{"id":238,"date":"2014-02-20T16:56:33","date_gmt":"2014-02-20T15:56:33","guid":{"rendered":"http:\/\/reissiger-stiftung.de\/?page_id=238"},"modified":"2014-02-20T16:56:33","modified_gmt":"2014-02-20T15:56:33","slug":"kreiser-der-komponist","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/reissiger-carl-gottlieb.de\/?page_id=238","title":{"rendered":"Kreiser, Der Komponist"},"content":{"rendered":"<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 94-97 :<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">Kapitel 6.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Allgemeines \u00fcber Reissiger als Komponist.<\/h3>\n<p>Wir m\u00fcssen zu Anfang dieses Kapitels auf das Vorwort zur\u00fcckweisen, wonach wir durch die Zeitverh\u00e4ltnisse gezwungen sind, uns hier nur auf einen Abri\u00df zu beschr\u00e4nken. Das Schaffen Reissigers ist ja auch quantitativ und qualitativ so vielseitig, da\u00df es eine Abhandlung f\u00fcr sich beansprucht.<br \/>\nReissiger war eins der produktivsten Talente der Musikgeschichte. Er schrieb \u00fcber zweihundert Werke, wovon ca. die die H\u00e4lfte auch noch dazu bis zu sechs Einzelkompositionen enth\u00e4lt. Wir stehen fast vor einem R\u00e4tsel, wie das bei seiner au\u00dferordentlich angestrengten Amtst\u00e4tigkeit m\u00f6glich war. Wie bereits fr\u00fcher erw\u00e4hnt, ist ja nicht alles gleichwertig. Namentlich unter den zahllosen Liedern, die das eigentliche Feld seines \u2013 des Lyrikers \u2013 Schaffens gewesen sind, und die ihm die gr\u00f6\u00dften Erfolge eintrugen, sind gro\u00dfe Unterschiede festzustellen. Um ein Gesamtergebnis vorwegzuehmen, welches f\u00fcr alle von Reissiger bebauten Kompositionsgattungen zutrifft \u2013 und er hat tats\u00e4chlich jede bestehende Form mit Inhalt erf\u00fcllt \u2013 \u201a so k\u00f6nnen wir sagen, da\u00df wir auf Schritt und Tritt die Einfl\u00fcsse seiner vielseitigen Ausbildung antreffen. Die Bildung seines herzlichen, deutschen<br \/>\nGem\u00fctes durch den Vater und seinen Wohlt\u00e4ter Schicht im klassischen, soliden, deutschen Geiste Bachs und Beethovens, die Einfl\u00fcsse der italienisch-deutschen Halbindividualit\u00e4ten Salieri und Winter, Frankreichs Rhythmen, Italiens Melodien, auch Nachwirkungen Mozartscher Kantabilit\u00e4t in instrumentalen Partien ergeben einen Mischstil, der, wenn er dazu eine streng pers\u00f6nliche Note erhalten h\u00e4tte, sehr wohl berechtigt w\u00e4re, aber bei Reissiger doch haupts\u00e4chlich Mischstil bleibt. Das schlie\u00dft jedoch mehrere recht gelungene Ausnahmen keinesfulls aus. F\u00fcr den Dirigenten Reissigeir war die vielseitige Bildung, die ihm geboten wurde, wertvoll\u201a f\u00fcr den Komponisten jedoch nicht unsch\u00e4dlich.<br \/>\nWir betrachten zuerst die Lieder etwas n\u00e4her. Da\u00df Reissiger vor allem Liederkomponist war, das allein schon ist kennzeichnend f\u00fcr sein Deutschtum; denn andere V\u00f6lker haben die Gattung Lied nicht. In seinen Liedern ist auch der Mischstil am wenigsten ausgepr\u00e4gt. &#8212;&#8212;- Der Text wird einfach deklamiert, nie ist eine Vergewaltigung desselben zu finden, wie \u00fcberhaupt Reissiger \u00e4u\u00dferst gesanglich schreibt. Wir wissen, er war selbst S\u00e4nger.<br \/>\nIn der Melodiebildung haben wir zwei Typen bei ihm zu unterscheiden. Lieder mit und ohne Chromatik. Beim chromatischen Typus geht die melodische Linie immer indirekt auf ihr Ziel los, das hei\u00dft: nach einigen ansteigenden diatonischen Melodieschritten wird kurz vor dem Ende der zweiten Zweitaktgruppe erst noch ein chromatischer, ein Leitton, eingeschoben, der dann bei der Nachahmung in den folgenden Gruppen dem ganzen Liede einen weichlichen, s\u00fc\u00dflichen Charakter verleiht. Diese Lieder sind zu Reissigers Zeit die gangbarsten gewesen. Es war der mehr feminin gerichtete Geschmack des Vorm\u00e4rzpublikums, und Reissiger konnte ihm im Zeitalter der \u201eAlbumanie\u201c gleich hefteweise entgegenkommen, da es ihm ungemein leicht fiel, ihn zu befriedigen. Reissiger klagt einmal selbst, er habe leider viel zu viel Lieder komponiert, so da\u00df er kaum noch Texte finde. Also wird er in der Textwahl oft nicht streng genug gewesen sein. Diese Lieder sind nun mit der Zeit, f\u00fcr die sie geschrieben, vergangen. Der eingeschobene Leitton, der der Sentimenialit\u00e4t Vorschub leistet\u201a war eine Verfallserscheinung.