u00e4hlte. &#8212;&#8212; Da\u00df man in Dresden das Ereignis nicht unbeachtet vor\u00fcbergehen lie\u00df, ist selbstverst\u00e4ndiich. Der bekannte Dichter der \u201eCrania\u201c, Tiedge, den Reissger schon 1824 kennen gelernt hatte, widmete der Braut ein tiefes Gedicht. S\u00e4mtliche Mitglieder der Kgl. Kapelle \u00fcberreichten ferner ihrem \u201everehrten Herrn Kapellmeister bei seiner R\u00fcckkehr nach Dresden mit seiner geliebten Gattin Marie geb. Stobwasser in Liebe und Hochachtung\u201c einen gedruckten Huldigungru\u00df&#8230;<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nDas folgende Jahrzehnt war nun f\u00fcr Reissiger das gl\u00fccklichste und erfolgreichste seines Lebens, f\u00fcr die deutsche Oper in Dresden und f\u00fcr Dresdens Musikleben selbst eine gro\u00dfe Bl\u00fctezeit. Sein Ruf als Dirigent und Komponist drang weit \u00fcber Dresden hinaus. ja sogar jenseits Deutschlands Grenzen wird Reissiger popul\u00e4r. Einen besonders gro\u00dfen Erfolg verdankte er seiner B\u00fchnenmusik zu dem Scribeschen Drama: \u201eYelva oder die Stumme.\u201c (deutsch von Th. Hell, 1828). Die Komposition erbringt den \u2018Beweis, da\u00df Reissiger tats\u00e4chlich Anlagen zum dramatischen Komponisten hatte, wenn sie nur durch einen geeigneten Text geweckt wurden\u201a aber niemals wieder hatte er das Gl\u00fcck gehabt, einen so dramatischen Vorwurf, wie Yelva, zu erlangen. Ein halbes Jahrhundert nach der Entstehung war, wie die Berichte belegen, Yelva durchaus noch ein Zugst\u00fcck der deutschen Theater, und selbst zur Feier des hundertsten Geburtstages Reissigers (31. Januar 1898) hat sie in der Dresdner Oper unter Schuch Wirkung ausge\u00fcbt, so da\u00df sie wohl heute noch von Zeit zu Zeit m\u00f6glich w\u00e4re. Nach Dresden brachte zuerst Kassel 1829, Wien 1830, Stuttgart, Weimar die \u201eYelva\u201c auf der B\u00fchne, w\u00e4hrend die Konzertmusik durch Auff\u00fchrung der Ouvert\u00fcre den Namen des Komponisten in ganz Deutschland verbreitete.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\n1829 folgte die Oper \u201eLibella\u201c mit der Schr\u00f6der-Devrient in der Titelrolle, die auch viel Anerkennung fand. Neunmal wurde sie in einem Jahre in Dresden aufgef\u00fchrt. Die Kritiken sprechen immer nur von der \u201elieblichen\u201c Libella, und tats\u00e4chlich ist hier alles in Melodie getaucht, aber keine angekr\u00e4nkele, sondern eine frische Melodik ist vorherrschend. Die T\u00e4nze sind gef\u00e4llig, rhythmisch einfach, aber gesund melodi\u00f6s. Auch d\u00e4monische Klangfolgen kommen vor, die aber Webers oder Marschners Vorbild nicht erreichen, der Text stammt von Theophania (Deckname f\u00fcr Fr\u00e4ulein v. Brochowska). Die Ouvert\u00fcre wurde ebenfalls, wie die anderen Ouvert\u00fcren Reissigers (Dido, Nero. usw), in allen Konzerten gespielt. Alle diese Werke aber sollte die Ouvert\u00fcre zur Oper \u201eDie Felsenm\u00fchle\u201c \u00fcbertreffen. Mit ihren pr\u00e4gnanten, franz\u00f6sisch prickelnden Rhythmen und weichen, melodischen Linien nach italienischer Art hat sie sich bis auf den heutigen Tag gehalten. Wir k\u00f6nnen aus der energischen Rhythmik, wie sie ebenso vielen anderen Kompositionen Reissigers eignet, folgern, da\u00df Reissiger auch als Dirigent ein straffer, pr\u00e4ziser Rhythmiker war. Die Ouvert\u00fcre zur \u201eFelsenm\u00fchle\u201c verschaffte ihm Weltbekanntheit. Die Oper selbst, nach dem Text von v. Miltitz, zeigt nun, wie alle kommenden Werke (Turandot 1835, Adele de Foix 184l, der Schiffbruch der Medusa 1846), die Erscheinung, da\u00df bei v\u00f6llig undramatischer Anlage des Textes, gelungene Nummern neben vielen mittelm\u00e4\u00dfigen stehen. Der Text war totes Schema und gab dem Komponisten zu wenig individuelle Anregungen. so da\u00df der Letztere auch einem Schematismus (italienische Arie) verfallen mu\u00dfte. Die tats\u00e4chlich wirkungsvollen Nummern aber, die auch zu Lebzeiten Reissigers den Werken den Erfolg, von dem man allerorts liest, verschafften, sollte man nicht in ihrer allt\u00e4glichen Umgebung stehen lassen, um das Urteil \u00fcber Reissiger zu wandeln. Nach Dresden brachte 1831 das\u2018Kgl. Hoftheater zu Leipzig (l829\u201432 eine Filiale von Dresden) \u201eDie Felsenm\u00fchle\u201c&#8230; &#8212;&#8212;- Interessant ist, da\u00df ferner Kopenhagen die Oper auff\u00fchrte. Beziehungen hat ja der s\u00e4chsische Hof immer zum Norden gehabt. Von Sch\u00fctz, Naumann u. a. ist ihre dortige: T\u00e4tigkeit bekannt, und auch zu Reissigers Zeit gaben z. B. die Virtuosen des Dresdener Kgl. Orchesters (F\u00fcrstenau) im Norden Konzerte. Eine besondere Ehrung erfuhr Reissiger auch dadurch, da\u00df 1834 in Berlin die \u201eFelsenm\u00fclile\u201c als Festoper zu K\u00f6nigs Geburtstag unter seiner Leitung aufgef\u00fchrt wurde. Der Herrscher war derselbe, der Reissiger fr\u00fcher unterst\u00fctzt hatte.