{"id":495,"date":"2015-03-03T12:13:11","date_gmt":"2015-03-03T11:13:11","guid":{"rendered":"http:\/\/reissiger-carl-gottlieb.de\/?p=495"},"modified":"2015-04-02T11:25:36","modified_gmt":"2015-04-02T10:25:36","slug":"reissigers-klavierstuecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/reissiger-carl-gottlieb.de\/?p=495","title":{"rendered":"Reissigers Klavierst\u00fccke"},"content":{"rendered":"<div class=\"notiz-m\">allgemeine Musikalische Berliner Zeitung, 7. Jahrgang, Nr. 5; 30. Januar 1830, S. 39f.<\/div>\n<p>Klavierkomposition von C. G. Reissiger<\/p>\n<p>Reissiger hat bereits als Klavier-Komponist so viel Treffliches geleistet, dass seine Kompositionen eine besondere Aufmerksamkeit verdienen, und je mehr ich davon \u00fcberzeugt bin, desto mehr halte ich mich f\u00fcr verpflichtet, dem klavierspielenden Publikum in dieser Beziehung einen Wink zu geben, der vielleicht nicht ganz der Beachtung unwert sein d\u00fcrfte.<br \/>\nErfahrung hat mich gelehrt, dass die Klavier-Kompositionen von Reissiger h\u00e4ufig, wo nicht gr\u00f6\u00dftenteils, sehr mittelm\u00e4\u00dfigen Spielern von Lehrern in die H\u00e4nde gegeben, oder auch von beiden gew\u00e4hlt werden, weil sie \u2013 weniger notenbunt aussehen als die Anderer. Sind sie nun gl\u00fccklich einstudiert, wollen sie weder Spielern noch Zuh\u00f6rern gefallen, beide aber d\u00fcrfen ihr Urteil nicht laut werden lassen, da t\u00fcchtige Musiker dieselben Kompositionen durchaus f\u00fcr sch\u00f6n erkl\u00e4ren. Man hofft, eine andre Komposition von Reissiger werde interessanter sein, w\u00e4hlt abermals eine solche, die Erscheinungen bleiben sich ganz gleich, und Reissiger tr\u00e4gt so bei manchem Klavierspieler viel dazu bei, dass dieser die Lust zu seinem Instrumente verliert, namentlich wenn, wie h\u00e4ufig der Fall ist, die Lehrer gr\u00e4mliche Pedanten sind, und dem Sch\u00fcler nichts anders zu spielen erlauben als die von ihnen gew\u00e4hlten Kompositionen.<br \/>\nNach meinem Urteile verh\u00e4lt sich die Sache so:<br \/>\nReissigers Kompositionen sind, soweit ich sie kenne, durchg\u00e4ngig im strengsten Sinne des Wortes gediegen zu nennen. Diese Gediegenheit setzt eine sorgsame F\u00fchrung der einzelnen Stimmen voraus, die Melodie wechselt oft in den Stimmen, und nicht selten treten mehrere Melodien gleichzeitig ein. Au\u00dfer allen Anforderungen, welche Kompositionen im leichtern Stil an den Klavierspieler machen, verlangen gediegene Kompositionen noch strengern Unterschied zwischen Melodie und Begleitung, so wie beim gleichzeitigen Eintritt mehrerer Melodien richtigen Vortrag f\u00fcr jede einzelne und Herausheben der etwaigen Hauptmelodie. Wenn es nun selbst f\u00fcr den t\u00fcchtigen denkenden Musiker eine schwierige Aufgabe bleibt, dem Komponisten in dieser Hinsicht mit einiger Vollkommenheit zu gen\u00fcgen, wie will man von einem kindlichen, ungereiften Verstande, oder von einem leichten Charakter verlangen, an der L\u00f6sung so schwieriger Aufgaben Gefallen zu finden, und wem kann man zumuten, mittelm\u00e4\u00dfigen Spielern zuzuh\u00f6ren, wenn unter ihren H\u00e4nden solche Kompositionen zum monotonen Tongew\u00fchl herabgesetzt werden?<br \/>\nDie notwendige Schlussfolge ist: Reissigers Klavier-Kompositionen, von t\u00fcchtigen Spielern sorgsam vorgetragen, m\u00fcssen gro\u00dfes Interesse erregen, eignen sich aber durchaus nicht f\u00fcr die gro\u00dfe Klasse der minder fertigen Klavierspieler.<br \/>\nSollten diese Worte im musikalischen Publikum Eingang finden, so w\u00fcrden zwar Reissigers Kompositionen auf vielen Instrumenten verschwinden, aber dagegen w\u00fcrden t\u00fcchtige Spieler sich h\u00e4ufiger damit befassen, und Reissiger w\u00fcrde mehr Lob einernten, als dies der Fall sein kann, solange die meisten seiner Kompositionen, wie jetzt fast ausschlie\u00dflich, in den H\u00e4nden mittelm\u00e4\u00dfiger Spieler sind.<br \/>\nG. A. Dreske<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>allgemeine Musikalische Berliner Zeitung, 7. Jahrgang, Nr. 5; 30. Januar 1830, S. 39f. Klavierkomposition von C. G. 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