<br \/>\nDa\u00df man diese Lieder vergessen hat und sie nur noch historisch batrachtet, ist nicht verwunderlich. &#8212;&#8212;- Wie man aber dabei auch einen Teil der wirklich guten Sachen vergessen konnte, das haben wir an anderer Stelle bereits eine Ungerechtigkeit der Geschichte bezeichnet. Wir kommen damit zum zweiten Typus der Reissigerschen Lieder. Bei ihm finden wir vorwiegend diatonischc Melodiebildung, welche schon von selbst eine kraftvollere, m\u00e4nnlichere Haltung bewirkt. Dazu kommen pr\u00e4gnante Rhythmen und eine herbere, oft \u00fcberraschende Harmonik, die trotzdem nicht gesucht erscheint. Hier schwingt gesundes, deutsches Empfinden, im Gegensatz zu der etwas kr\u00e4nkelden Empfindsamkcit der ersten Liedergruppe. Da\u00df Reissiger auch der zweiten Art f\u00e4hig war, ist der Beweis, da\u00df dies der eigentliche Grundzug seines Gem\u00fctes war, welches nur durch die Beimengung eines gewissen Triebes, allen Menschen gerecht werden zu wollen, ihn auch dem ersten Typus huldigen lie\u00df. Unserem Empfinden nach \u00fcbertrifft Reissiger mit seinem zweiten Typus die objektive, formale K\u00fchle, die rein melodische Auffassung der Mendelssohnschen Lieder; und man sollte in einer neuen Auswahl diese Lieder unserer Hausmusik wieder einverleiben. Die Klavierbegleitungen sind nicht schwer, wenn sie auch oft vom einfachen Akkordischen zu charakterisierenden Figuren \u00fcbergehen. Kleine Vor- und Nachspiele treffen manchmal die Stimmung des Textes ausgezeichnet.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nEs erscheint darin alles so nat\u00fcrlich aus dem Text herauszuwachsen, frei von gek\u00fcnstelter Pose, dabei immer eine einheitliche gr\u00f6\u00dfere Linie wahrend, wie bei den Klassikern. Diese Lieder sind dann auch durchkomponiert, w\u00e4hrend sonst Reissiger die strophische Form als die volkst\u00fcmlichere bevorzugt. In den komischen Liedern waren seine Vorbilder: Weber und Marschner. Sonst ist von einer Beeinflussung des Liederkomponisten Reissiger, etwa durch Schubert oder auch Schumann, nicht zu sprechen. Reissiger hat Schubert, wie wir aus dem fr\u00fcher mitgeteilten Briefe wissen, sehr verehrt, aber seine Entwicklung als Liederkomponicst war in den zwanziger Jahren abgeschlossen. Die gelungensten Kompositionen dieser Gattung schrieb Reissiger in der Jugend, w\u00e4hrend die sp\u00e4teren Jahre ein Verflachen kennzeichnet. &#8212;&#8212;- Bemerkenswert ist, da\u00df Reissiger einer der ersten Komponisten von sogenannten \u201eKammerges\u00e4ngen\u201c ist, denn wir finden Lieder mit der selteneren Begleitung des Hornes neben dem Pianofortc (op. 117), oder z. B. das Lied \u201eWarum so ferne&#8221; (Wolff) f\u00fcr eine Sopranstimme mit Pianoforte und Cello, ferner \u201eAn ihr Veilchen\u201c f\u00fcr eine Singstimme. Pianoforte, Cello und Fl\u00f6te, oder ein Lied \u201eMit geheimnisvollen Dunkeln\u201c f\u00fcr Sopran, Harfe und Horn. Gro\u00dfen Beifall fanden auch seine Sologes\u00e4nge f\u00fcr Ba\u00df (auch seltener gepflegt!). Er wendet da manchmal eine uns heute nicht mehr so gel\u00e4ufige Form an, die er \u201eKonzertszene\u201c (Szene und Arie) nennt. Als eine Konzession zui die Beliebtheit der Gitarre oder der Physharmonika (Vorl\u00e4ufer des Harmonims) zu seiner Zeit ist es wohl anzusehen, wenn Reissiger viele Lieder von diesen Instrumenten begleiten l\u00e4\u00dft.<br \/>\nWas seine Textdichter anlangt, so hat er fast alle Deutschen mit der Vertonung mindestens einer ihrer Texte bedacht. Am meisten bevorzugte er moderne Dichter. Aber die bekannte Tatsache, da\u00df vorz\u00fcgliche Texte auch im Komponisten edlere Saiten zum Mitschwingen bringen, wird auch hier bei Reissiger best\u00e4tigt. Wir k\u00f6nnen sagen: h\u00e4tte Reissiger seiner Muse mehr Mu\u00dfe geg\u00f6nnt, wir h\u00e4tten nur gute Lieder des zweiten Typus erhalten, und Reissiger w\u00e4re heute als Liederkomponist noch nicht in dem Ma\u00dfe vergessen. Die Gattung Kunstlied h\u00e4tte mehr Bereicherung erfahren, denn er h\u00e4tte das Zeug gehabt, wie Beispiele belegen; so aber ist Reissiger haupts\u00e4chlich ein Vertreter des leichter wiegenden volkst\u00fcmlichen Liedes geworden.