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nAu\u00dfer der Oper bearbeitete Ressiger besonders sch\u00f6pferisch das Gebiet des Solo- und Chorliedes und der Kammermusik. Wir werden ja gegen Ende noch auf alles zur\u00fcckkommen. Hier sei nur gesagt. da\u00df man f\u00f6rmlich vor einem R\u00e4tsel steht, wie Reissiger bei seiner anstrengenden Amtst\u00e4tigkeit eine solche F\u00fclle von Kompositionen liefern konnte. \u201eNulla dies sine linea\u201c, dieses Wort scheint uns fast zu wenig auszudr\u00fccken. Jede kleine Pause im Amt scheint er ben\u00fctzt zu haben, um nur die Lieder so hinzuschreiben. Dabei sind zufolge Unmenge nicht alle, wie man vermuten k\u00f6nnte, qualit\u00e4tslos, wenn auch ein gro\u00dfer Teil den Stempel der schnellen Gelegenheitsarbeit tr\u00e4gt. In Rob. Schumanns N. Z. f. M. Wird Reissiger einmal ein \u201eLiederpascha\u201c genannt, der so verliebt ist, kaum noch alle kennen kann. Wir m\u00fcssen heute bedauern, da\u00df Reissiger sich nicht mehr konzentriert hat, wozu er das Zeug hatte, wie mehrere sehr gelungene Lieder beweisen. Heute ist \u00fcber Reissigers als Liederkomponist der Stab gebrochen, woran nur die Menge schneller Arbeiten schuld ist, welche\u201a wie es meist zu sein pflegt, die guten W\u00fcrfe mit in die Vergessenheit rei\u00dfen. Eine Ungerechtigkeit der Geschichte! Zu seiner Zeit waren alle Gaben Reissigers hochbegehrt, und man kann es dem Komponisten, der f\u00fcr seine Familie nun auch erh\u00f6hte finanzielle Anforderungen zu. befriedigen hatte, nicht gar so sehr ver\u00fcbeln, wenn er sein Einkommen auf die ihm vom Publikum selbst angebotene Art vermehrte. Er hat wohl selbst nicht geahnt, da\u00df es ihm einst so schaden w\u00fcrde, denn er war ja sonst als Musiker ein ernster, pflichtbewu\u00dfter Mann.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nEin anderes erfolgreiches Gebiet war die M\u00e4nnerchorkomposition, und wir sehen Reissiger auf den Programmen aller deutschen M\u00e4nnergesangs- und Musikfeste, die ja, von dem Th\u00fcringer Kantor Bischof ins Leben gerufen, in der ersten H\u00e4lfte des l9. Jaihrhunderts eine wahre Hochbl\u00fcte erlebten. Reissiger besucht dieselben als Ehrengast und Ehrendirigent, vom vierten Musikfest an der Elbe in Nordhausen fast alle. Er erwies dadurch gleichzeitig der Kunstpflege einen gro\u00dfen Dienst, denn die Musikfeste f\u00f6rderten mit ihrer gro\u00dfz\u00fcgigen Anlage das Gedeihen der deutschen<br \/>\nKunst ganz besonders. Weite Kreise des des Volkes, namentlich Kleinst\u00e4dter, die sonst von Musik wenig h\u00f6rten, bekamen F\u00fchlung mit bedeutenden Werken in musterhafter Auff\u00fchrung. Vorgreifend nennen wir hier nur das gr\u00f6\u00dfte Musikfest, welches Reissiger in seinem Leben geleitet hat, das f\u00fcnfundzwanzigste Niederrheinische Musikfest zu Aachen 1843. Da\u00df er gerade das Jubil\u00e4umsfest leiten durfte, war eine besondere Auszeichnung. In \u201emeisterhajter\u201c Ausf\u00fchrung gelangten unter ihm mit einem Chore von 465 S\u00e4ngern und einem Orchester von 133 Instrumentisten am ersten Tage das Magnifikat von Durante die G-Moll-Sinfonie von Mozart und H\u00e4ndels Samson zum Vortrag. Als Solisten hatte Reissiger sich seinen ber\u00fchmten Dresdener Tenor Tichatschek mitgenommen (seit 1838 von Reissiger nach Dresden engagiert). Am zweiten Tage erklangen die Sinfonia eroica von Beethoven, ein eigens f\u00fcr das Fest komponierter Psalm Reissigers und Hymnen von Cherubini und Vogler.<br \/>\nDas Institut der deutschen Oper in Dresden hatte nun inzwischen auch wieder gute Fortschritte gemacht. 