{"id":274,"date":"2014-03-09T20:05:51","date_gmt":"2014-03-09T19:05:51","guid":{"rendered":"http:\/\/reissiger-stiftung.de\/?page_id=274"},"modified":"2014-03-09T20:05:51","modified_gmt":"2014-03-09T19:05:51","slug":"nachruf-repertitorium","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/reissiger-carl-gottlieb.de\/?page_id=274","title":{"rendered":"Nachruf Repertitorium"},"content":{"rendered":"<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Repertitorium<\/b><\/span> <span class=pmis>der p\u00e4dagogischen Journalisik und Literatur oder:<\/span><br \/>\n<span class=pmis><i><b>Allgemein Wichtiges<\/b><\/i> aus den neuesten Zeit- und anderen Schriften f\u00fcr Erziehung und Unterricht<\/span><br \/>\n<span class=pmis>Von Dr. Joh. Bapt. Heindl, (14. Jahrgang) 1860, M\u00fcnchen J. a. Finsterlin; S. 265-266<\/span><\/p>\n<div class=\"notiz-m\">Anm: In diesem Nachruf ist im Original die Schreibung <b>Rei\u00dfiger<\/b> benutzt.<br \/>\n(Ch. Hildebrand)<\/div>\n<p align=\"CENTER\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Karl Gottlieb Reissiger<\/b><\/span><\/p>\n<p>Noch am Sonnabend vorher dirigierte K. G. Reissiger die Vespermusik in der Hofkirche zu Dresden, und schon am Montag den 7. November 1859 gegen Mittag war er ruhig in seinem Lehnstuhl zu einem besseren Sein hin\u00fcbergeschlummert. Obgleich sein Gesundheitszustand vor etwa einem Jahr durch einen Schlaganfall wankend geworden, so kam sein Tod doch v\u00f6llig unerwartet und erregte die allgemeinste Teilnahme. Seit dem November 1826 hat Reissiger die hervorragendste musikalische Stellung in Dresden eingenommen, und in dieser langj\u00e4hrigen Wirksamkeit bew\u00e4hrte er sich als ein \u00fcberaus fruchtbarer Komponist und ganz besonders geschickter Dirigent. Die musikalische Welt kennt seine Sinfonien, Quartette, Pianofortest\u00fccke, Trios f\u00fcr Pianoforte, Lieder f\u00fcr eine und mehrere Stimmen, und namentlich waren es seine Lieder und Ges\u00e4nge f\u00fcr M\u00e4nnerchor, die seinen Namen weit verbreiteten und bekannt machten.<br \/>\nReissiger war am 31. Januar 1798 zu Belzig bei Wittenberg geboren, zeigte schon in fr\u00fcher Jugend bedeutende musikalische Talente, die erst von seinem Vater, dann seit 1811 auf der Thomas-Schule zu Leipzig unter Schicht ihre weitere Ausbildung erhielten. Wissenschaftlich und musikalisch t\u00fcchtig vorbereitet, bezog Reissiger 1818 die Universit\u00e4t Leipzig und begann das Studium der Theologie. Durch sein geschmackvollens Klavier- und Orgelspiel wie durch eine herrliche Baritonstimme hatte er sich in Leipzigs musikalischen Kreisen bald bekannt gemacht, und Schicht, der zuf\u00e4llig einige seiner kompositionen sah, erteilte ihm nun auch Unterricht in der Komposition. Von da an fa\u00dfte er den Entschlu\u00df, nur ganz der Kunst zu leben und ging 1821 nach Wien, wie 1822 nach M\u00fcnchen, um daselbst seine musikalischen Studien fortzusetzen. Schon w\u00e4hrend dieser Zeit schrieb er seine Oper \u201eDido\u201c, die unter Karl Maria v. Weber wiederholt in Dresden zur Auff\u00fchrung kam. Vom Juli 1824 bis zum Oktober 1825 war Reissiger auf Reisen durch Holland, Frankreich und Italien, wo er neben seiner musikalischen Fortbildung auch eine besondere Mission f\u00fcr die preu\u00dfische Regierung zur Berichterstattung \u00fcber musikalische Lehranstalten \u00fcbernahm. Bei