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 97-99 :<\/div>\n<p>Sehr gl\u00fccklich war Reissiger als Komponist von Chorliedern, geistlichen und weltlichen. Das vierstimmige Chorlied, welches seit Caccinis Florentiner Monodie nie so recht mehr gebl\u00fcht hatte, erlebte am Anfange des 19. Jahrhunderts einen gro\u00dfen Aufschwung durch die in den Befreiungskriegen wurzelnden Bestrebungen der M\u00e4nnergesangvereine. Da war nun Reissiger einer der gesch\u00e4tztesten Komponisten seiner Zeit. Er verband eine gediegene Setzweise mit frischer, melodischer Erfindung (ohne Chromatik) und manchmal sogar pikanten Harmoniewirkungen. Die vorbildliche Stimmf\u00fchrung, auf vollen Chorklang ausgehend, l\u00e4\u00dft den ehemaligen Schichtsch\u00fcler Thomaschors\u00e4nger erkennen.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nWie die weltlichen Ch\u00f6re, so waren ebenso Reissigers geistliche Ch\u00f6re sehr gesch\u00e4tzt. Seine nat\u00fcrliche Veranlagung war vorwiegend heiter; um so mehr m\u00fcssen wir uns wundern, da\u00df er auch der Kirche so viele achtbare Werke geschenkt hat. Die Kirchenmusik ist \u00fcberhaupt das Gebiet, in welchem die Epigonen der Klassiker ihre besten Werke schufen (Schicht,B. Klein, F. Schneider, Neukomm, Eybler). F\u00fcr Reissiger war die Kirchenmusik das Feld, in welches er von Jugend an hineingestellt worden war; in einem Kantorhause geboren, in einem Kirchenchor erzogen, konnte das nat\u00fcrlich seine Einwirkung auf ihn nicht verfehlen. War aber bereits den Klassikern, die Reissiger vorwiegend h\u00f6rte, in der Kirchenmusik ein gewisser faustisch tiefsinniger Grundzug abhanden gekommen, so erhielt auch beim Epigonen das metaphysische Bed\u00fcrfnis einen mehr naiv-frommen Ausdruck. Seine Weltanschauung war abgeschlossen, wozu sein heiteres, genu\u00dffreudiges Temperament beitrug (Humor als Weltanschauung). Wir verweisen hier auch auf das fr\u00fcher \u00fcber Reissigers Stellung zur Religion Gesagte.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nAuch war ein ebener Satz mit wenig Melodiespr\u00fcngen, L\u00e4ufen und langsamen Harnioniewechseln ein Erfordernis, welches die Akustik der Dresdner Katholischen Hofkirche, f\u00fcr f\u00fcr welche die meisten Kirchenwerke Reissigers geschrieben sind, stellte. Die bewegten Violinpassagen und Modulationen eines Mozart ergeben z. B. in diesen R\u00e4umen eine kleine Klangverwirrung.<br \/>\nAndere, nicht direkt f\u00fcr diese Kirche geschriebene Ch\u00f6re zeigen wieder den gewiegten Kontrapunktiker der Bach-Schule- (Was betr\u00fcbst du dich, meine Seele? Sechsstimmige Motette.) Das kompositorische R\u00fcstzeug handhabte Reissiger ganz vorz\u00fcglich. Kanonische F\u00fchrungen, doppelter Kontrapunkt, Fugen standen ihm jederzeit zur Verf\u00fcgung. Als Studienmaterial w\u00e4ren manche Reissigersche Kompositionen daher sehr wohl zu empfehlen.<br \/>\nBesondere Erw\u00e4hnung verdienen die Orchestermessen. In ihnen wandelt Reissiger in klassischen Bahnen, in der bereits angedeuteten Art; also manchmal mit weltlichen Ankl\u00e4ngen. Bis an die tiefsten Tiefen des Textes geht er nicht heran. Die Reissiger-Messen d\u00fcrften immerhin zu den besten zeitgen\u00f6ssischen Werken dieser Art geh\u00f6rt haben. Weithin ging der Ruf derselben, da\u00df sogar Berlioz in Paris Interesse bekam, sie zu h\u00f6ren. Einzelne Chorstellen haben breitausladenden, wuchtigen Charakter (z. B. die Gloriastelle der As-Dur-Messe und das Sanctus der H-Moll-Messe). Melodisch sind sie nat\u00fcrlich bei einem um thematische Erfindung nie verlegenen Tonsetzer alle, selbst die Credostellen, die infolge ihres abstrakten Inhalts die meisten Komponisten etwas verlegen behandeln. Originell ist das Credo der As-Dur-Messe, welches sogar eine neuere Erscheinung