1830 hatte Dresden in einem Jahre bereits mehr deutsche Werke aufgef\u00fchrt, als Berlin, wo doch schon lange keine italienische Oper mehr Konkurrenz machte (seit 1805), w\u00e4hrend ja bekanntlich in Dresden die italienische Oper sich am z\u00e4hesten von allen bestehenden gehalten hat (bis 1832). Zustatten kam Reissiger allerdings bei der Gestaltung des deutschen Spielplans, da\u00df Morlacchi infolge seiner Krankheit doch nicht mehr so f\u00fcr sein Institut wirken konnte. Reissiger wechselte geschickterweise, um Hof und Publikum im \u00dcbergang allm\u00e4hlich an die ernsten deutschen Kunstwerke zu gew\u00f6hnen, in der ersten Zeit immer mit leichter<br \/>\nverst\u00e4ndlichen, schnell beliebt werdenden deutschen Singspielen und italienischen Werken ab. Er hatte die Freude, da\u00df tats\u00e4chlich das Interesse f\u00fcr die deutsche Oper immer gr\u00f6\u00dfer wurde. Nur von e i n e r Seite suchte man immer noch das Gedeihen zu verhindern. Konnte man auch der Person des Leiters selbst nichts anhaben \u2013 dieser hatte sich durch K\u00f6nnen und Charakter alle Herzen gewonnen \u2013\u201a so liest man doch, da\u00df dem Unternehmen im Prinzip von einem Teile der Presse immer noch Erschwerungen bereitet wurden. Eine herzhafte Erwiderung m\u00fcssen wir deshalb wiedergeben, die die Lage treffend kennzeichnet. Wir lesen in der A. M. Z.. 1829, S. 726: \u201eDestomehr habe ich mich \u00fcber die deutsche Opergefreut, f\u00fcr welche dank der lebhaften Teilnahme des Hofes und des Publikums, die Direktion mehr zu tun anf\u00e4ngt. Konnten auch wegen der angestrengten Kr\u00e4fte der deutschen S\u00e4nger, die w\u00e4hrend des Juni, Juli August zwei- und dreimal in der Woche auftreten mu\u00dften, nur Wiederholungen \u00e4lterer Opern stattfinden, so waren diese doch so vollkommen und von seiten der S\u00e4nger sowohl als des Orchesters so vollendet ausgef\u00fchrt, da\u00df man hinl\u00e4nglich f\u00fcr die Neuheit entsch\u00e4digt wurde. Ich erw\u00e4hne nur die gelungenen Vorstellungen des Oberon, der Euryanthe, des Jakob und seine S\u00f6hne, der Libella, der zum ersten Male deutsch gegebenen Vestalin und des neu einstudierten Fidelio. Der unverge\u00dfliche Weber w\u00fcrde sich freuen, k\u00f6nnte er Zeuge sein, welche herrlichen Fr\u00fcchte das von ihm mit vielem Schwei\u00df unter unaufh\u00f6rlichen K\u00e4mpfen errichtete deutsche Institut tr\u00e4gt. Und dennoch wird die deutsche Oper jetzt noch von parteiischen Korrespondenten wie fr\u00fcher angegriffen. &#8230;.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 66-68 :<\/div>\n<p>Da\u00df Reissiger bestrebt war und es sein mu\u00dfte, die Leistungen des k\u00f6niglichen Instituts auf die h\u00f6chste m\u00f6gliche H\u00f6he zu bringen, so da\u00df Dresden schlie\u00dflich im Laufe der drei\u00dfiger Jahre die f\u00fchrende Oper besa\u00df, hat auch seinen Grund in dem gerade damals hochgehenden geistigen Leben der Stadt selbst. Eine seltene Vereinigung von gro\u00dfen K\u00fcnstlern und Gelehrten, die ja dann auch noch w\u00e4hrend Wagners Dresdner Zeit (vierziger Jahre) weiter bestand, bildete sich jetzt. Um einige gl\u00e4nzende Namen zu nennen, seien von den bildenden K\u00fcnstlern genannt: Rietschel, Semper, L. Richter, H\u00fcbner, Bendemann, sp\u00e4ter H\u00e4hnel, von den Dichtern: Tieck, Tiedge\u201a Julius Hammer, Reinick, F. Kind und Th. Hell mit ihrem Kreise, sp\u00e4ter noch Auerbach, Gutzkow, Roquette, der nordische M\u00e4rchendichter Andersen, O. Ludwig, von Gelehrten: den Begr\u00fcnder der Bibliothekswissenschaft Hofrat Ebert, Hofrat B\u00f6ttiger, Wolf Graf v. Baudissin. &#8230;&#8230;.<br \/>\nReissiger verstand es, die gr\u00f6\u00dften zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnstler nach Dresden zu ziehen. In gesangsk\u00fcnstlerischer Hinsicht hatte er ja, da er selbst Gesang studiert hatte, ein ma\u00dfgebendes Urteil und konnte infolgedessen ein gl\u00e4nzendes Ensemble zusammenstellen: Tichatschek, Mitterwurzer, Scaria, WiIhelmine Schr\u00f6der-Devrient, Maschinka Schneider, Henriette W\u00fcst, um nur die allergr\u00f6\u00dften Namen zu nennen. Dazu lie\u00df ihn seine Orchester und lnstrumentalkenntnis u. a. den Violinisten Lipinski\u201a den Paganinirivalen, Cellisten wie Dotzauer, Kummer, den Klarinettisten Kotte, \u201eeine