seiner R\u00fcckkehr nach Berlin erhielt er auch den Auftrag, den Plan zu einem gro\u00dfen Konservatirium f\u00fcr den preu\u00dfischen Staat zu entwerfen. Vor der Ausf\u00fchrung desselben erhielt er aber gleichzeitig einen Ruf nach dem Haag und nach Dresden, welchen letzteren er annahm. Hier trat er an Marschner&#8217;s Stelle und entwickelte nun eine rastlose T\u00e4tigkeit mit Direktion der deutschen, und in Morlacchi&#8217;s Abwesenheit auch der damal noch bestehenden italienischen Oper. Mit tiefer Einsicht in die Sache und kluger Besonnenheit verband Reissiger eine ungemeine Energie, welche er in seiner Stellung als Kapellmeister zur Veredlung des Kunstgeschmacks, namentlich der durch die italiensche Oper verbreiteten Richtung gegen\u00fcber, gl\u00fccklich verwendete. Von seine Opern \u201eDer Ahnenschatz\u201c, \u201eLibella\u201c, \u201eDie Felsenm\u00fchle, \u201eTurandot\u201c hat sich keine auf dem Repertoire erhalten, obschon in ihnen eine edle Richtung vertreten war, und ihre Auff\u00fchrungen ihrer Zeit Epoche machten. Mehr als im Dramatischen machte sich Reissiger&#8217;s Talent im Kirchenstil geltend. Als Dirigent der ber\u00fchmten Kirchenmusik in unserer Katholischen Hofkirche hatte er mehrfach Veranlassung zur Komposition von Kirchenmusiken, und seine zehn gro\u00dfen Messen sind in der Tat Meisterwerke ihrer Art. Auch das Oratorium \u201eDavid\u201c, sein letztes Werk, das er noch im letzten Karfreitagskonzert zur Auff\u00fchrung brachte, hat allgemeine Anerkennung gefunden, und kam auch bereis au\u00dferhalb Dresdens verschiedenemale zur Auff\u00fchrung.<br \/>\nBei seinem 25j\u00e4hrigen Amtsjubil\u00e4um im Jahre 1851 wurde Reissiger zum ersten Hofkapellmeister ernannt und erhielt das Ritterkreuz des k. S\u00e4chsischen Civilverdienstordens wie des s\u00e4chsisch Ernestinischen Hausordens. In seinem umf\u00e4nglichen Wirkungskreise stand er durch seine Amtst\u00fcchtigkeit wie durch seinen Amtseifer in hohem Ansehen; seines humane, redlichen und liebensw\u00fcrdigen Charakters halber hatte er sich einer gro\u00dfen Beliebtheit zu erfreuen. Die seiner Leitung unterstellten Kunstinstitute, namentlich die k. Hofkapelle, haben durch Reissiger&#8217;s Mitwirkung in der Kunstwelt eine hohe Stellung eingenommen. Nur wenige Tage vor seinem Tode, am 4. November, ging ihm einer seiner \u00e4ltesten Mitarbeiter, der Chordirektor und Regisseur der k\u00f6nigl. Hofb\u00fchne, Wilhelm Fischer, dessen Verdienste um Hebung des weltber\u00fchmten Dresdener Theaterchors bedeutend sind, zur ewigen Ruhe voran. \u2013 Die bedeutenden Vorbereitungen, welche seitens der k. Hofkapelle, des Theaterchors und der verschiedenen musikalischen Vereine Dresdens f\u00fcr das feierliche Begr\u00e4bnis des verdienten Musikers am Morgen des 10. Novembers getroffen werden, geben Zeugnis von der Achtung und der Liebe, die Reissiger in allen Schichten der Gesellschaft genoss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Repertitorium der p\u00e4dagogischen Journalisik und Literatur oder: Allgemein Wichtiges aus den neuesten Zeit- und anderen Schriften f\u00fcr Erziehung und Unterricht Von Dr. Joh. Bapt. Heindl, (14. Jahrgang) 1860, M\u00fcnchen J. a. Finsterlin; S. 265-266 Anm: In diesem Nachruf ist im Original die Schreibung Rei\u00dfiger benutzt. (Ch. 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