der Musikgeschichte (Verismo) vorwegnimmt, n\u00e4mlich das getragene Rezitieren des Textes \u00fcber einem melodischen Orchesterunterbau. Die Enharmonik ist an manchen Stellen ebenfalls sehr wirksam verwendet, da die Absicht, das gerade den religi\u00f6sen Stimmungen eigene Schweben von der Musik her zu unterst\u00fctzen, in einer Kirchenkomposition sehr berechtigt ist (\u201eAgnus Dei&#8221; der H-Moll-Messe, in dem Offertorium \u201eNon nobis&#8221;). Dem Posaunenzeitalter, in welchem Reissiger lebte, tr\u00e4gt die D-Moll-Messe (Posaunenmesse) Rechnung, eine Ausnahme f\u00fcr Dresden, da die Posaunen in der Katholischen Hofkirche eigentlich verboten waren. Mehrere kleinere Messen, f\u00fcr ein Gesangsquartett mit Orgel, schrieb Reissiger noch auf Anordnung des K\u00f6nigs Johann f\u00fcr das Hoflager in Pillnitz und nannte sie \u201eFiguralmessen\u201c.<br \/>\nDie Reissiger-Messen, sowie viele der f\u00fcr die Katholische Hofkirche in Dresden komponierten Gradualien und Offertorien sind noch heute st\u00e4ndig in gottesdienstlichen Gebrauch.<br \/>\nDer Erfolg der Mendelssohnschen Oratorien scheint dann auch der Anla\u00df zu Reissigers Oratorium \u201eDavid\u201c geworden zu sein. Es war nicht m\u00f6glich, Einblick in dasselbe zu erhalten, aber zeitgen\u00f6ssische Kritiken bezeichnen es als im Stile der Messen gehalten. Eine Stelle in Wagners Briefen scheint sogar Interesse der Wagnerianer f\u00fcr Reissigers Oratorium und einige andere Sachen anzudeuten. Reissiger selbst dirigierte au\u00dfer in Dresden Auff\u00fchrungen des Oratoriums in der Berliner Singakademie und in Erfurt.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 99-101 :<\/div>\n<p>Das f\u00fcr den Komponisten Reissiger am wenigsten gl\u00fcckliche Gebiet war die Oper. Es ist charakteristisch in der Musikgeschichte, da\u00df fast alle Komponisten, mit nur wenigen Ausnahmen, nach Erfolgen auf der B\u00fchne streben. Wie ein D\u00e4mon schwebt die Oper allen als ein verlockendes Ziel vor Augen, sie bietet eben die M\u00f6glichkeit, sein K\u00f6nnen zu gleicher Zeit von recht vielen Seiten zu zeigen.<br \/>\nBei Reissiger k\u00f6nnen wir den Wunsch nach der B\u00fchne besonders verstehen, da sie ihm durch seinen Beruf nahe lag. Er spricht sogar einmal von seiner gro\u00dfen Vorliebe zur dramatischen Komposition. Reissiger besa\u00df, wie z. B. auch Rellstab behauptete, dramatische Veranlagung, aber nur bis zu einem gewissen Grade. Balladen haben energische, dramatische Stellen. Einige S\u00e4tze der Kammermusik (F-Moll-Quartett\u201a Cellosonate op. 152) erheben sich zu dramatischem Schwung. Selbst die Schauspielmusik zu \u201eYelva\u201c ist, wie wir gesehen haben, dramatisch als \u00e4u\u00dferst gelungen zu bezeichnen gewesen. Aber gerade eben nur bis zu der H\u00f6he einer Schauspielmusik langte die dramatische Begabung. Zu gr\u00f6\u00dferen dramatischen Wirkungen, wie sie eine Oper verlangt, war Reissiger, der vorwiegende Lyriker, nicht geboren. Allerdings ist das Mi\u00dfgeschick zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df Reissiger niemals einen so dramatischen Vorwurf, wie Yelva als Schauspiel war, f\u00fcr eine Oper erlangte. Die Libretti der \u201eLibella\u201c (Theophania = Frl. v. Brochowska)\u201a der \u201eFelsennm\u00fchle\u201c (Miltiiz), Turandot&#8221; (nach Schiller), \u201eAd\u00e9le de Foix\u201c (Blum). \u201eSchiffbruch der Medusa\u201c (Kriete)&#8221;) sind doch mehr oder weniger Schablone. &#8212;&#8212;- Da\u00df bei solchen Vorlagen der Komponist nicht zu gr\u00f6\u00dferen Impulsen kam und Reissiger mit seinem musikalischen Mischstil, der in den Opern vor allen Dingen hervortritt und eben doch der pers\u00f6nlichen Note entbehrt, die Werke auch nicht mehr emporrei\u00dfen konnte, leuchtet ein. H\u00f6chstens sind die Rezitative als dramatisch gelungen in der Musik zu bezeichnen. Ungl\u00fccklich war es auch, Stoffe, die schon viel besser bearbeitet waren, in Umarbeitung als neue Vorlage zu verwenden.