Zierde Deutschlands&#8221;, den Fl\u00f6tisten F\u00fcrstenau, die Hornisten Haase und Levy, alles ber\u00fchmteste Virtuosennamen der Zeit, in die Kgl. Kapelle berufen oder sie derselben erhalten. Ja Lipinski, der bei seiner Berufung 1839, trotzdem er 49 Jahre alt war, auf vollster k\u00fcnstlerischer H\u00f6he stand und nur noch Paganini neben sich hatte, erschien Reissiger beinahe zu alt, so scharf war dessen kritisches Urteil bei Anstellungen und so gro\u00df die F\u00fcrsorge f\u00fcr die Zukunft seines Orchesters. In den Sommermonaten, wenn manche der gro\u00dfen K\u00fcnstler ausw\u00e4rts gastierten, sorgte Reissiger f\u00fcr Heranziehung fremder guter Kr\u00e4fte als Ersatz.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nIn den Salons der Dresdner Herrschaften, der Bankiers Oppenheim und v. Kaskel und vor allem des Majors Serre, war Reissiger musikalischer spiritus rector. Die T\u00f6chter Kaskels waren besonders musikalisch. Ihnen widmete Reissiger auch einige Ges\u00e4nge. Der bekannteste Dresdner Salon war der des Majors Serre. Serre wurde infolge seiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr die Schiller-Lotterie und die Tiedge-Stiftung in ganz Deutschland genannt. Auf seinem Landsitze in Maxen bei Dresden versammelten sich im Sommer, in der Stadtwohnung im Winter alle in Dresden ans\u00e4ssigen oder auch nur auf der Durchreise hier weilenden f\u00fchrenden Geister.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nIn diesen Salons erfuhren viele Kammermusikwerke Reissigers ihre Auff\u00fchrung, und  wir m\u00fcssen in der Beurteiiung der Kompositionen sehr wohl in Betracht ziehen. da\u00df ein Teil derselben, nicht alle, gleich f\u00fcr die Auff\u00fchrung in den geselligen Kreisen berechnet waren. das hei\u00dft: der Aufwand an motivisch-kontrapunktischer Arbeit nicht zu gro\u00df durfte, um das Verst\u00e4ndnis nicht allzusehr zu erschweren. Reissiger konnte ja bei seiner soliden musikalischen Durchbildung auch wirklich \u201egearbeitete&#8221; Werke liefern, wie manches Beispiel zeigt, aber sie w\u00e4ren hier, wo es mehr auf eine gesellige Unterhaltung ankam,  nicht so am Platze gewesen. Das musikalische Leben der geschlossenen Zirkel f\u00fchrt uns nun \u00fcberhaupt zu der Frage des Dresdner Konzertlebens der Reissigerzeit.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 70-75 :<\/div>\n<p>Wir kommen nunmehr zur Besprechung des Konzertlebens in Dresden zur Zeit Reissigers, wobei auch die au\u00dferh\u00f6fische Musikpflege, welche bisher nirgends behandelt wurde, bedacht werden soll. Das deutsche Konzertwesen macht am Beginn des 19. Jahrhunderts eine gro\u00dfe Wandlung durch, deren Wesenskern man darin erblicken kann, da\u00df man von einer intimen Musikpflege (h\u00f6fischen oder gesellschaftlichen) allm\u00e4hlich zu einem auf breiterer Grundlage stehenden \u00f6ffentlichen Konzertleben \u00fcbergeht. Durch Gr\u00fcndung einer Unzahl von Musikvereinen (Singakademien, M\u00e4nnergesangvereinen, Instrumentalvereinigungen) wurden Verst\u00e4ndnis und Begeisterung f\u00fcr die klassische Literatur in gr\u00f6\u00dfere Kreise getragen. Den gr\u00f6\u00dften Erfolg hatten diese Bestrebungen in den schon erw\u00e4hnten Musikfesten zu verzeichnen, auf denen sich viele kleine Vereine zu gr\u00f6\u00dferen Komplexen und Wirkungen vereinigten.<br \/>\nReissiger war nun schon w\u00e4hrend seiner Leipziger Studienzeit in ein reiches, in dieser Weise geartetes Musikleben gekommen. wo er ja sogar zeitweilig die Gewandhauskonzerte dirigierte. Namentlich war von Leipzig eine systematische Beethovenpflege ausgegangen. Wir brauchen uns daher nicht zu wundern, wenn Reissiger in seinem Dresdner Wirkungskreise nun auch dem Konzertleben sein Interesse zuwendete. Es standen ihm in seinem Hoforchester und den K\u00fcnstlern der Oper ja auch die trefflichsten Hilfstruppen zu Gebote. Zun\u00e4chst gab es allerdings noch kein sogenanntes \u201estehendes Konzert\u201d (eine Konzertreihe mit Abonnenten). Weber hatte einst einen vergeblichen Versuch gemacht, diese Einrichtung einzuf\u00fchren. Wenn wir aber in den Anzeigen und Berichten nachschlagen, so finden wir, da\u00df im Winter die k\u00f6nigliche Kapelle durchschnittlich alle vierzehn Tage ein \u00f6ffentliches