{"id":247,"date":"2014-02-20T18:22:50","date_gmt":"2014-02-20T17:22:50","guid":{"rendered":"http:\/\/reissiger-stiftung.de\/?page_id=247"},"modified":"2014-02-20T18:22:50","modified_gmt":"2014-02-20T17:22:50","slug":"kreiser-zeitgenossen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/reissiger-carl-gottlieb.de\/?page_id=247","title":{"rendered":"Kreiser, Zeitgenossen"},"content":{"rendered":"<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 107-108 :<\/div>\n<p style=\"text-align: center;\">Kapitel 8.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Einige Urteile Reissiger \u00fcber ber\u00fchmte Zeitgenossen und Werke.<\/h3>\n<p>Als Schlu\u00dfkapitel seien noch einige Urteile ver\u00f6ffentlicht, die Reissiger \u00fcber ber\u00fchmte Zeitgenossen und Werke gelegentlich gef\u00e4llt hat. Die schon im vierten Kapitel \u00fcber franz\u00f6sische und italienischen Musikverh\u00e4ltnisse handelnden Urteile sind hier nicht noch einmal ber\u00fccksichtigt.<br \/>\n\u00dcber die \u201eHugenotten\u201c schreibt er 1838: \u201eGestern hatten wir die dritte Auff\u00fchrung der Hugenotten. Der Beifall war immer noch gro\u00df und der Andrang zu den Pl\u00e4tzen ungeheuer. F\u00fcr unsere s\u00e4mtlichen Kr\u00e4fte, S\u00e4nger, Orchester und Chor, ist es eine Prachtvorstellung, die mir selbst gro\u00dfes Vergn\u00fcgen macht, wenn ich auch der Musik nicht durchaus Beifall geben kann. Dem ganzen vierten Akte mu\u00df ich indes Klassizit\u00e4t beimessen. \u00dcbrigens wie im \u201eRobert der Teufel\u201c kokett und gesucht. Die Instrumentalpartie jedoch sch\u00f6ner.\u201c (Bekanntlich gilt heute der vierte Akt als der wertvollste.)<br \/>\n&#8212;&#8212;-<br \/>\n\u201eHal\u00e9vys J\u00fcdin habe ich sehr zusammengestrichen, und durch diese Reinigung ist mir diese Oper sehr genu\u00dfreich geworden; in dem Kerl steckt etwas mehr als in Meyerbeer.\u201c (Bekanntlich ist das heutige Urteil \u00fcber die J\u00fcdin in dem Punkte der Striche dasselbe.<br \/>\n1847 hei\u00dft es von Mendelssohn, dem Reissiger ein Trio gewidmet hat: \u201eMendelssohns schneller Tod hat uns alle sehr betr\u00fcbt. Er wird in seinen vielen Meisterwerken lange in uns fortleben. Ich habe nie mit ihm Abg\u00f6tterei getrieben, das ist der einzige Fehler, den ich mir gegen ihn vorzuwerfen habe. Viele verst\u00e4ndige und ruhige Musiker meinen, da\u00df er f\u00fcr seinen Ruhm zu rechter Zeit gestorben ist. Seine neueren Kompositionen, selbst sein Elias, den ich zweimal geh\u00f6rt, sind etwas matt sind \u00e4rmer an Erfindung.\u201c 1839 hatte Reissiger \u00fcber Mendelssohns Person geschrieben: \u201eauf ein paar freundliche Zeilen von ihm kann ich nicht rechnen, da wir beide immer auf Hofton leben, id est: es findet leider keine Ann\u00e4herunig zwischen uns statt, was ich bedauere, weil die Schuld nicht an mir liegt. In meinen Briefen an ihn zeige ich ihm den Freund und dann gewi\u00df nie den Kapellmeister, ich schreibe ihm warm und voller Anerkennung und Hochachtung. Hat er mir etwas zu schreiben, so ist es abgemessen und so, als wenn ich an den kalten Spontini schreibe. Er vemutet, da\u00df ich stolz bin und auf meine Steilung eingebildet. Wer mich n\u00e4her kennt, wei\u00df, da\u00df mir beides fremd ist.\u201c (Der berufliche Verkehr zwischen Gewandhausdirektion Leipzig und dem Dresdner Hoftheater, welcher sich haupts\u00e4chlich auf Notenleihen bezog, geschah immer in entgegenkommendster Weise. Vergl. \u201aBriefe im Archiv der Firma Breitkopf &amp; H\u00e4rtel, Leipzig.)<br \/>\nDie Ouvert\u00fcre zur .\u201cUndine\u201c von E. T. A. Hoffman nennt Reissiger ein \u201erecht braves, aber nicht mehr zeitgem\u00e4\u00dfes St\u00fcck\u201c. \u201eGenie hatt Hoffmann f\u00fcr die Musik durchaus nicht.\u201c<br \/>\nH\u00e4ndels Samson betreffend schreibt Reissiger: \u201eEs ist aber auch ein k\u00f6stliches, frisches Werk, und w\u00e4hrend in den meisten Oratorien H\u00e4ndels die Arien Per\u00fccken und Z\u00f6pfe aufhaben, sind die meisten Arien hierinnen neu und gef\u00fchlvoll.\u201c<br \/>\nKalkbrenner ist ihm als Komponist \u201eekelhaft\u201c, w\u00e4hrend von einer gro\u00dfen Auswahlsendung, welche vierzehn Komponisten umfa\u00dft und ihm von Breitkopf \u00fcbergeben war, er nur Chopin zum Kaufe ausw\u00e4hlt.