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nFormell sind die Opern in alter Nummernmamier angelegt. Eine eingehende Untersuchung wird nun sicher unter den einzelnen Nummern, wenn sie f\u00fcr sich, ohne R\u00fccksicht auf den daramatischen Zusammenhang genomnten werden, musikalisch sehr wirkungsvolle St\u00fccke finden lassen. Wie w\u00e4re auch sonst der zeitliche Erfolg der Reissiger-Opern zu erkl\u00e4ren, welchen die Verbreitung und die Auff\u00fchrungszahlen belegen? Nicht nur der Mangel an besseren Opern in der Zeit zwischen Weber und Wagner kann es gewesen sein. Es wird doch immerhin manches Gute darin gesteckt<br \/>\nhaben. Sonst h\u00e4tte nicht ein Mann wie Weber Reissiger 1824 eingef\u00fchrt, sonst w\u00e4ren nicht die Melodien der Opern f\u00fcr so mannigfache Besetzungen (Trios, Quartette, Milit\u00e4rkapellen, ferner in Paraphrasen, Transkriptionen f\u00fcr Klavier zwei- und Vierstimmig) bearbeitet worden. Wir glauben, da\u00df besonders die franz\u00f6sische Rhythmik, die Reissiger ausgezeichnet: nachahmte, gez\u00fcndet hat. Im \u00fcbrigen war ihm Spontini Vorbild.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nDie rein instrumentalen Teile, wie Ouvert\u00fcren, waren, wie berichtet, \u00fcber ganz Europa verbreitet. Die Yelva-Ouvert\u00fcre wurde, wie nebenbei bemerkt sei, von Spohr besonders geliebt, und dieser f\u00fchrte sie oft auf.<br \/>\nZu bedauern bleibt, da\u00df Reissiger keine komische Oper geschrieben hat. Sie w\u00e4re jedenfalls wertvoller geworden, da er dazu angeborene innere Werte mitgebracht h\u00e4tte. Psychologiseh interessant ist es, da\u00df er sich die Komposition einer komischen Oper einfach nicht zutraute. 1830 wurde ihm ein komisches Libretto zugesandt, worauf er in einem Briefe antwortete): \u201e . . aber ich zweifle, da\u00df ich die erforderliche vis comica oder komische Ader besitze und die lebhafte Phantasie der musikalischen Malerei in der Gewalt habe. Marschner hat sich gerade in seinem \u201eTempler\u201c. nach meiner \u00dcberzeugung, mit dem gr\u00f6\u00dften Gl\u00fcck in diesem Genre versucht. Ihn allein k\u00f6nnte ich Ihnen als ihres Werkes w\u00fcrdig vorschlagen.\u201c Als Grund der Ablehnung gibt Reissiger noch an, da\u00df er noch nichts \u201ein diesem Genre geliefert h\u00e4tte\u201c, was beif\u00e4llig aufgenommen worden w\u00e4re. Und gerade mit komischen Liedern hatte er so gro\u00dfen Erfolg.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 101-103 :<\/div>\n<p>Einige Worte seien noch den rein instrumentalen Kompositionen gewidmet. Unter ihnen war der gr\u00f6\u00dfte Beifall den Trios, Quartetten und Quintetten beschieden, also der Kammermusik. Wie aus einem fr\u00fcheren Kapitel zu ersehen ist, war ein Teil dieser Werke f\u00fcr die Gcsellschaftsabende in den Dresdner Salons berechnet. Sie durften demnach nicht allzu gro\u00dfe Schwierigkeiten f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis bieten. Gef\u00e4llige Melodien, einige rhythmische Pikanterien mit untermischt, gen\u00fcgten vollkommen. Die Werke \u00e4hneln einander alle, denn der Komponist brauchte nur mechanisch seine gewandte Hand schreiben zu lassen. So sehr viel Zeit konnte er sich ja als \u00fcberlasteter Kapellmeister f\u00fcr die bestellten Sachen auch gar nicht nehmen. Es sind meist dieselben Wendungen, Transpositionen, die immer wiederkehren. Rob. Schumann spricht einmal von Favoritg\u00e4ngen, die alle Komponisten zeitweilig verarbeiten. So ist es auch bei den Reissigerschen Trios und Quartetten dieser ersten Art. Dabei ist die Form als Ganzes glatt und abgerundet. \u201eWill man aber im Triostil sicher und rund schreiben lernen, so nehme man sich z. B. die neuesten Trios von Reissiger zum Muster\u201c,<br \/>\nschreibt Schumann an anderer Stelle (Ges. Schriften I. \u201aBd). Reissiger, der sich an den Klassikern geschult, war nun aber doch ein viel zu solider Musiker, um sich etwa f\u00fcr seine Person mit den Gelegenheitsst\u00fccken zufrieden zu geben. So haben wir denn von ihm auch Kammermusik erhalten, in der bei gesunder, wenn auch nicht gerade leidenschaftsgewaltiger\u201a thematischer Erfindung in den Durchf\u00fchrungsteilen eine gediegene, motivisch kontrapunktische Arbeit anzutreffen ist. Romantische Einfl\u00fcsse sind dabei trotz der klassischen Faktur nicht ausgeschlossen, indem man z. B. Triolen, Sextolen, Synkopen usw. h\u00e4ufig begegnet. Wir k\u00f6nnen Reissiger, den Kammerkomponisten, vielleicht neben den seinerzeit sehr ber\u00fchmten Onslow (1784 bis 1854) stellen: d. h. er war in den \u201egearbeiteten\u201c S\u00e4tzen ein t\u00fcchtiger Beethovenepigone. Heute sind seine Sachen ein an Konservatorien noch beliebtes \u00dcbungsmaterial.