Konzert (\u201emusikalische Akademie&#8221; genannt) gab, also die Zahl fast die gleiche war wie heute. Den Anla\u00df zum Konzert bot gew\u00f6hnlich einer der ber\u00fchmten Dresdner oder ausw\u00e4rtigen Virtuosen, welche alle damals schon, genau wie heute, Dresden besuchten: Paganini, Hummel, Moscheles, Kalkbrenner, F. Ries; Klara Wieck und wie sie alle hei\u00dfem. Von den Virtuosen des Dresdner Orchesters durfte jeder j\u00e4hrlich ein Benefizkonzert veranstalten. Deren Vortragsnurnmern hatte die kgl. Kapelle erstens zu begleiten, dann aber auch durch eigene Nummern zu erg\u00e4nzen. Au\u00dferdem war immer noch ein Duo oder Trio von Operns\u00e4ngern beteiligt. Das Orchester trug au\u00dfer der Ouvert\u00fcre, wobei gleich hier bemerkt sei, da\u00df Reissiger gern die Weberschen bevorzugte, noch eine Sinfonie oder einen Sinfoniesatz vor. Die Konzerte waren infolge der Vielseitigkeit der Programme eigentlich keine reinen Sinfoniekonzerte, sondern wir w\u00fcrden sie heute vielleicht \u201ePhilharmonische Konzerte\u201c nennen. Interessant ist, da\u00df man damals noch h\u00e4ufig Bl\u00e4servirtuosen begegnete. Klarinetten-, Fl\u00f6ten- und sogar Fagottkonzerte sind nichts Seltenes. Klavier- und Violinvirtuosen tragen nur Konzertsachen vor; Sonaten und andere Kammerwerke sind jetzt noch ausschlie\u00dflich in den Aristokratensalons zu h\u00f6ren, welche ja nebenher immer noch St\u00e4tten der Kunst geblieben waren. In den zwanziger Jahren finden wir in Dresden selbst die Konzertmusik im Banne der Italiener, bis nach und nach deutsche Programme erscheinen. Hier hat vor allem Reissiger mit seiner Beethovenpflege vorbildlich gewirkt. &#8212;&#8212;- Die Beethovenverehrung fand sch\u00f6nsten Ausdruck in einem von Reissiger geleiteten Konzert zum Besten eines Beethovendenkmals\u2018 in Bonn, wor\u00fcber man in der .; M. Z. (1839, S. 777) liest: \u201eIndes trug auch die Kapelle sehr viel dazu bei, da\u00df der k\u00fchne Geist Beethovens in dem Ma\u00dfe verstanden wurde, wie er verstanden sein will; nur solches kr\u00e4ftiges Ineinandergreifen, solche exakte Ausf\u00fchrungen verm\u00f6gen es, den nach allen erdenklichen Richtungen ausgesponnenen Gedanken so vollst\u00e4ndig und pr\u00e4zis wiederzugeben, wie es der Geist der Komposition durchaus fordert. Diese eigent\u00fcmliche geistige Belebung des Orchesters h\u00e4ngt aber haupts\u00e4chlich von dem Dirigenten ab, der gewisserma\u00dfen die Seele desselben zu nennen ist, und hier m\u00fcssen wir vor allem dem sehr verdienstvollen Kapellmeister Reissiger unseren aufrichtigen Dank zollen; er zeigte uns jene beiden Tongem\u00e4lde, die Sinfonia eroica und die Ouvert\u00fcre in C, mit feinen Schattierungen in ihrer Gro\u00dfartigkeit so klar und deutlich, da\u00df auch nicht das Mindeste verloren ging.\u201c<br \/>\nDie Virtuosen, welche nach Dresden kamen, gaben gew\u00f6hnlich zwei oder drei Konzerte gleich hintereinander, und zwar zuerst ein Privatkonzert vor dem Hofe in Dresden oder Pillnitz, ein zweites im Hoftheater w\u00e4hrend der Zwischenakte \u2013 eine Einrichtung, die uns heute verloren gegangen ist \u2013 und endlich ein drittes in der erw\u00e4hnten Art mit dem Hoforchester in einem Konzertsaale. Es kam auch vor, da\u00df ein Virtuos in einer Familie ein Privatkonzert gab.<br \/>\nDie ersten Konzerte hatte Reissiger anzuordnen.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nseiner Vorliebe f\u00fcr die Italiener auch Bach und Zelenka immer auf dem Fl\u00fcgel liegen gehabt haben. Reissiger hat oft mit der k\u00f6niglichen Familie musiziert.<br \/>\nAu\u00dfer den Konzerten, in welchen die kgl. Kapelle zur Mitwirkung herangezogen wurde, veranstalten sie selbst\u00e4ndig j\u00e4hrlich mehrere Wohlt\u00e4tigkeitskonzerte, die sogenannten \u201eArmenkonzerte\u201c und das seit 1826 bestehende Palmsonntagskonzert. Die Armenkonzerte gab es ja auch anderswo, z. B. in Leipzig, wo das Gewandhausorchester j\u00e4hrlich mehrere veranstaltete. Bei Gelegenheit dieser Konzerte kamen immer gr\u00f6\u00dfere Werke zur Auff\u00fchrung so da\u00df man sie auch als Musikfeste bezeichnete. Die Drey\u00dfigsche Singakademie, die Singakademie des Frauenkirchenorganisten Ehlich und die des Kantors M\u00fchle, der Kreuzchor Julius Ottos, der