Reissiger, Carl Gottlieb » Neumann (1854)

Neumann (1854)

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Außer diesen Liederkompositionen haben wir von Reissiger eine große Anzahl Sinfonien, Quartetten, Trios usw. Dieselben haben fast eben so sehr für den Ruhm des Meisters gesorgt, wie jene Lieder; in ganz Europa, besonders in Rußland und Holland, sind sie sehr bekannt und beliebt, und Jahr für Jahr bringen unzählige Besuche von Fremden aus jenen Ländern dem Komponisten Zeugnis von der Popularität seines Namens.

Endlich ist noch eine andere große Abzweigung von Reissiger umfassender Tätigkeit als Kompo-nist zu nennen, das ist die Kirchenmusik. Auf diesem Gebiet ist er sehr fleißig gewesen; außer seinem großen Oratorium „David“, was sich viel Beifall erworben hat, schrieb er bis jetzt nicht weniger als zehn große Messen, ein Requiem, zwanzig Graduales, Sechs Offertorien, viele Motetten, Psalmen usw.

An einzelnen Notizen von Interesse können wir anführen, daß der sogenannte Walzer „Dernière pensée de C. M. De Weber“ nicht von Weber, sondern von Reissiger ist. Derselbe erschien be-reits im Jahre 1822 mit noch zehn andern Walzern im Verlage von Peters in Leipzig, während Weber erst 1826 starb. Letzterer hatte den Walzer oft von Reissiger spielen hören, hatte ihn gern, und mag ihn wohl in Paris gespielt haben, woher denn wohl der Irrtum gekommen ist.

Von Bedeutung zu erwähnen ist ferner, daß Reissiger Mozarts Oper „Idomeneo“ neu bearbeitete. Im Verein mit dem Advokat Niese verkürzte und verbesserte er das für unsere Zeit nicht mehr passende Textbuch, und brachte dann die Oper in einer Verarbeitung auf die Bühne, welche sich fortwährend steigenden Beifall erwarb. Besonders der zweite und dritte Akt sind in der Reissi-gerschen Bearbeitung außerordentlich gelungen.

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07. 12. 2013 von Christian