<br \/>\nErw\u00e4hnen m\u00fcssen wir noch, da\u00df Reissiger, wie beim Liede durch Pflege von Kammerqes\u00e4ngen, so auch in der Instrumentalmusik durch Arbeiten f\u00fcr Bl\u00e4sersolisten ein selteneres Gebiet bebaute. Von Haydn, Mozart, Weber waren Bl\u00e4serkonzerte bekannt. Sein direkter Lehrer, P v. Winter, schrieb als ehemaliger Mannheimer auch Bl\u00e4serkammermusik. Reissiger wird aber mit Schumann so ungef\u00e4hr der letzte Kemponist gewesen sein, der ganze Konzerte oder Konzertszenen f\u00fcr Klarinette, Fl\u00f6te oder Waldhorn geschrieben hat. Er hatte ja in seinem Orchester die bedeutendsten Vertreter f\u00fcr diese Instrumente (Kotte, F\u00fcrstenau, Haase, Lewy) und schrieb ihnen die Werke auf den Leib.<br \/>\nWerke Reissigers f\u00fcr ganzes Orchester haben wir schon durch Erw\u00e4hnung der Opernouvert\u00fcren genannt. Wie bei einem in allen S\u00e4tteln gerechten Kapellmeister nicht anders zu erwarten, beherrschte Reissiger nat\u00fcrlich den Satz des klassischen Orchesters vollst\u00e4ndig. Er hat aber eine kleine Entwicklung in der lnstrumentierung von einer etwas dickeren, \u00fcberladeneren zur einfach klar durchsichtigen, wie sie allen sp\u00e4teren Werken eignet, erlebt. &#8212;&#8212; Formal sind die Opernvorspiele sogenannte Potpourriouvert\u00fcren mit effektsicherem Aufbau. Kraftvoll energische Stellen wechseln geschickt mit weichen Gesangslinien. Eine besondere Art Ouvert\u00fcrcn, die wohl den von Mendelssohn gepflegten Konzertouvert\u00fcren zu vergleichen ist, haben wir in den \u201eOuvert\u00fcren mit einem Motto\u201c vor uns. \u201eWas mir wohl \u00fcbrig bliebe\u201a wenn alles von mir flieht, es bleibt noch die Liebe und mit ihr manches Lied\u201c, ist z. B. das Motto einer \u201e\u00c0 Mr. Le Docteur Spohr\u201c gewidmeten Ouvert\u00fcre, Ein anderes Motto lautet: \u201eich lasse Euch Eure Freude.\u201c<br \/>\nWir k\u00f6nnten, wenn wir nicht schon andere Beweise h\u00e4tten, durch diese programmatischen Kompositionen auf das Mitgehen Reissigers mit der Moderne schlie\u00dfen. Die \u201eLieder ohne Worrte\u201c f\u00fcr Klavier, die er genau wie Mendelssohn schrieb, belegen es ebenso.<br \/>\nEinen zeitlichen Erfolg hatte Reissiger mit seiner Sinfonie. (der einzigen), die er f\u00fcr den vielgenannten Wiener Preisbewerb 1835 schrieb. Die Preisrichter hatten damals bekanntlich den Beweis erbracht, wie sehr sich ein Richterkollegium irren kann, indem sie F. Lachner den ersten Preis erteilten. Reissiger, der sich das erste Mal als Sinfoniker versuchte, wird auch nicht die beste Leistung gebracht haben (vergl. aber das Urteil L\u00f6wes im \u00fcbern\u00e4chsten Kapitel), aber der gediegene Satz und die flie\u00dfende Melodik verhalfen der Sinfonie in ca. zehn deutschen St\u00e4dten (Berlin, Halle, Leipzig, Potsdam, Erfurt, Wien u. a., sogar auf dem Quedlinburger Gesangsfest 1838) zu erfolgreicher Auff\u00fchrung. Wir verzeichnen von den Kritiken nur das, was Schumann (Ges. Schriften 2. Bd.) \u00fcber die Leipziger Gewandhausauff\u00fchrung sagt: \u201eBei weitem aushaltender an innerer Kraft als die Lachnersche, k\u00fcrzer, anspruchsloser, schl\u00e4gt sie vielleicht noch zu sehr in das Gebiet der Ouvert\u00fcre hin\u00fcber. Da der stattliche Kapellmeister selbst dirigierte, so war die freudige Aufnahme eine nat\u00fcrliche und ganz an der rechten Stelle.\u201cAn anderm Orte nennt Schumann die Sinfonie wegen ihrer kleinen, niedlichen Form eine Sonate f\u00fcr Orchester.