Seminarchor, ferner das Stadtmusikkorps Zillmann erg\u00e4nzten das k\u00f6nigliche Orchester und den Opernchor, so da\u00df man wirklich eine stattliche Zahl von Mitwirkenden zur Verf\u00fcgung hatte. Die Liste einer Reihe von Palmsonntagskonzerten zur Zeit Reissigers, welche unten 2) nach dem Verzeichnis, welches v. Brescius in seiner Festschrift zum 350 j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Kgl. Kapelle (Dresden 1898) zusammengestellt wurde, gibt ein erfreuliches Bild musialischer Kultur. Das Armenkonzert im Sommer fand immer im Palais des Kgl. gro\u00dfen Gartens statt, w\u00e4hrend die Winterkonzerte im Saale des alten Opernhauses abgehalten wurden. Eins der Winterkonzerte fand immer zur Fastnachtszeit statt, woraus dann 1850 das heute noch bestehende Aschermittwochskonzert wurde.<br \/>\nIn einem dieser Armenkorizerte (27. August 1838) erklang im Palais des Gro\u00dfen Gartens zum ersten Male f\u00fcr Dresden Beethovens Neunte unter Reissigers Leitung.<\/p>\n<div class=\"notiz-m\">2) Es wurden die Werke, welche in den ersten 20 Jahren (1826-1846) zur Auff\u00fchrung kamen, zusammengestellt. \u2026<br \/>\n\u201edas Weltgericht\u201c, Oratorium von F. Schneider; \u201eMesse D-Dur\u201c von Cherubini; Schlu\u00dfchor aus dem Oratorium \u201eDie Pilger\u201c von Naumann; \u201eMatth\u00e4us-Passion\u201c von J. S. Bach (Leitung: Morlacchi); \u201eMessias\u201c, \u201eJephta\u201c, \u201eSamson\u201c, \u201eJudas Maccab\u00e4us\u201c von H\u00e4ndel; \u201eTod Jesu\u201c von Graun; \u201eRequiem\u201c von Mozart; \u201eChristus am \u00d6lberg\u201c von Beethoven; \u201eB\u00fc\u00dfender David\u201c von Mozart; aus \u201eIsaac\u201c, \u201eJahreszeiten\u201c von Haydn; \u201eSch\u00f6pfung\u201c von Haydn; \u201eStabat mater\u201c von Pergolesi.<br \/>\nSinfonie C-Moll, A-Dur, F-Dur (6. und 8.), Es-Dur, B-Dur, D-Dur von Beethoven; Ouvert\u00fcre C-Dur, Ouvert\u00fcre \u201eWeihe des Hauses\u201c von Beethoven; \u201eJupiter\u201c Sinfonie von Mozart.<br \/>\nNB. auffallend ist die mehrmalige Auff\u00fchrung der Bachschen \u201eMatth\u00e4us-Passion\u201c unter Leitung von Morlacci, des Italieners (neben Reissiger, der sie auch leitete). Ein sch\u00f6nes Zeugnis f\u00fcr ihn, da\u00df er als Dirigent sich auch in die tiefe deutscher Kunst versenkte, wo er doch als Komponist eine sp\u00e4tneapolitanische Richzung vertrat (Sch\u00fcler Zigarellis und Matteis). Wie erg\u00e4nzen sein biographisches Bild durch die Mittelung, da\u00df er 1837 in die engere Wahl f\u00fcr den Kapellmeisterposten an der Peterskirche in Rom kam. In Dresden hat er sich selbst ein Denkmal geschaffen durch Gr\u00fcndung des Orchester-Pensionsfond. Einer seiner deutschen Sch\u00fcler war Moritz Hauptmann.<\/div>\n<p>&#8212;&#8212;-<br \/>\nInteressant ist, da\u00df kaum ein halbes Jahr sp\u00e4ter ein anderes Werk des letzten Beethoven erklang, was vielleicht durch die Auff\u00fchrung der Neunten mit veranla\u00dft war. 1839 f\u00fchrte die Drey\u00dfigsche Singakademie zum ersten Male im Bereiche des heutigen Deutschen Reiches die \u201eMissa solemnis auf. Dies ist ein Beweis, wie hochstehend das au\u00dferh\u00f6fische Musikleben in Dresden war. Es lebten aber auch Pers\u00f6nlichkeiten daselbst, deren Namen auch heute noch guten Klang haben, Julius Otto, der Hoforganist Dr. Johann Schneider, den Mendelssohn f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften lebenden Organisten erkl\u00e4rte, ein Bruder des \u201eWeltgerichts\u201c-Schneider, sein Vorg\u00e4nger der t\u00fcchtige Agthe, einige Jahre sp\u00e4ter Robert Schumann mit Gattin, Wagner, F. Hiller u. a.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nHatten in den zwanziger Jahren schon einmal \u00f6ffentliche Kammermusiken existiert (von einem Quartett der Hofkapelle: Peschkc, Schmiedel usw.), so erwachten diese nach mehrj\u00e4hriger Pause, w\u00e4hrend welcher die Kammermusik nur in den Salons erklang, in den drei\u00dfiger Jahren zu neuer Bl\u00fcte (Kgl. Konzertmeister Schubert, Rolla, Morgenroth, Dotzauer u. a. Mitglieder der Kgl. Kapelle). Ein Ereignis f\u00fcr Dresdens gesamtes Musikleben war Lipinskis Anstellung. Seine Quartettabende waren weithin ber\u00fchmt. Auch vereinigte er sich mit fremden K\u00fcnstlern zu