<!--nextpage--><\/p>\n<div class=\"notiz-s\">auf Seiten 109-110 :<\/div>\n<p>Der pers\u00f6nliche Verkehr mit Rob. Schumann war immer herzlich, und wenn Reissiger mit ihm als dem Redakteur der N. Z. f. M. etwas zu besprechen hatte. so geschieht es unbedingt sachlich, ohne die pers\u00f6nliche Freundschaft dabei zu ber\u00fchren. Auf den Postadressen bezeichnet ihn Reissiger als \u201eber\u00fchmter Komponist\u201c. Sein bestes Quartett hat Reissiger Rob. Schumann gewidmet. \u201eIch hatte mir l\u00e4ngst vorgenommen, durch ein t\u00fcchtiges, w\u00fcrdiges Werk Schumann meine Achtung zu beweisen,\u201c lesen wir in einem Briefe Reissigers vom 23. November 1843, dessen Original im Schumann-Museum zu Zwickau liegt. Gemeint ist das Quartett op. 173. Ein anderer Brief Reissigers, den er nach der Auff\u00fchrung des Oratoriums: Das Paradies und die Peri an Schumann schrieb, lautet: \u201eSie sprechen mir Dank aus, lieber, werter Freund, w\u00e4hrend ich Ihnen recht gro\u00dfen Dank schuldig bin. Ihre,treffliche, geistreiche Komposition wird mir noch lange im Inneren widerhallen und in der Erinnerung den sch\u00f6nsten Genu\u00df bereiten. Den Wunsch. da\u00df wir das Werk noch einmal w\u00fcrdiger und mit imposanteren Mitteln auff\u00fchren, gebe ich nicht auf. Der k\u00f6niglichen Familie hat es sehr gefallen, der Umgebung und der Haute voile\u00e9 weniger (dies sind die Donizettij\u00fcnger), bem wahrhaften musikalischen Publikum: au\u00dferordentlich und uns K\u00fcnstlern ganz au\u00dferordentlich. So mu\u00df es auch sein und ich w\u00fcnsche ihnen dazu Gl\u00fcck.\u201c<br \/>\nDie gr\u00f6\u00dfte Verehrung bezeigte Reissiger immer Spohr gegen\u00fcber. \u201eIch ergreife solche Gelegenheiten mit gr\u00f6\u00dftem Vergn\u00fcgen, da sie auch mich veranlassen, Ihnen einmal wieder schriftlich sagen zu k\u00f6nnen, wie meine Verehrung f\u00fcr Sie keine Grenzen kenne und wie gl\u00fccklich ich sein w\u00fcrde, Ihnen einmal dankbar die Hand dr\u00fccken zu k\u00f6nnen f\u00fcr die Wonnestunden, die Sie uns durch lhre Meisterwerke bereiten.\u201c (Dies schrieb Reissiger gelegentlich einer Empfehlung eines K\u00fcnstlers an Spohr.) Es entstand wirklich sp\u00e4ter ein pers\u00f6nliches Freundschaftsverh\u00e4ltnis.<br \/>\n\u00dcber das Verh\u00e4ltnis Reissigers zu den Neudeutschen haben wir schon fr\u00fcher gehandelt.<\/p>\n<p>Zuletzt sei noch ein Urteil \u00fcber Reissiger wiedergegehen, und zwar das Urteil, welches Carl Loewe von seinem Besuche \u201ein der pr\u00e4chtigen Capitale\u201c Sachsens an seine Frau schreibt: \u201eReissiger ist ein sehr talentvoller \u00e4u\u00dferst f\u00e4higer und begabter Mann, der hier viel Autorit\u00e4t hat und geb\u00fchrende Anerkennung findet, dabei ein herrlicher, lieber Man,. im Umgange von vollkommener Bildung. Er spielte mir eine neue Sinfonie vor. Die ersten drei S\u00e4tze sind ihm exzellent geraten. T\u00fcchtig und gesund ist die Konzeption, kenntnisreich und gewandt die Instrumentierung. Das Finale k\u00f6nnte ihm aber leicht einen fatalen Streich spielen, ich m\u00f6chte es nicht gemacht haben. Es f\u00e4llt aus dem Charakter und ist zu leicht.\u201c<br \/>\nDer letzte Satz ist bezeichnend f\u00fcr das unterschiedliche Schaffen eines Komponisten. Sind die geringeren Werke nur im Verh\u00e4ltnis zu den eigenen besseren Kompositionen weniger gut gelungen, \u00fcberragen sie also an Wert immer noch das Schaffen anderer Komponisten, so schadet es dem Sch\u00f6pfer in der Geschichte nicht. (Vergl. die weniger ber\u00fchmten Werke Mozarts, Beethovens.) Sind sie aber \u00fcberhaupt von minderem Werte, so rei\u00dfen sie dann auch die wirklich guten Sachen mit in die Vergessenheit; der Grund, weshalb so viele gelungene Werke nicht mehr bekannt sind.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;==========================================================<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>auf Seiten 107-108 : Kapitel 8. Einige Urteile Reissiger \u00fcber ber\u00fchmte Zeitgenossen und Werke. 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