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 103-104 :<\/div>\n<p>Wir haben nun nur noch der Klaviermusik Reissigers zu gedenken. Von ihr haben mir auch nur wenige Sachen vorgelegen, aber man konnte schon bemerken, da\u00df Reissiger ein Kind der Virtuosenzeit (Weber), des um Dussek eingeleiteten Zeitalters der Brillanz war, noch lange nicht so tiefstehend aber, wie: etwa ein Herz und H\u00fcnten. Mit seinem in Wien komponierten Klavierkonzert hatte er, wie wir wissen, gro\u00dfen Erfolg. In einem Aufsatze der \u201eDresdner Morgenzeitung\u201c (1828, S. 6505), welcher gegenw\u00e4rtige Erscheinungen der Musik behandelt, hei\u00dft es, da\u00df von neueren Komponisten keiner au\u00dfer Reissiger berechtige. ein zweiter Hummel zu werden. Der Aufsatz scheint fast das Rechte getroffen zu haben, denn Reissigers konzertm\u00e4\u00dfige Klaviermusik nimmt eine Mitte ein zwischen dem belangloscn Geklingel der Herz und H\u00fcnten und den Klavierkompositionen Mozarts und Webers. Reissiger verbindet klangvolle Melodien und motivische Arbeit mit Stellen, die lediglich weiter schieben (Passage). Manchmal ist etwas L\u00e4uferwerk als n\u00f6tig ist, vorhanden. Die leichter wiegende Salonmusik ist auch noch nicht so fade und gemeinverst\u00e4ndlich, wie man sie sp\u00e4ter schrieb. Die T\u00e4nze sind \u201eSpielt\u00e4nze, keine Tanzt\u00e4nze\u201c. Gelegentlich der<br \/>\nHerausgabe von Polon\u00e4sen werden Reissiger sogar \u201eallersch\u00e4rfste, schneidendste Dissonanzen, Vorhalte und Durchg\u00e4nge, das oft urpl\u00f6tzliche Umwerfen der Harmoniefolge bis ins Entlegenste\u201c vorgeworfen\u201a also eine gut moderne Erscheinung bereits bei ihm. Das der Clara Wieck gewidmete Rondo, op. 83, enth\u00e4lt viele chromatische Schritte, h\u00e4tte sonst aber f\u00fcr die Wieck technisch noch viel schwieriger sein k\u00f6nnen. Die hervorstechenen Merkmale an einer Kompositionsgattung (z. B. Chromatik beim Lied) sind nat\u00fcrlich hier und da auch bei anderen Gattungen zu finden. &#8212;&#8212;- Reissigers wirklich gelungene Arbeiten sind, um auch noch diese Gattung zu streifen, die Sonaten f\u00fcr Pianoforte und Violine (op. 47) und f\u00fcr Pianoforte und Cello (op. 147). Die Voranstellung des Klaviers sagt schon, da\u00df dieses selbst\u00e4ndig an der Arbeit teilnimmt, also dem Streichinstrument nicht untergeordnet ist.<br \/>\nDas erste (diatonische)Thema der Sonatens\u00e4tze hat gew\u00f6hnlich energischen, hingegen das zweite (oft chromatische) zu weichlichen sentimentalen Charakter.<br \/>\n\u00dcberblicken wir das ganze Schaffen Reissigers, so stehen wir, wie schon der kurze Abri\u00df erkennen l\u00e4\u00dft, vor einer F\u00fclle von Erscheinungen\u201a die uns Achtung abn\u00f6tigt. Ein unbedingter Beherrscher der Formen, der gro\u00dfen und kleinen, wie sie nur je von ihm erdacht worden waren. Er erf\u00fcllte sie alle mit Inhalt, mehr oder weniger gl\u00fccklich. Die Grenzen seines Schaffens finden wir in einem abgekl\u00e4rten, haupts\u00e4chlich heiteren Gem\u00fct begr\u00fcndet, welches f\u00fcr das irdische Leben sehr sch\u00e4tzbar ist, aber andererseits nat\u00fcrlich des faustischen Ringens, welches neue Formen gebiert, entbehrt. Die ganze Epigonen-Epoche erscheint wie ein Genie\u00dfen im Schaffen, nicht ein Ausschauen nach Neuland, sondern ein Auskosten des schon Errungenen. Und seien wir nicht hart. Gab es nicht den Klassizisten der gro\u00dfe Erfolg das Recht, auf ihrer Bahn zu bleiben? Sie waren auch nur Menschen. Sollte etwa Reissiger, dessen Liederschaffen z. B. geraume Zeit in Deutschland das Gebiet fast allein beherrschte , oder dessen Kammer- und Kirchenmusik nach klassischem Muster gro\u00dfen Ruf geno\u00df, lieber nichts in dieser Richtung schreiben? Das klassische Ideal, welches die Epigonen hoch hielten, war ja wahrhaftig kein schlechtes. Wenn dazu noch ein liberales Verhalten gegen\u00fcber gr\u00f6\u00dferen Modernen, wie es Reissiger \u00fcbte, hinzukommt, so kann die Geschichte vers\u00f6hnt sein. &#8212;&#8212;-Hochzusch\u00e4tzen ist, da\u00df, wie schon Rellstab betont, Reissiger in der \u201ean Kontrapunkten so armen Zeit\u201c des \u00dcberganges immer auch die strengen Formen mit gepflegt hat. Er hat z. B. einmal ein Menuett kanonisch behandelt. Reissigers Kunst ist also zwar keine bahnbrechende\u201a so doch eine achtunggebietende \u00c4u\u00dferung eines ehrlichen deutschen Talentes.