Kammermusikverstaltungen in Dresden, z. B. mit Liszt. In den vierziger Jahren kamen die Mittags- und Abendkonzerte des Schumannschen Ehepaares hinzu, ferner die Hillerschen Veranstaltungen. Nach Schumanns \u00dcbersiedlung nach D\u00fcsseldorf 1850 wurden die Konzerte von Marie Wieck weitergef\u00fchrt. Jul. Schnorr v. Carolsfeld, der Direktor der Gem\u00e4ldegalerie, berichtet weiter von Elternabenden im Blochmannschen Erziehungsinstitut, in denen die k\u00f6niglichen Kammermusiker Quartette boten. Ebenso rief 1854 der Bildhauer H\u00e4hnel Kammermusiken mit Mitgliedern der Kgl. Kapelle ins Leben. &#8212;&#8212;- Erw\u00e4hnt seien auch die beiden Haupt-M\u00e4nnergesangvereine Liedertafel<br \/>\n(gegr. 1830) und Orpheus (gegr, 1834), welche noch heute bestehen. Da\u00df Reissiger, einer der ersten M\u00e4nnerchor-Komponisten der Zeit, diesen Vereinen seine ganz besondere Teilnahme zuwendete, ist sellbstverst\u00e4nlich. Reissiger war selbst der erste Dirigent der Liedertafel.<br \/>\nBekannt sind ja auch die ersten gro\u00dfen deutschen M\u00e4nnergesangsfeste in Dresden 1842 und 1843. Der Orpheus-M\u00fcller, Leiter des Orpheus, war Reissigers besonderer Freund.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nWir m\u00fcssen nun endlich auch der von der Kgl. Kapelle unabh\u00e4ngigen Orchestermusik in Dresden gedenken. Dieser wird in den zeitgen\u00f6ssischen Berichten ein ganz besonderes Lob gesungen. &#8212;&#8212;- Immer fielen ausw\u00e4rtigen Besuchern die stark besetzten Orchester an Vergn\u00fcgungsorten besonders auf. 1828 bereits macht man in Berlin den Vorschlag, auch solche Konzerte \u201emit ganzem Orchester\u201c, wie sie in Dresden im Linckeschen Bade, im Gro\u00dfen Garten und auf der Br\u00fchlschen Terrasse so vorz\u00fcglich zu finden sind, einzuf\u00fchren. Eigent\u00fcmlich war dabei, da\u00df man ganze Sinfonien in den Gartenkonzerten auff\u00fchrte, weshalb allerdings die Sinfonie, wie Moritz Hauptmann schreibt, dem eigentlichen Konzertsaale l\u00e4nger vorenthalten blieb. \u201eAuch gelangte sie dort (im Garten) zu so t\u00fcchtiger Auff\u00fchrung, als man sie sonst unter freiem Himmel wohl selten h\u00f6ren wird.\u201c Da\u00df man daf\u00fcr im Saale wenig Sinfonien h\u00f6rte, ist aber wohl ein zu schroffes Urteil, denn schon in den zwanziger Jahren spielen die Milit\u00e4rkapellen und das Stadtmusikkorps (Zillmann) jede Woche wenigstens eine Sinfonie (\u00e4lterte von Haydn. Mozart, Beethoven, neuere von Weber, Romherg, Kalliwoda, Spohr) in Creutzens Kaffeehaus am Altmarkt oder in der gro\u00dfen Wirtschaft im Gro\u00dfen Garten. Andere Lokale waren Findlaters Weinberg (heutiges Albrechtsschlo\u00df), Italienisches D\u00f6rfchen und die Brauerei-Restaurationen, eine ziemlich gro\u00dfe Anzahl, so da\u00df z. B. Das Stadtmusikkorps Sommer und Winter fast t\u00e4glich an einem anderen Orte besch\u00e4ftigt war. Stadtmusikcorps, also \u201eSt\u00e4dtische Kapelle\u201c, dieser Begriff will dem heutigen Dresdner zun\u00e4chst sehr befremdlich erscheinen, denn er kennt kein Stadtorchester mehr. Und doch hat es bis Ende 1875 tats\u00e4chlich neben dem Kgl. Orchester ein solches gegeben.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nDie erste H\u00e4lfte des l9. Jahrhunderts bringt fast in allen gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten die Einrichtung von Abonnementkonzerten. Dresden besa\u00df in seiner Hofkapelle eins der ersten Orchester der Welt, und doch bekam es von dieser Seite her die Einrichtung stehender Konzerte mit einem festen Zuh\u00f6rerkreis erst nach der Jahrhundertmitte (1858). Es war dies eine der letzten verdienstvollen Einrichtungen unter Reissiger.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 77- 78 :<\/div>\n<p>Wir verfolgen nunmehr wieder das Leben Reissigers. Wir hatten gesehen, wie unter seiner Leitung in den drei\u00dfiger Jahren die Dresdner Oper und das Konzertleben auf gro\u00dfe H\u00f6he gelangten. Die Oper war am Ende der drei\u00dfiger Jahre die erste in Deutschland. &#8212;&#8212;- Reissiger begr\u00fcndete in Dresden eine eigentliche Gluckpflege, welcher sonst nur noch in Berlin (Spontini) gespielt wurde (Iphigenie auf Tauris, Orpheus und Euridike); wandte seine Aufmerksamkeit Mozart zu, durch Auff\u00fchrung seiner Werke in deutscher Sprache . Eine wackere F\u00fcrsorge traf er aber auch f\u00fcr die Vorstellungen moderner Werke. Wir nennen die gl\u00e4nzende Hugenottenauff\u00fchrung, der Meyerbeer beiwohnte (1838). Reissiger nahm zu gern neue Opern an, wobei ihm die Intendanz \u00f6fter wegen der Kosten Schwierigkeiten machte, denn die Unterst\u00fctzung junger Talente hatte nicht immer etwas eingebracht. Die Annahme des Rienzi, die wir noch n\u00e4her besprechen werden, ist auch ein Beweis des Eintretens f\u00fcr junge Kr\u00e4fte.<br \/>\nVorerst m\u00fcssen wir noch ein paar Worte der Pflege der Kirchenmusik unter Reissiger (Katholische Hofkirche.) widmen. Die Auff\u00fchrungen bestehen bekanntlich heute noch und hehaupten durch die Verbindung mit der Hofoper, indem deren K\u00fcnstler auch f\u00fcr die Kirche mit verpflichtet werden, eine erste Stellung. Als Reissiger antrat, \u00fcberkam er ein gl\u00e4nzemle Ensemble f\u00fcr die Kirchenmusik. Die italienische Oper war mit ihren S\u00e4ngern und besonders ihren Kastraten noch auf voller H\u00f6he. Frauen durften aber nach dem \u201emulier tacet in ecclesia\u201c w\u00e4hrend Reissigers ganzer Amtszeit (bis 1859) noch nicht in der Kirche mitwirken, da erst 1864 ein entsprechender Erla\u00df kam. Infolgedessen hatte Reissiger nach Eingehen der italienischen Oper mit ihren Kastraten eine Krisis in der Kirchenbesetzung durchzumachen. W\u00e4hrend erst Sassaroli und Tarquinio, die, nebenbei gesagt, die Summen von 17 000 und 14 000 Talern Gehalt schluckten, was daf\u00fcr anderen S\u00e4ngern entzogen werden mu\u00dfte, die Koloraturen und Schn\u00f6rkel der \u00e4lteren Kirchenkompositionen herunterperlten, mu\u00dften nach 1845, als Tarquinio, der letzte Kastrat in Deutschland, abging, begabte Chorknaben die Sopran- und Alt-Solopartien \u00fcbernehmen. Die vorgeschrittenen sittlichen Anschauungen hatten schon lange gegen das Kastratenwesen gearbeitet, nur in Dresden hatte es sich, wie ja auch die italienische Oper, sehr lange behauptet. Zuccalmaglio, einer der Davidsb\u00fcndler, wettert in den Jahrb\u00fcchern des Nationalvereins (1839, S. 194) gege idie Dresdener Unsitte, wobei er Reissiger im Kampfe hilft und lobt, da\u00df er schon mehrere Messen gesetzt, in denen er eine strenge Stimmf\u00fchrung im Gesang beobachtet, aus denen er alles Singpielartige verbannt und alles Bunte der Begleitung weggelassen\u201c. Aber die \u201eGurgeleien\u201c der Kastraten kitzelten eben die Ohren noch immer. Reissiger interessierte sich sehr f\u00fcr die zu seiner Zeit betriebene Reform der katholischen Kirchenmusik, wie er \u00fcberhaupt an allen Gegenwartsfragen Anteil nahm. Er wurde deshalb auf Spontinis Vorschlag zum Ehrenmitglied der \u201eAkademie der Heiligen C\u00e4cilia\u201c in Rorn ernannt.<br \/>\nDer Kirchendienst war sehr umfangreich. Das Kgl. Orchester hatte im Jahre ca. zweihundertundf\u00fcnfzig Dienstleistungen, die noch neben der Oper zu erledigen waren. Dazu kamen auch noch Auff\u00fchrungen in der Neust\u00e4dter katholischen Pfarrkirche, die heute weggefallen sind.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nEine \u00e4hnliche Krisis wie in der Kirchenbesetzung sollte bald, wenn auch nicht so schlimm f\u00fcr die Oper eintreten. Die Dresdner Oper war, wie wir wissen, am Ende der drei\u00dfiger und Anfang der vierziger Jahre zur ersten Pflegest\u00e4tte der B\u00fchnenmusik in Deutschland aufgestiegen. Ein Aufsatz in der Zeitschrift \u201eKomet\u201c 1842, Nr. I77 (teilweise abgedruckt in der A. M. Z. 1842, S. 918) berichtet davon, indem alle deutschen B\u00fchnen verglichen werden. \u201eDie Trefflichkeit der k\u00f6niglichen Musikanstalten zu Dresden mu\u00df ihm,\u201c so wird von Reissiger als dem Leiter berichtet, \u201eLohn f\u00fcr viele M\u00fchen und Sorgen, f\u00fcr manchen harten, langen, bestandenen Kampf sein.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>auf Seiten 52-56: Kapitel 5. Reissiger in Dresden. 1826-1859 \u201eEs sollte mich freuen, wenn mein l\u00e4ngst im stillen gehegter Wunsch, nach Dresden zu kommen, sich realisiert\u201c, so schreibt Reissiger am 13. Oktober 1826 in dem schon erw\u00e4hnten Briefe an Hofrat Winkler (Theodor Hell). 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