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 105-107 :<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">Kapitel 7.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Reissiger als Lehrer und Schriftsteller<\/h3>\n<p>Ein kleines Kapitel m\u00fcssen wir noch Reissiger, dem Lehrer und Schriftsteller, widmen. Wir wissen, da\u00df er schon als Thomassch\u00fcler und Student in Leipzig durch Erteilen von Klavierunterricht (Henriette Kuntze-Voigt) sein Geld verdiente, da\u00df er dann in Paris sogar bedeutendere Einnahmen verzeichnen konnte und endlich in Berlin 1826 ausschlie\u00dflich Lehrer der Tonkunst am Zelterschen Institut wurde. Seine p\u00e4dagogischen Erfahrungen, die er durch Studieren der hervorragendsten Lehrsysteme an den ersten Konservatorien der Welt gemacht hatte, machten ihn zu einer Autorit\u00e4t in Fachfragen, und so wurde ihm ja schon 1826 ein Ruf nach dem Haag zur Gr\u00fcndung und Leitung eines Konservatoriums angeboten. In Dresden, wo bisher noch kein gr\u00f6\u00dferes Institut bestand, lie\u00df man sich 1856 den zwar durch andere Amtsgesch\u00e4fte \u00fcberlasteten Reissiger doch nicht entgehen und versicherte sich bei der Gr\u00fcndung des Konservatoriums seiner obersten k\u00fcnstlerischen Leitung, die er bis zu seinem Ende innehatte.<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\nReissiger hat sich immer f\u00fcr j\u00fcngere Talente interessiert und sie gef\u00f6rdert. Wir kennen bereits den Fall Wagner. Wenn wir von Reissiger als Lehrer der Komposition sprechen, so d\u00fcrfen wir uns aber nicht denken, da\u00df er elementare Kenntnisse vermittelte, sondern er war vielmehr als ein Meister angeschen\u201a von dem man sich nur letzte Ratschl\u00e4ge holte. Ein sch\u00f6nes Verh\u00e4ltnis bestand in dieser Hinsicht zwischen Reissiger und Raff. Die Briefe zwischen dem \u00c4lteren und J\u00fcngeren sind am\u00fcsant zu lesen. Raff schickte an Reissiger seine Werke zur Durchsicht.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\nDasselbe Interesse brachte Reissiger auch Clara Schumann, die theoretischen Unterricht bei ihm nahm, ferner Edmund Kretzschmer, dem Komponisten der \u201eFolkunger\u201c, dem bekannten Orgelkomponisten und Dresdner Hoforganisten Gustav Merkel entgegen, ebenso dem englischen Komponisten Henry Hugh Pearson (Komponist des Liedes: O Deutschland hoch in Ehren), sowie Prinz Heinrich IV. Von Reu\u00df\/K\u00f6stritz und dem bekannten regierenden, dabei Opern schreibenden Herzog Ernst II. Von Koburg. Letzterer verlebte mehrere Jugendjahre (1838-42) in Dresden und hat zu Reissiger ein sehr herzliches Verh\u00e4ltnis gepflegt.<br \/>\nVon den \u00fcbrigen Sch\u00fclern nennen wir noch den namentlich in Amerika sehr bekannt gewesenen Theodor Eisfeld (1816.82, Dirigent der Neuyorker Philharmonischen Gesellschaft), den Zwickauer Musikdirektor Gast, welcher, wie uns sein Sohn, Herr Pfarrer Gast inGro\u00dfzschocher, freundlichst mitteilte, \u201eein begeisteter Verehrer seines Lehrers Reissiger\u201c war und dies \u201eden Seinen sehr oft versicherte\u201c\u201a ferner den ber\u00fchmten ersten S\u00e4nger des Tristan Luchwig Schnorr v. Carolsfeld, und den Sohn Ludwigs Richters, Heinrich Richter. Auch redigierte Reissiger die Kompositionen der Prinzessin Amalie von Sachsen.<br \/>\nReissiger war allenthalben als Autorit\u00e4t angesehen, und wer ein empfehlendes Zeugnis von Reissiger erlangen konnte, dem \u00f6ffneten sich manche sonst schwer zu betretende Wege.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>auf Seiten 94-97 : Kapitel 6. Allgemeines \u00fcber Reissiger als Komponist. Wir m\u00fcssen zu Anfang dieses Kapitels auf das Vorwort zur\u00fcckweisen, wonach wir durch die Zeitverh\u00e4ltnisse gezwungen sind, uns hier nur auf einen Abri\u00df zu beschr\u00e4nken. Das Schaffen Reissigers ist ja auch quantitativ und qualitativ so vielseitig, da\u00df es eine Abhandlung f\u00fcr sich beansprucht. 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